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Paris: PTK erstes Konzert in Frankreich – Aubergine3000

Paris: PTK erstes Konzert in Frankreich – Aubergine3000

PTK und sein Background-Rapper Tayler zum ersten Mal in Paris

Von Berlin nach Paris: Am 15.11.2019 (Freitag) sowie den 16.11.2019 (Samstag) hat Urbanauth zwei Konzerte für den Berliner HipHop-Künstler PTK veranstaltet. Im Rahmen eines internationalen, urbanen Kulturaustausches haben wir für den Künstler und seinen Background-Rapper Tayler ein Konzert in der Aubergine3000 in Malakoff (92) organisiert. Dieses besetzte Haus liegt in einem südlichen Vorort von Paris. Den darauffolgenden Tag ging es dann weiter in den nördlichen Vorort Saint-Denis (93) zum Bike Wars-Festival, einem Intersquat-Event. Der Artikel ist ein Throwback auf ein musikalisches Wochenende.

Der Kontext des Konzerts ist unkommerziell im Rahmen der „Free-Party“-Philosophie (Eintritt und Getränke auf freiwilliger Basis) gewesen. Für die Bike Wars trat Urbanauth als Vermittler auf. Urbanauth hat dies auf ehrenamtlicher Basis organisiert und keine Vergütung bezogen. Um die Sprachbarrieren zu überwinden, haben wir eine Auswahl an Texten des Künstlers übersetzt, welche in einem Videomapping an die Wände projiziert wurden.

Durch den kulturellen Austausch zwischen diesen beiden europäischen Hauptstädten wollten wir Einblicke in die Vielfalt der europäischen Hip-Hop-Bewegung geben und Verbindungspunkte zwischen verschiedenen musikalischen Akteuren schaffen. Hip-Hop, das sind vier Säulen: Breakdance, Graffiti, Master of ceremony und Discjockeys. Rap als eine fundamental-urbane Kultur steht dabei in einem tiefen Kontext zur Stadt und dem Menschen und ist zugleich Ausdruck und Sprachrohr für urbane Bevölkerungsschichten.

PTK – Straßenrap aus Berlin

PTK, das ist engagierter Straßen-Rap für eine deutsche Hauptstadt von unten. Seine kritischen Bezüge zum Urbanen hebt die Beziehung des Menschen zur Stadt in den Vordergrund. In Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, erzählt er von der Kehrseite Berlins: die der Gastarbeiter und Hausbesetzer, vom Runden drehen in seinem Sektor und der Gentrifizierung Berlins. Neben einer kritischen Haltung gegenüber Tourismus und der Konsumgesellschaft bezieht er außerdem eine klare Stellung gegenüber Rassismus und Diskriminierung. PTK steht verdient für “Pöbel tötet König“. Eine Stimme gegen die Ungerechtigkeit in der Welt.

Im Herbst 2012, nach Protestbesetzungen von Migranten am Brandenburger Tor und anschließend Oranienplatz, folgte im Dezember die Übernahme der leerstehenden Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. An diesem Ort, welcher der anstatt Refugees, aber ebenso auch Roma-Familien und Obdachlosen eine Unterkunft gab, gründete er mit einigen Hausbesetzern die interkulturelle Band „Antinational Embassy„. Gemeinsam spielten sie dieses Jahr in Athen nahe des Hausbesetzerviertels Exarchia. Solo schaffte es PTK 2018 bis nach Slowenien und mit Urbanauth nun auch zum ersten Mal nach Frankreich.

Urbanauth: PTK, was macht dich zu einem Urbanauth?

Also fernab von eurer Definition würde ich sagen, dass die Themen in meiner Musik überwiegend in urbanen Räumen stattfinden. So wie eben auch mein Leben in Berlin-Kreuzberg. Meine Standpunkte und Erfahrungen sind aber nicht auf meinen eigenen Mikrokosmos limitiert, sondern in jeder Metropole irgendwie anzutreffen. Das bekomme ich dadurch mit, dass ich z.B. selbst in Paris schon ein paar Fans hatte, die meine Musik verfolgen. Umgekehrt habe ich viele Menschen in Berlin getroffen, die quasi vom anderen Ende der Welt kamen und mit denen ich trotzdem direkt auf einer Wellenlänge war. Somit trifft man irgendwie in jeder großen Stadt auf Gleichgesinnte.

PTK, November 2019

PTK in der Aubergine 3000

Am Freitag, den 15. November 2019, trat PTK in der Aubergine3000 auf. Der Name des Ortes setzt sich aus dem französischen Wort Auberge für Herberge, Aubergine und der Zahl 3000 zusammen. Letztere ist als eine ironische Anspielung auf das Jahr 3000 zu verstehen. Das Haus selbst, welches jahrelang leer stand, wurde nach der Auflösung der Stendhal-Besetzung (Anm. d. Red. Einer großen Hausbesetzung eines leerstehenden Krankenhauses) gegründet. Dieses welches einem iranischen Dissidenten gehörte sollte dabei in eine Herberge umgewandelt werden. Nach dem mysteriösen Tod des Besitzers wurde das Grundstück nicht mehr von den Eigentümern unterhalten. Die Besetzer der Aubergine 3000 nahmen die Idee wieder auf, das Haus in eine Herberge zu verwandeln.

Urbanauth: PTK, erzähl doch mal. Dein erstes Mal in Paris, wie war’s?

