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Jahresrückblick Urbanismus & Urbanität: Unsere Artikel aus 2021

Jahresrückblick Urbanismus & Urbanität: Unsere Artikel aus 2021

Urbanauth. Das Jahr 2021 ist schneller vergangen, als wir gedacht haben. An erster Stelle stand die Entwicklung unserer neuen deutschen Webseite im Vordergrund und selbstverständlich gab es einige Artikel über Urbanismus und Urbanität. Im Folgenden ein Überblick über unsere Artikel über Stadtentwicklung, Infrastruktur, urbane Kultur und Kunst.

Jahresrückblick Urbanismus & Urbanität: Fokus Stadtentwicklung und Architektur

2021 veröffentlichten wir insgesamt fünf Artikel zu unserem Themengebiet Urbanismus und Stadtentwicklung. Neben dem Fokus auf das urbanistische Treiben in Frankreich schauten wir zum Ende des Jahres auf die andere Seite des Atlantiks nach Nordamerika. Der verabschiedete Infrastrukturplan der Biden-Administration verspricht viele Entwicklungen in der veralteten Infrastruktur der USA. Aber auch die ökologischen Stadtviertel der „Écoquartiers“ und der Fortschritt am Grand-Paris sind vielverheißende stadtentwicklerische Tendenzen in Frankreich. Zum Beginn des neuen Jahres werden wir unseren Schwerpunkt weiter auf Nordamerika lassen und auf die Wasserkrise eingehen. Neben unserem Artikel zu urbaner Resilienz, werden wir auch für das neue Jahr unseren Blick auf Infrastruktur haben.

Urbanauth Jahresrückblick Urbanismus & Urbanität

Fokus auf die urbane Kultur: öffentliche Kunst mit Streetart und Graffiti

Im Laufe des Jahres konnten wir drei Artikel über Urbanität und urbane Kultur veröffentlichen. Neben Christo’s posthumes Verhüllungsprojekt in Paris, welches wir dokumentierten, begannen wir ebenfalls eine Dokumentation über die Graffiti-Kunst von STESI156 und gaben einen Einblick in ein gesellschaftskritisches Streetart mit der Bildreportage über die Black-Lines Jam und dessen kulturelle Kontexte. Schlussendlich gab es eine Urbex-Tour durch die französischen Alpen. Infolgedessen begab sich Urbanauth auf die vergessene Industriekultur eines Tales in den Bergen. Für das kommende Jahr werden wir ebenfalls mehr über Streetart und Graffiti schreiben, aber auch einen Fokus auf Museen und Baukultur.

Der Rückblick für 2021 zu Urbanauth und den Reisenden der Städte.

Durch die Entwicklung der neuen Webseite kam leider unser internationaler Blog etwas zum Erliegen. Neben einer Erklärung zu Urbanauth als Plattform über Urbanismus und Urbanität, aber auch seiner Bedeutung als „Reisenden der Städte“ und den Bezug zur Stadt-Mensch Beziehung haben wir unsere Themenbereiche neu organisiert. Es ist nun möglich Themen und Orte unter „Entdecke Städte“ und „Urbanität verstehen“ besser zu entdecken. Neben dem Fokus auf Metropolen und stark urbanisierten Räumen haben wir außerdem unsere Hauptkategorien zu Urbanismus, die politische Stadt und urbane Kultur weiter ausgebaut. Durch die Reorganisierung ist es einfacher über die Hauptkategorien die dazugehörigen Unterthemen zu entdecken.

Urbanauth ist auf den sozialen Medien. Du auch?

Ab 2022 werden wir uns wieder aktiver um die Kommunikation neuer Artikel über Urbanismus und Urbanität auf Urbanauth bemühen. Neben der Möglichkeit sich in unsere Newsletter einzutragen sind wir nun ebenfalls auf folgenden Netzwerken zu finden: Facebook, Reddit, Twitter und Instagram. Unsere Google-Businesspage ist außerdem seit dem letzten Monat online. Wir würden uns sehr über deine Rezension freuen!

Weekly Urbanauth 32: Ein heißer Monat und Räumungen von Hausprojekten

Weekly Urbanauth 32: Ein heißer Monat und Räumungen von Hausprojekten

Die wichtigsten News auf einen Blick – Unsere wöchentliche Presserevue der Kalenderwoche 31/32. Vom heißesten Monat bis hin zu mehreren Räumungen von Hausprojekten – Unsere Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten.