Die Auftritte haben Spaß gemacht. Der Abend in der Aubergine 3000 hatte ein geiles Feeling, das war eine richtige Untergrund Hip-Hop Veranstaltung. Die anderen Acts haben total abgerissen, die DJ’s waren wirklich extrem gut (so ein Level sieht man leider in Berlin nicht oft) und die Leute haben uns super aufgenommen und sich einfach auf die Mucke eingelassen. Ich habe auch sehr gutes Feedback auf das Video Mapping bekommen – Übersetzungen meiner Texte wurden synchron an die Wand projiziert – und somit auch meine Inhalte, das war nice! Beim Bike Wars am nächsten Tag hat mich neben dem Event vor allem die Location sehr beeindruckt. Mir wurde von den Leuten vor Ort gezeigt, was dort alles in nicht einmal 2 Jahren Besetzung auf die Beine gestellt wurde. Wohnungen, Musikstudio, Theater, riesige Werkstätten.. Davon können sich viele Squats etwas abgucken!

PTK, November 2019

Das Zusatzkonzert auf dem Bike Wars 2019 im Landy Sauvage: Von Kreuzberg in die Seine Saint Denis

Urbanauth: Konzerte in Slowenien, Athen und jetzt Paris. Wo würdest du gerne als Nächstes hin?

Ich hab da kein konkretes Ziel vor Augen, sondern freue mich einfach, wenn mich meine Musik an immer weitere Orte bringt. Für die Zukunft werde ich meine Texte auch in andere Sprachen übersetzen lassen, um die Sprachbarriere zu knacken. Die Welt ist halt größer als immer nur in Deutschland, Schweiz und Österreich zu spielen.

PTK, November 2019
Weekly Urbanauth 40: Exportgut französische Kultur, Unruhen in Hong Kong und weltweite Klimaproteste

Weekly Urbanauth 40: Exportgut französische Kultur, Unruhen in Hong Kong und weltweite Klimaproteste

Die wichtigsten News auf einen Blick – Unsere halbmonatliche Presserevue der Kalenderwoche 40. Diese Woche: Viel urbane Kultur aus Frankreich und ein Interview mit dem Stadtplaner Richard Sennet. Außerdem Nestkampf auf Kölns Schälsick-Seite, Extinction Rebellion in den Schlagzeilen und eine Zusammenfassung der Ereignisse in Hongkong der letzten Woche. Die wichtigsten, urbanen Nachrichten der Woche im Weekly Urbanauth.

Stadt und Mensch

Wie muss Stadtplanung sein?

In einem Interview mit Mediapart sprach der Stadtplaner, Philosoph und Soziologe Richard Sennett über die Hürden des Städtebaus, damals wie heute. Sein neustes Buch untersucht die Beziehung zwischen Stadt und Leben um zu verstehen, ob Stadtplanung die Gesellschaft so darstellen soll, wie sie ist, oder ob sie diese ändern soll, und wenn ja, wie. In der Frage, inwiefern sozialer, bescheidener Städtebau im Dialog mit den Bewohnern bei gleichzeitiger Berücksichtigung des globalen Kapitalismus möglich ist, findet sich ein zentraler Punkt des Gesprächs. Er stellt fest, dass es, berücksichtigt man die Absichten der Stadtplaner, von der Planung zur Realität stets einen langen Weg gegeben habe. So ist es ein Paradoxon, dass ausgerechnet der reaktionärste der „Großen Generation“, Baron Haussmann, Straßen und öffentliche Räume schuf, die sozial gut funktionierten. Über die Jahrhunderte macht Sennett eine gemeinsame Beobachtung: Die Form einer Stadt bestimmt nicht die Lebensformen, die sie annimmt. Am deutlichsten ist dies bei der in den 1950er Jahren gebauten brasilianischen Hauptstadt Brasilia ersichtlich. Um die geplante Form herum entstand eine größere, ärmere, chaotischere aber auch sozialere und wirtschaftlich intensivere Stadt.

Zum Projekt Gare du Nord in Paris merkt Sennet an, dass es einerseits ein Symbol für die Kluft zwischen Stadtplanung und der Art und Weise, wie Menschen tatsächlich leben, darstellt. Andererseits sei es aber auch symptomatisch für die ständig wachsende Bedeutung des Kapitalismus und des Grosskapitals für den heutigen Städtebau. Das Projekt ist viel zu groß und passt nicht in die Nachbarschaft.

Exportgut Centre Pompidou – Made in France now in Shanghai

Wie die englischen Onlinemagazine TheArtNewspaper und deezen berichteten eröffnet zum 8. November in Shanghai eine Zweigstelle des Centre Georges-Pompidou. Im Xuihui-Distrikt mit seinen zwölf Vierteln zieht das Museum an die Wasserseite vom Huangpu-Fluss. Mit der lokalen Verwaltung und der West Bund Group entwickelt, kam die französische Kooperation zum ersten Mal 2007 zur Sprache. Das Gebäude, welches ein Seitenflügel des West Bund Museums ist, wurde von dem Architekten David Chopperfield entworfen. Bis 2025 sollen sich zeitgenössische westliche und asiatische Kunst im Centre Pompidou x West Bund Museum treffen.

Das ursprüngliche Centre Georges-Pompidou in Paris wurde 1977 im Herzen des Viertels „Le Marais“ eröffnet und von den Architekten Renzo Piano und Richard Rogers entworfen. Das Museum welches nach dem französischen Präsidenten Georges Pompidou (1969 – 1974) benannt ist, beherbergt neben TMOMA in New York und Tate in London die weltweit wichtigsten und größten zeitgenössischen Kunstsammlungen. Die Zweigstellen bieten dabei eine hervorragende Möglichkeit, die ansonsten nur zwischen-gelagerten Meisterwerke der Öffentlichkeit zu zeigen. In 2010 eröffnete in Metz ein erster Ableger, welchem 2015 dann der Nächste in Malaga, Spanien folgte. Neben dem Centre Pompidou x West Bund Museum wird 2020 ein weiterer Ableger in einer ehemaligen Automobil-Garage in Brüssel entstehen.

Die Banlieues von Paris zeigen ihre Kunstschätze!

Trésors des Banlieues“ – Schätze der Vororte, so heißt die Kunstaustellung welche am 4. Oktober im Vorort Gennevilliers, von Frankreichs Hauptstadt stattfindet. Bis zum 30. November werden 260 Kunstwerke aus über 50 Vororten von Paris ausgestellt. Der Öffentlichkeit werden die Werke in der Halles des Grésillons präsentiert. Von einer Vielzahl an Expressionisten wie Chagall zu zeitgenößischem Street Art mit Miss Tic, die Banlieues haben einiges zu zeigen. Auf zeitgenößische Kunst gerichtet, werden Werke von Ende 19. Jahrhundert bis in modernere Zeit ausgestellt. Um das Kernthema der industrialisierten Stadt wird dabei die Geschichte von Gennevilliers angesprochen. Die einst landwirtschaftliche, später dann von prekären Armutsvierteln geprägte Banlieue, kannte einen rasanten Wandel und steht heute kurz vor dem Zusammenschluss zum Grand Paris.

Die künstlerischen Strömungen von Vergangenheit und Gegenwart zu durchqueren, um zu versuchen, eine Antwort auf das zu skizzieren, was die Banlieues so einzigartig macht.

Noel Corret – Hauptkuratorin der Ausstellung „Trésors de Banlieues“

Die Instandsetzung der 1980 gebauten und leerstehenden Markthalle im Viertel „Les Grésillons“ oblag dem französischen Architekten Patrick Bouchain. Dieses Jahr mit dem Grand Prix d’Urbanisme für sein Lebensschaffen ausgezeichnet, ist der 1945 geborene eine Ikone der französischen Architektur. Neben seiner Teilnahme bei der Gründung der École nationale supérieure de Création industrielle (ENSCI-Les Ateliers) Anfang der 80er Jahre, ist er vor allem für seine menschennahe Herangehensweise bekannt, welche die Bewohner in den Prozess der Erneuerung von urbanen Räumen versucht miteinzubeziehen. Für die Gestaltung des Innenbereiches war das Kollektiv „Au fond à gauche“ verantwortlich, welche durch ihre Wahl von Schifffahrts-Containern an die Geschichte der Hafenstadt anknüpfen.

Nestkampf auf Kölns Schälsick-Seite: Dieselstraße 15

Nach den TuMalWat-Tagen in Berlin geht der Nestkampf weiter. Vom Osten Deutschlands in den Westen nach Köln-Kalk. Ein seit Jahren leerstehendes Haus auf der Schäl Sick-Seite Kölns wurde am dritten Oktober für zwei Tage besetzt. Die politische Besetzung der Dieselstraße 15 welche nach zwei Tagen von der Polizei geräumt wurde, ging von der Initiative „Nestkampf“ aus. Diese hatte Anfang Mai bereits zwei leerstehende Gebäude in der Loestraße mit Bannern behängt, um auf Gentrifizierung aufmerksam zu machen. Den Aktivisten zufolge stünden dort 120 Wohnungen leer. Während der Räumung der Dieselstraße 15 wurden 22 Personen in dem Gebäude von der Polizei angetroffen. Drei davon wurden anschließend auf eine Polizeiwache gebracht.

Hongkong – Ein Vermummungsverbot schürt die Wut

Vergangenen Samstag kam es wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit brennenden Barrikaden und Verwüstungen von sowohl Metro-Stationen als auch Geschäften. Aus diesem Grund waren einige Supermärkte geschlossen und die Metro für einen Tag außer Betrieb genommen worden.

Carrie Lam, Regierungschefin der Sonderverwaltungszone Hongkong, griff auf das Notstandsgesetz aus der Kolonialzeit zurück und sprach ein Vermummungsverbot aus. Dieses verbietet das Tragen von Masken bei Demonstrationen. Das von der Regierungschefin erlassene Gesetz wurde ohne Zustimmung des Parlaments erlassen. Carrie Lam kann mithilfe der Notstandsverordnung „Vorschriften jeder Art erlassen, die sie im öffentlichen Interesse für wünschenswert hält“.

Die pro demokratische Gruppierung in Hongkong hat das Gesetz zum Vermummungsverbot angegriffen und bewirkt, dass es gegen Ende dieses Monats vom Supreme Court richterlich überprüft wird. Demonstranten nutzen Masken, um zum einen unerkannt zu bleiben und sich zum anderen vor Tränengas zu schützen.

Die Regierung von Peking unterstützt Carrie Lam’s Vorgehen. Die seit über 4 Monaten andauernden Proteste finden aufgrund eines sehr umstrittenen Auslieferungsgesetzes statt und nehmen an Intensität immer weiter zu. So droht Carrie Lam inzwischen mit einem Einschreiten des chinesischen Militärs, sollte sich die Lage nicht bald entspannen.