Stadt und Umwelt

Juli 2019 heißester Monat West-Europas seit Messbeginn

Die WWA (World Weather Attribution) veröffentlichte schon am 02.08.19 einen Bericht über den Beitrag des Klimawandels zu den extrem hohen Temperaturen in einigen europäischen Ländern. So kletterten in Belgien und den Niederlanden in der letzten Juliwoche die Temperaturen zum ersten Mal überhaupt seit Beginn der Messungen über 40 °C. Im Vereinigten Königreich war die Dauer der Hitzewelle zwar kürzer, jedoch wurden auch dort historische Höchstwerte gemessen. Diese überstiegen noch die Temperaturen der verheerenden Hitzewelle im August 2003. Der Bericht sagt auch aus, dass ohne den menschen-gemachten Klimawandel im selben Zeitraum in Westeuropa die Temperaturen etwa um 1,5 – 3 °C kälter gewesen wären.

Geplante Steuer auf CO2-Emissionen verfassungswidrig

Wie Focus Online am 08.08.19 berichtete, überlegt der deutsche Bundestag eine Steuer auf CO2 einzuführen, um die Emissionen in den Griff zu bekommen. Allerdings haben nun die Juristen des Bundestags herausgefunden, dass diese Einführung verfassungswidrig wäre. Um eine solche Steuer einzuführen wäre eine Änderung des Grundgesetzes notwendig. Dies ist nur mit einer 2/3 Mehrheit möglich. Widerstand kommt aus Reihen der FDP, so meint die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Bettina Stark-Watzinger, der „Wirtschaftswoche“ gegenüber, eine Ausweitung des EU-Emissionshandels sei „eindeutig die bessere Lösung“. Auch die Union ist gegen eine CO2 Steuer. Sebastian Brehm, Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Energiebesteuerung will lieber „positive Anreize setzen“ anstatt „die Bürger über eine zusätzliche Besteuerung zu bestrafen“. Hierbei spricht er von Steuerbonussen, beispielsweise für den Austausch alter Heizungen oder für den Umstieg auf emissionsarme Autos.

Black Rock verliert ca. $90 Milliarden wegen Investitionen in fossile Energieträger

The Guardian veröffentlichte am 31.07.19 ein Artikel, der über die nicht nachhaltige Investitionsstrategie des weltweit größten privaten Vermögensverwalters Black Rock berichtete. BlackRock, ein Konzern der auch in Deutschland an vielen DAX-Unternehmen größter Anteilseigner ist,
hat im letzten Jahrzehnt ca. $90 Milliarden verloren. Dieser Verlust entstand, weil der Konzern finanzielle Risiken bei Investitionen in fossile Brennstoffe außer Acht gelassen hatte. Die Investitionen in große Ölfirmen, wie ExxonMobil, Chevron, Shell und BP waren für ein Großteil der Verluste verantwortlich. Nimmt man alle Fonds von BlackRock zusammen ergibt sich eine Wirtschaftskraft größer als die Japans, der drittstärksten Volkswirtschaft der Welt. So meint Tim Buckley, ein Direktor der IEEFA und Co-Autor des Berichts, BlackRock’s gewaltiges Gewicht bedeutet die Firma solle Verantwortung für die Führung bei der Klimakrise übernehmen. Denn bislang hat die Firma es verpasst ein Wachstum durch Investitionen in saubere Energien zu erreichen.

Stadt und Mensch

Warnung aus Peking in Richtung Hongkong

Inzwischen befindet sich die Stadt seit nunmehr 2 Monaten im Protestzustand und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Proteste gelten als die umfangreichsten seit dem 4. Juni 1989 in Peking. Damals hatte die Regierung gewaltsam eingegriffen. Am Dienstag hatte die Tagesschau berichtet, das Peking eine deutliche Warnung gegenüber gewalttätigen Demonstranten verlauten ließ. So sagte der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde, Yang Guang, die gewalttätigen Demonstranten sollten nicht die Macht von Polizei und Justiz in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterschätzen. Auf die Frage, ob sich die chinesische Volksbefreiungsarmee in die Proteste einmischen werde, meinte der Sprecher, die Armee sei stark und werde jede Ecke Chinas verteidigen sich dabei aber an das Gesetz halten. Außerdem sagte er, die Hongkonger Behörden seien in der Lage die Situation unter Kontrolle zu bringen. Wir bleiben dran.