Extinction Rebellion

Extinction Rebellion (kurz XR; englisch ‚Rebellion gegen das Aussterben’) ist eine weltweite, Klima-Bewegung, die sich mit Mitteln des zivilen Ungehorsams[1] gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen und
das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise und der Vernichtung von Lebensraum einsetzt.“

Ursprünglich kommt die Bewegung aus Großbritannien, hat allerdings aktive Ableger in vielen größeren europäischen Städten, sowie den USA, Canada und Australien. Mehrere hundert Umweltaktivisten von Extinction Rebellion haben am Samstag, den 05.10.2019 eine Shopping-Mall im Südosten von Paris besetzt, sie wollen damit auf die Untätigkeit der Regierung in Sachen Klimakrise aufmerksam machen. Das Einkaufszentrum „Italie 2“ im 13. Arrondissement solle so lange wie möglich besetzt werden, teilte Extinction Rebellion in Frankreich auf Twitter mit. Nach 18 Stunden wurde die Besetzung des Einkaufszentrums wieder abgebrochen. Die Besetzung fand gemeinsam mit der Bürgerbewegung „Verité pour Adama“ und Gilets Jaunes statt.

Am Samstag, den 05.10.2019 wurde in Berlin vor dem Kanzleramt ein Klimacamp errichtet. Dort sind tausende Menschen zusammengekommen. Es werden Vorträge, Workshops, Berichte von Betroffenen und Filmvorführungen gezeigt. Ab Montag wurde auch der Verkehr in der deutschen Hauptstadt behindert. Extinction Rebellion rief dazu auf, das Auto stehenzulassen. Forderungen der Gruppe sind unter anderem die Ausrufung des Klimanotstandes und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes bis 2025 auf null.

Dies scheint jedoch nur ein Auftakt zu sein, denn ab dem 7. Oktober wurde weltweit zu zwei weiteren Protestwochen aufgerufen.

Dieser Artikel ist in Englisch und Französisch verfügbar.

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Weekly Urbanauth 35: Exarchia in Gefahr und Hong Kong inzwischen seit 14 Wochen auf der Straße

Weekly Urbanauth 35: Exarchia in Gefahr und Hong Kong inzwischen seit 14 Wochen auf der Straße

Die wichtigsten News auf einen Blick – Unsere wöchentliche Presserevue der Kalenderwoche 35. Das autonome Viertel Exarchia in Athen unter Behördendruck, Hongkongs 14. Protestwoche im Überblick und E-Scooter die gar nicht ökologisch sind – Unsere Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten.

Athens einzigartige Hausbesetzerszene um Exarchia in Gefahr

Das Stadtviertel Exarchia im Norden der griechischen Hauptstadt besteht aus einem einzigartigen Mikrokosmos an Hausbesetzungen. Seit einigen Wochen im Visier des kürzlich gewählten Premierminister Kiriakos Mitsotakis, spitzt sich die Lage im Norden Athens zu. Mit seinem Wahlversprechen „Recht und Ordnung“ hatte er dem freien Viertel Exarchia den Kampf erklärt. Etwas, dass sich seit den Ausschreitungen von 2008 schwierig gestaltet, denn die griechischen Ordnungshüter sind dort seit dem Tod eines Minderjährigen durch Polizeigewalt und Vorwürfen der Diskriminierung nicht gerne gesehen.

The Guardian veröffentlichte einen Artikel über dieses anarchistisch-autonome Viertel. Das Kollektiv der Aktivisten um Void Network nennt dabei eine Zahl von insgesamt 23 Besetzungen in Exarchia selbst sowie weiteren 26 im angrenzenden Bereich. Ein kleines alternatives Ökosystem entstand über die Jahre, das von anderen selbstbestimmten Konzepten wie dem Freien Sozialraum Nosotros oder dem Free Shop Skoros begleitet wird. Umgeben von Universitätsgebäuden, beherbergt diese urbane Insel der freien Räume ein Solidaritätsnetzwerk, welches um die 1000 Flüchtlinge in Unterkünften beherbergt. Eine davon ist die Nottara 26, welche während 2015 zu den ersten Besetzungen gehörte, welche seine Türen Menschen aus aller Welt öffnete. Solche selbstverwalteten Häuser bieten dabei eine bessere Unterbringung, in der die Menschenwürde respektiert wird, als überfüllte Flüchtlingslager und gerade für Familien mit Kindern oder isolierte Minderjährige wichtig.

Vier Zwangsräumungen in einer Woche

Den 25. August, gegen 6 Uhr Morgens wurde das Spirou Trikoupi 17 geräumt. Ihre Odysee ist auf Ihrer Facebook-Seite zu verfolgen, in welcher sie berichten, dass die griechischen Behörden vorhaben, die Bewohner auf verschiedene Flüchtlingscamps in Griechenland zu verteilen. Dies trifft besonders die Kinder, welche in Exarchia zur Schule gingen, aber auch die ganze Gemeinschaft, da die verschiedenen Hausbesetzungen über solidarische Netzwerke verbunden sind. Von weiteren Zwangsräumungen betroffen waren ebenfalls die Besetzungen Transito, Rosa de fuego und Gare. Am Freitagmorgen, fünf Tage später, kam es zu einer Razzia im selbstverwalteten Haus K*VOX, während am Abend zuvor Polizisten Tränengas in den geschlossenen Räumen eines Bürgercafes einsetzten. Urbanauth bleibt für Euch dran!

Protestbesetzung durch Migranten im Norden von Paris -Für ein Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft

Anlässlich der sich seit Jahren degradierten Lage für isolierte Minderjährige, Familien oder auf sich gestellte Frauen hat der Verein Utopia56 für eine Woche einen Abschnitt des Parc de la Vilette im Norden von Paris besetzt. Insgesamt 150 Personen, darunter 63 Minderjährige, nahmen mit Unterstützung des Vereins an der Aktion teil. Das Camp der Migranten wurde am Mittwoch eine Woche nach Beginn der Besetzung von der Polizei geräumt. Die Protestbesetzung geschah im Rahmen eines Aufrufs zum Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft. Fehlende Sanitäranlagen und Räumen mit Privatsphäre geht dabei Hand in Hand mit der Ungewissheit und dem mentalen Stress in vorübergehenden Unterkünften untergebracht zu werden.

Der Verein Utopia56, welcher sich der Unterstützung von Migranten verschrieben hat, bietet ihnen Unterkünfte, Hilfe bei der Verteilung von Lebensmitteln, Schlafsäcken und Zugang zur Gesundheitsversorgung (Krankenhausaufenthalte). Mit 11.000 Mitgliedern (Stand Juni 2019) ist der Verein in Calais, Lille, Paris, Rennes, Toulouse und Tours vertreten.

Stadt und Mensch

Die Lage in Hongkong spitzt sich weiter zu

Vergangenen Samstag kam es in Hongkong wieder zu Massenprotesten und Zusammenstößen mit der Polizei.
Am Sonntag haben hunderte Aktivisten Backsteine, Metallstangen und Felsbrocken auf die Schienen der Flughafen-Zuglinie geworfen.
Der Zugverkehr zum Flughafen wurde kurzzeitig ausgesetzt, zu Flugausfällen kam es nicht.
Die Polizei vertrieb die Demonstranten, die auch die Zufahrtsstraßen zu den Terminals mit Gepäckwägen verbarrikadierten, mit Wasserwerfern und Pfefferspray, wie die Zeit berichtete.
Die seit Juni andauernden Proteste wegen des umstrittenen Auslieferungsgesetz an China, der Extradition-Bill, spitzen sich immer weiter zu und die chinesische Regierung sieht sich stark unter Druck gesetzt.
Der Gesetzesentwurf ist mittlerweile eingefroren, doch noch nicht komplett vom Tisch. Und Peking reagiert mit scharfen Drohungen, wie die Tagesschau berichtete. Die Zentralregierung werde niemals zulassen, dass das Chaos auf unbestimmte Zeit anhält.
„Wenn sich die Lage in Hongkong weiter verschlechtert und es zu einem Chaos kommt, das von der Regierung der Sonderverwaltungsregion nicht kontrolliert werden kann und das die Souveränität und Sicherheit des Landes gefährdet,
dann wird die Zentralregierung nicht untätig bleiben“,
sagte Xu Luying, die Sprecherin des Büros für die Angelegenheiten Hongkongs und Macaus. Gemeint ist hier ein laut Gesetz legales militärisches Eingreifen von Peking in Hongkong.

Stadt und Mobilität

E-Scooter nicht so umweltschonend wie gedacht

In den vergangenen Monaten sorgten E-Scooter in den Medien vor allem durch Verkehrsunfälle, in die sie verwickelt waren, für Schlagzeilen. Nun kommt heraus, dass sie nicht einmal ökologisch sind! Das behauptet zumindest heise online, die wiederum eine Studie der North Carolina State University zitiert. In der Studie wurden alle Emissionen inklusive Herstellung, Transport, Laden, Einsammeln und Entsorgung der Scooter berechnet. Und siehe da, bis zu 200 Gramm CO2 pro Meile verbrennen die Fahrzeuge – was mehr entspricht als es bei einem normalen Dieselbus mit hohem Auslastungsgrad der Fall ist.

Ein intelligentes Segel für Frachtschiffe

Frachtschiffe sind das Transportmittel, wenn es darum geht, große Warenmengen aus einer Metropole in eine Andere zu schicken. Dabei erstreckt sich der zurückgelegte Weg nicht selten über Kontinente. So werden etwa zwei Drittel des weltweiten CO2-Austoßes von Frachtschiffen verursacht, also mehr als eine Milliarde Tonnen pro Jahr. Außerdem fahren viele Frachtschiffe mit billigem Schiffsdiesel, dadurch entstehen zusätzlich Schwefel- und Stickstoffemissionen. Ein neues Segel soll diesen Umständen entgegenwirken und die Emissionen eines Frachters um 40 % senken.
Das Segel soll bei rauer See seinen Betrieb automatisch einstellen und sich bei schönem Wetter automatisch zum Wind hindrehen.
Das „Wingsail“ der spanischen Firma Bound4blue befindet sich momentan in der Entwicklungsphase und soll in fünf Jahren erste Gewinne abwerfen. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich in diesem Blogbeitrag von reset.org.

Dieser Artikel ist in Englisch und Französisch verfügbar.