Die Elster in Köln wurde geräumt

Die Besetzung der Elster 230 an der Vogelsangerstraße 230 in Köln wurde von der Polizei geräumt (3. August 2019). Das leerstehende Gebäude gehört der Deutschen Bahn und befindet sich im Viertel Ehrenfeld in direkter Nähe zur Kolbhalle, ein von Künstlern besetztes Gelände. Die Besetzung der Elster fand am 19. Juli statt. Schnell bildete sich die Idee ein queer-feministisches Zentrum zu etablieren. So sollte Agisra e.V, eine Beratungsstelle für geflüchtete oder von Gewalt betroffene Frauen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, während die Wohnräume von obdachlosen Frauen bezogen wurden. Am selben Tag wurde in Münster die „Zentrale“ geräumt, einem besetzten Gebäude am alten Güterbahnhof.

Paris – 150 Menschen plötzlich obdachlos

In Saint-Ouen (93) einer Banlieue von Paris wurden am 30. Juli im Laufe der Räumung einer besetzten Halle 150 Flüchtlinge lateinamerikanischer Herkunft auf die Straße gesetzt. Das Gebäude liegt gegenüber des berühmten Fußballstadiums Doctor Bauer und beherbergt die Red Stars, einen Kultverein, welcher mit dem Hamburger St.Pauli vergleichbar ist. Die Stadt hatte das Gelände zum Anfang des Jahres gekauft. Gegenüber der Zeitung Le Parisien wies der Bürgermeister jegliche Verantwortung von sich und verweigert den Dialog mit den nun obdachlosen Personen.

Unsere Presserevue ist in Französisch und Englisch verfügbar.

Bern: Polizei stürmt Reitschule

Bern: Polizei stürmt Reitschule

Am Freitagabend des 23. November 2018 stürmten mehrere Dutzend Polizeikräfte den Innenhof des autonomen Berner Kulturzentrums Reitschule. 15 Männer erhielten eine Anzeige – 13 aufgrund des Verdachts auf Drogenhandel und zwei weitere, weil sie den Einsatz behindert haben sollen. Unter den Männern befanden sich neun Nigerianer und je ein Iraker, Syrier, Sudaner, Marokkaner und Äthiopier. Verhaftet wurden schließlich vier der Männer, jedoch wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz.

Die Berichterstattung der beiden Parteien könnte nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite die Polizei, die von mehreren Personen spricht, welche sie bedrängt und im Einsatz behindert hätten. Eine unbekannte Person hätte sogar vom Balkon aus mit einer Steinschleuder auf sie geschossen. Die Mediengruppe der Reitschule hingegen behauptet, dass mindestens eine Person durch Gummigeschosse verletzt worden sei. Darüber hinaus sei der in der Reitschule befindliche Restaurantbetrieb „Sous le Pont“ stundenlang beeinträchtigt worden.

Dicke Luft herrschte aber schon zuvor. Bereits am 1. September 2018 kam es zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und Besuchern der Reitschule, wo die Polizei laut ihren eigenen Angaben mit Wasserballons beworfen und mit Feuerwerkskörpern, Eisenstangen und Flaschen angegriffen worden sei, nachdem sie in Vollmontur bei der Reitschule patrouilliert hatte. Die Reitschüler hingegen sagen aus, dass mit Gummischrot auf Kopfhöhe auf sie geschossen wurde. Das Gummischrot sei mit Smileys und anderen Beschriftungen versehen worden, was den Verdacht einer geplanten Eskalation untermauere, schreibt die Mediengruppe der Reitschule. So etwas mache die Polizei nicht, hält Polizeisprecherin Jolanda Egger dagegen, denn das würde ihren Grundsätzen widersprechen. Der Einsatz würde dahingehend von der Polizei überprüft werden.

Das nachfolgende Video zeigt eine den Einsatz filmende Person, die mit Pfefferspray besprüht wurde:

Ob der Verdacht einer geplanten Eskalation berechtigt ist? Die Polizei selbst spricht von ihrer Strategie als einer „präventiven Präsenzmarkierung“, die sie aufgrund von sich häufenden Fällen von schweren Körperverletzungen in städtischen Ausgehvierteln als für notwendig erachtet. 

Laut Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern und CVP-Politiker, ginge es nicht an, der Reitschule schlicht aus Angst vor Eskalation aus dem Weg zu gehen. „Rechtsfreie Räume darf es nicht geben“, konstatiert er und betont, dass auch nach Ausschreitungen an der Strategie der präventiven Präsenz festgehalten würde. Nause erhielt übrigens am selben Abend der letzten Vorkommnisse am 23. November, als er nach einem Konzert scheinbar zufällig auf dem Vorplatz flanierte, Hausverbot in der Reitschule. Worauf er mit Unverständnis reagiert: Schließlich würde der Staat das Kulturzentrum subventionieren, und überhaupt sei die Tatsache, aus einem öffentlichen Raum weggewiesen zu werden, ein Widerspruch. Dagegen kontert die Reitschule, dass das Stürmen eines Restaurantbetriebs auch nicht gerade von Toleranz und Dialog zeuge.