Das Titelbild stammt von Michael Sterneck / CC By-NC-NS-2.0

Von Dublins Miethaien und einem Sommer der Hausbesetzungen

Von Dublins Miethaien und einem Sommer der Hausbesetzungen

Irland. Ein Sommer der Hausbesetzungen in Dublin. Leerstand, teure Mieten und „Slumlords“ treiben immer mehr Menschen in die Wohnungslosigkeit. Vor allem Dublin ist betroffen. Diesen Sommer begannen verschiedene Graswurzel-Initiativen sich zu wehren und auf die Missstände hinzuweisen. Der Hintergrund zu Dublin’s Sommer der Hausbesetzungen:

Wiliam Murphy, Fotograf aus Dublin, lebte 1979 in San Jose, Kalifornien, als er an einem Wochenende San Franscico besuchte und zum ersten Mal in seinem Leben, Obdachlosigkeit auf den Straßen erlebte.

Für Ihn – schockierend und ungewöhnlich, denn 1970 war es in Irland üblich, dass der irische Staat Menschen ein Dach über den Kopf gewährleistete. Viele Kollegen von ihm lebten in Cremlin, Bellyfermon und Cabra. Dies sollte sich jedoch ändern, als der Staat den Bau und die Instandhaltung von Sozialwohnungen an den privaten Sektor abgab.

Portobello, Dublin 2, Richmondstreet South- Eine Gegend mit vielen verfallenden Häusern. Manche von Ihnen werden vorübergehend genutzt. Im Bild ein Hof in dem Foodmarkets veranstaltet  sowie Außenwände Graffiti-Sprühern zur Verfügung gestellt werden. (Photo by: William Murphy / CC BY-SA 2.0)

Nach seiner Rückkehr nach Dublin begann ihm ab 2007 die steigende Zahl Menschen, welche im Zentrum vor der Ladenzeilen schliefen, aufzufallen. In seinem professionellen Umfeld stieß er dabei auf taube Ohren, da ihm seine Arbeitskollegen entweder nicht glaubten, oder behaupteten es wären Drogensüchtige. Doch seitdem hat sich das Problem verschärft, bis hin zu einem Stand, an dem es nicht mehr möglich ist das Problem der Obdachlosigkeit herunter zureden.
Dank seiner Auslandserfahrung stellt Murphy Parallelen zur Wohnsituation zwischen San Franscico und Dublin fest. Denn beide Städte seien seiner
Meinung nach für normale Menschen nicht erschwinglich. Unter anderem da sich nur Angestellte der Hightech-Sparte Neubauwohungen leisten können.
Das derzeitige Obdachlosigkeitsproblem hinterlässt bei ihm einen bitteren Nachgeschmack. Vor allem da er vor fünf Jahren selbst von einer Hypothekenzahlung betroffen war und kämpfen musste, seine Schulden abzuzbezahlen. Murphy archiviert mit seiner Kamera die Straßen des heutigen Dublins.

Als ich Anfang Juli diesen Jahres in Dublin war, erfassten drei Sachstände meine Aufmerksamkeit: Zum Einen die vielen Touristen und Sprachstudenten, welches ein ausgelassenes Leben, zwischen Englisch-Lernen und Bar Hopping führten. Und zum Anderen die hohe Zahl an Obdach- und Wohnungslosen, welche in einem Gegensatz zur riesigen Anzahl, leerstehender und verbarrikadierter Häuser standen.

Leerstand soweit das Auge reicht – Ardee Street, Dublin 8. (Photo by William Murphy / CC BY-SA 2.0)

Laut der Wohltätigkeitsorganisation Focus Irland sowie staatlichen Erhebungen, lag 2014 die Zahl der Obdachlosen Menschen in Irland knapp unter 4.000. So stieg sie innerhalb von vier Jahren auf fast 10.000 an. Betroffen sind Einzelpersonen und Familien in privaten Mietverhältnissen.  Im Oktober suchten 1700 Familien eine Notunterkunft auf, darunter 3725 Kinder.

Doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich wesentlich höher, da viele Personen durch das soziale Netzwerk von Freunden und Bekannten aufgefangen werden ( – Couch surfing). Diese werden jedoch nicht in den Statistiken erfasst.

Die Wohnungsnot hat sich seit der Wirtschaftskrise in 2008 stetig verschlimmert. Unter anderem zwecks der legislativen Entscheidung Gelder für  Sozialwohnungen zwischen der Krise und 2014, um 72 % zu kürzen und auf Private Vermieter zu setzen. So fiel das Budget von 1,34 Milliarden auf 390 Millionen.

Keine Wohnungen trotz grassierendem Leerstand

Poster-Aktion des Irish Housing Networks (Photo by: Irish Housing Network)

2015 erstellte der Dublin Inquierer eine erste unvollständige Karte leerstehender Gebäude. Diese weist bereits eine Anzahl von 389 vermerkten Einheiten auf.

Der Leerstand ist leicht zu erkennen – zwischen  den verbarrikadierten Fenstern, verfallenden Fassaden und hohen Absperrungen. Als im darauf folgendem Jahr die Housing Agency einen Bericht zum Leerstand veröffentlichte, in dem für Dublin 38.000 leerstehende Objekte verzeichnet waren. Seitdem verringerte sich die Zahl dem TheGuardian zufolge auf 30.000 leerstehende Objekte für 2018. Dennoch wuchs die Obdachlosenszahl

Doch die betroffenen Bürger geben sich nicht geschlagen und beginnen mit kreativen Methoden auf den Missstand hinzuweisen. So zum Beispiel das Irish Housing Network (IHN), einem Dachverein von 14 Graswurzel-Initiativen welche sich für bezahlbaren und lebenswürdigen Wohnraum einsetzen. Im Sommer riefen sie dazu auf, in ganz Irland Leerstand mit gelben Plakaten zu markieren. Auf gelbem Hintergrund darauf zu sehen, die Umrisse einer Familie unter einem Dach und dem Schriftzug: „Schande über dich – Dies könnte ein Zuhause sein“.

Das Problem der leerstehenden Gebäude, welche entweder in einem sehr schlechtem Zustand sind und seit Jahren auf eine Neuentwicklung warten oder aus spekulativen Gründen ungenutzt bleiben, prägen die städtische Landschaft. Dublin mit seinen hohen Mieten ist lukrativ für Immobilienhaie, welche durch den Leerstand die Preise in die Höhe treiben lassen.

Anbieter wie AirBnB nehmen ebenso den Iren Wohnraum weg, da sich die Eigentümer neben einer hohen Gewinnspanne, nicht an das klassische Mietrecht halten müssen.  Vor allem Dublin, als Universitäts – und Sprachschulenstadt ist davon betroffen. Doch die von InsideAirBnB gelisteten 1300 Ferienwohnungen sowie 1100 Zimmer sind nur die Spitze des Eisberges.

In den Fängen der irischen „Marchands de sommeil“

Besonders schlimme Landlords sind im Sprachgebrauch unter dem Begriff Slumlords verpöhnt. Sie sind die irische Version der französischen „Marchands de sommeil“ (Schlaf-Händler). Diese Miethaie vermieten Zimmer mit sechs bis acht Betten für bis zu 450  Euros  pro Kopf. Meistens betrifft dies Menschen in prekären Situationen, welche nicht die Möglichkeit besitzen, sich zu wehren. Diese überfüllten Schlaf-Unterkünfte werden nicht von den Slumlords instand gehalten. Brandschutzmängel und Schimmel an den Wänden gehören zum Alltag.

Wer in solch einem dubiosen  Mietverhältnis landet, bekommt selten das vorgeschriebene Mietbuch ausgehändigt. In diesem müssen die Personalien des Eigentümers vermerkt sein, sowie eine Auflistung der vergangenen Mietpreise aufweisen. Es soll Mieter vor Willkür schützen, doch mangels einer rigorosen Umsetzung, wird diese Vorschrift in vielen Fällen missachtet. Die Betroffenen befinden sich dabei in einer Zwickmühle, da sie auf eine Unterkunft angewiesen sind und nicht immer die Möglichkeiten haben, ihre Recht geltend machen zu lassen.

Eine kleine Twitter-Umfrage der Dublin Central Housing Action welche sich für Menschen in Wohnungsnot einsetzt und Teil der TBYCDUblin-Bewegung („Take Back Your City Dublin“) ist, ergab das von 650 Befragten ganze 87 % kein Mietbuch erhalten hatten:

Slumlords und Miethaien entschlossen gegenübertreten

Slumleaks ein Kollektiv von Betroffenen hat sich unter dem Motif: „Exposing Irish Slumlords“ zusammengeschlossen und berichtet regelmäßig über Schikanen, Gewaltandrohungen und Vertreibungsaktionen durch gewissenlose Slumlords. Der Fall Paul Howard Tenant#1 gibt Einblicke in den Alltag des Miethaies Paul Howard:

Die sechs Mieter am Mountjoy Square in Dublin 1, befanden sich Ende letztens Jahres plötzlich auf der Straße, als sie sich am 13. Dezember aus ihrer Wohnung ausgeschlossen vorfanden. Der Eigentümer hatte das Schloss der Haustür ausgewechselt und ihre ganzen Habseligkeiten in Plastiktüten auf die Straße gestellt. Zuvor waren sie gegen ihren Vermieter vor Gericht gegangen. Der Zustand der Wohnung, mit einem kaputten Fenster und Schimmel an den Wänden, sowie die willkürliche Mieterhöhungen von 650 auf 750 Euros, war unerträglich geworden. Die im Winter stattgefundende Vertreibung, stuft Slumleaks als illegal ein.

So schilderte einer der Betroffenen von Mountjoy Square gegenüber Slumleaks folgendes über die Zahlung der Miete: „Jeden Monat sammeln wir unsere Miete ein und Paul Howard oder einer seiner Freunde kommt vorbei, um sie einzusammeln – Insgesamt 4200 € in bar. Manchmal verlangt er auch, dass wir die Miete direkt zu seinem Waschsalon in die Talbot Street 60 bringen.“

Dublins Antwort auf die Krise: #besetzen

„Homes not Hostels“ – Direct Action um auf Wohnmissstand aufmerksam zu machen. (Photo by: Opendemocracy)

Die Aktivisten der Graswurzel-Bewegungen bedienen sich Direct-Action-Methoden, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. So gehören Plakatier und Banner-Aktionen, genauso wie regelmäßige Essensausgaben und temporäre Besetzungen zum Inventar der fest entschlossenen Aktivisten. Direct-Action, welches auch als Synonym für zivilen Ungehorsam verstanden werden kann, beschreibt die Möglichkeiten durch pazifistische Ansätze auf gesellschaftliche Probleme hinzuweisen und Debatten anzustoßen. Wie im Fall vom „Take Trinity Back“, einem Studentenprotest der im März ausbrach:

Die Leitung des Trinity Colleges hatte beabsichtigt, zusätzliche Kosten von 450 Euros für das Wiederholen von Prüfungen einzuführen. Daraufhin protestierten die Studierenden und besetzten die historische „Dinning Hall“ für drei Tage. Als die Besetzung aufgelöst wurde, kamen 1000 Studenten und bejubelten ihren Kommilitonen zu. Die Universitätsleitung schlug einen versöhnlichen Ton an und ließ von seinem Vorhaben hab. Die Besetzung des Universitätsgebäudes wirkte wie ein erster Windstoß, der sich auf die Straßen von Dublin ausbreiten sollte. Der Frühling war zu Ende, doch brodelte es bereits an anderen Ecken…

Dublin’s Beginn eines Sommers der Hausbesetzungen

Mai. Ein paar Blocks vom Mountjoy Square entfernt: Die Bewohner von fünf Häusern in der Summerhill Parade 33-39, Dublin 1, werden aus ihren Zimmern vertrieben. Diese welche sich mit bis zu zwanzig anderen Personen die Unterkunft pro Reihenhaus teilten und zu einem großen Anteil brasilianischer Herkunft sind, waren im Gespräch mit der Irish Times nicht in der Lage den Eigentümer der Häuser zu nennen. Die Bewohner wurden von verschiedenen Graswurzel-Initiativen unterstützt, darunter die „Dublin Central Housing Action“,“Take back Trinity“, „Brazilian Left Front“ und vier weiteren lokalen Bewegungen.

7. August – Aus Protest beginnen die Gruppen Summerhill Parade 35 zu besetzen und mit Ständen vor den Häusern auf auf die lokalen Wohnprobleme aufmerksam zu machen.

Bereits seit Monaten organisierte die Dublin Central Housing Action eine Facebook-Kampagne gegen Pat’ODonnel. Dieser und seinem Investement-Fond, der „Co Ltd Retirement and Death Benefit Plan“ – einer Pensionskasse von 67 Mitgliedern.  Gegenüber der Irish Times verneinte ein Sprecher Anfang August, dass den ODonnels die Grundstücke in der Summerhill Parade gehörten. Jedoch reichte Pat’ODonnel Mitte August, im Namen seines Pensionsfonds Klage gegenüber den Besetzern ein.

Im Video wird die Hausbesetzung offiziell verkündet. In einem Abschnitt fordert ein Aktivisten das Vorkaufsrecht der Stadt ein:

„Genug ist Genug.
Pat O’Donnel soll nicht weiter diese Häuser besitzen.
Mietpreissteigerungen, Räumungen, schlechte Wohnbedingungen, Menschen die in überfüllten Häusern auf Stockbetten untergebracht sind, die in Hostels und Hotels oder auf der Straße übernachten. Wir hören jeden Tag von Jemandem der von diesen Umständen betroffen ist.
Doch es gibt keinen wirklichen und bedeutungsvollen, politischen Willen die Wohnkrise anzugehen. Unsere Forderung ist es, dass die Immobilien von Pat’Odonnel an der Summerhil Parade von der Stadt gekauft werden und der lokalen Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.“

Den Worten wird kein Gehör geschenkt und zehn Tage später verlassen die Aktivisten in einem Demonstrationszug das Gebäude.

17. August – Das Gericht hatte die Räumung entschieden. 750 Meter und einige Straßenabbiegungen weiter, ziehen die Aktivisten der TBYC-Dublin   in einem Demonstrationszug daraufhin in ein leerstehendes Haus an der Frederick Street North 34. Dieses gehört einer Versicherungsfirma und steht seit drei Jahren leer.

25. August – Anlässlich des Besuches von Papst Franziskus in Dublin, rufen die Aktivisten einen Aktionssamstag aus, an dem das Haus ausschließlich von Frauen und Kindern besetzt ist. Dies verstehen die Aktivisten als Erinnerungsaktion, da in den Magdalenen-Wäschereien bis ins späte 20. Jahrhundert Alleinerziehende und ihre Zöglinge Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein Volks-Trauma wofür sich der irische Staat erst in  2013 bei über 10.000 Personen entschuldigte.

Nach 25 Tagen – Die Räumung vor der Tür

11. September – Zwei Wochen zuvor hatte das Gericht abermals zu Gunsten der Landlords entschieden, doch das Haus blieb weiterhin besetzt. Immer mehr Menschen unterstützen die TBYCDublin. Als an einem Dienstag Abend gegen sieben Uhr  ein Sprinter ohne vorderes Nummernschild auftaucht. Vermummte Person treten aus dem Wagen und versuchen sich Einlass zum Haus zu verschaffen. Diese „privaten Sicherheitsleute“ werden später von der Gardai, der lokalen Polizei, abgelöst.

Fünf der Aktivisten werden auf rabiater Weise auf das Polizeirevier an der Store Street gebracht. Angaben der Zeitung Thejournal zufolge, welche ausführlich über die Räumung berichtete, kamen bis zu 100 Demonstranten vor dem Haus zusammen. Später verlegte sich die Demonstration vor das Polizeirevier, woraufhin drei der Aktivisten freigelassen wurden. Das Hausprojekt jedoch wurde beendet.

Aus Solidarität mit der TBYCDublin kam es in ganz Irland zu Hausbesetzungen, wie zum Beispiel in Waterford, wo Aktivisten eine 24-Stunden Besetzung eines leerstehenden Gebäudes der Stadt abhielten.

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