Im Zuge der Ereignisse wurde nicht zum ersten Mal der Wunsch nach Bodycams laut: die Minikameras am Körper der Polizisten sollen für transparentere Einsätze sorgen. Das Filmen im rechtlichen Rahmen ist  heute im Kanton Bern bei öffentlichen Veranstaltungen lediglich erlaubt, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür, dass es zu strafbaren Handlungen kommen könnte, vorhanden sind (so zum Beispiel bei unbewilligten Kundgebungen). Erst im April war eine unbewilligte Afrin-Kundgebung von der Polizei aufgelöst worden. Daraufhin hatte am 30. August 2018 das Berner Stadtparlament gegen den Willen Nauses eine unabhängige Untersuchung angeordnet.

Wer auch immer den ersten Stein geworfen haben mag: In der Bevölkerung gehen die Meinungen zum autonomen Kulturzentrum auseinander. „Schließt den Laden“, fordern diejenigen, welche in den Reitschülern vor allem nichtsnutzige Krawallbrüder sehen. Differenziertere Meinungen aber warnen vor der Verlagerung des Problems des Drogenhandels. Und was ist mit dem Straßenstrich neben dem Bundeshaus? Darüber würde auch niemand ein Wort verlieren, so die zynische Entgegnung eines anonymen Users. Die bisherigen Abstimmungsergebnisse sprechen eine deutlichere Sprache: Bereits fünf Mal hat die Berner Stimmbevölkerung über die Abschaffung des Zentrums abgestimmt, jedes Mal war sie dagegen. Das letzte Mal wurde der Verkauf des Gebäudes 2010 mit einer Mehrheit von 68.4% Stimmen abgelehnt. Ein klares Bekenntnis zu Toleranz und kultureller Vielfalt, freute sich Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). 

Berlin: Großeinsatz der Berliner Polizei in der Rigaer 94

Berlin: Großeinsatz der Berliner Polizei in der Rigaer 94

Am 15. November 2018 kam es in Berlin zu einem Großeinsatz der Polizei im links-alternativen Milieu. Neben drei Wohnungen in Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain wurde ebenfalls die Rigaerstraße 94 durchsucht.

An dem Einsatz beteiligten sich zwischen 500-560 Polizisten. Mit Rammen, Kettensägen und Bolzen-schneidern ausgerüstet und schwer bewaffnet mit Sturmgewehren, stürmten sie morgens die Wohnungen auf der Suche nach sieben Tatverdächtigen. Vor allem die Rigaer 94, ein links-alternatives Hausprojekt in Friedrichshain, war davon betroffen.

Der Auslöser für diesen Großeinsatz durch die „Direktion 5“ der Berliner Polizei war ein gewalttätiger Angriff auf einen Kioskbesitzer in Kreuzberg. Dieser wurde nach einer Auseinandersetzung mit einer Frau im Mai von Vermummten verprügelt.

Das Großaufgebot der Polizei wirft die Frage nach dessen Verhältnismäßigkeit auf. Denn über 500 Polizeibeamte im Einsatz für sieben Tatverdächtige scheint in keinem Verhältnis zum Grund der Durchsuchung zu stehen. Die Meinungen gehen hierbei auseinander. So berichtet die Berliner-Zeitung, dass SPD Innensenator Andreas Geisel jeglichen Vorwurf  politischer Gründe von sich weise und diesen Einsatz als eine Ermittlung im kriminellen Milieu sehe. Der TAZ zufolge begründet er den Großeinsatz damit, man müsse: „klarmachen, wer hier als Sieger vom Platz geht“.

Im Gegenzug werden Stimmen laut, dass sich die Stadt einen Überblick über das autonome Hausprojekt machen wollte. Aktuell sind einige autonome Hausprojekte in Berlin von Räumungen bedroht.

Der ersten Polizeioffensive folgte einige Tage am Dienstag eine weitere, Kleinere. Diesmal mit 30 Beamten wegen einer brennenden Tonne. Der Auslöser war das Erscheinen des Fachanwaltes für Verkehrsrecht M. Bernau. Dieser vertritt den Eigentümer der Rigaer 94, die Lafone Investment Ltd. mit Sitz in London. Von Bauarbeitern begleitet hatte er gedroht, Eingangstüren zum Gebäude und den Treppenhäusern zu demontieren.

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