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Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

teufelsberg graffiti frau
Berlin’s Museum für urbane Kunst. Steetart Graffiti von ihrer besten Seite… oder Fläche? (Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Berlins alternatives Museum für Streetart und Graffiti

Die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg

In Berlin gibt es ein alternatives Museum für urbane Kunst: die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg. Seit mehreren Jahren zieht dieser zuvor Lostplace, Streetart und Graffiti-Künstler an!

Hoch über den Dächern der Stadt kann man die Silhouette des sogenannten Teufelsbergs mit seiner stillgelegten und baufälligen Abhörstation aus dem Kalten Krieg erkennen. Der Berg entstand nicht auf natürliche Weise, sondern durch menschliches Zutun. Bis in die 1940er Jahre befand sich hier die Wehrtechnische Fakultät, eine Einrichtung die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania entstand. Diese wurde nach den Zweiten Weltkrieg gesprengt und das Gelände anschließend als Schutt-Deponie genutzt. Bis 1972 wurde hier eine Schuttmenge von etwa 25. Millionen Kubikmetern abgeladen, was ungefähr einem Drittel der Baumasse aller im Krieg zerbombten Gebäude Berlins entspricht.

Die Außenwände eines alten Verwaltungsgebäudes dienen hervorragend als künstlerische Ausdrucksfläche
(Foto: Urbanauth)

Berlin und sein alternatives Museum für urbane Kunst

Ein Lost Place im Wald – Ort wo sich Streetart und Graffiti Künstler austoben

Anschließend wurde die aufgeschüttete Landschaft mit Sand und Mutterboden gestaltet und mit rund einer Million Bäumen bepflanzt. Abgesehen von der Nutzung als Rodelberg dienten die Hügel auch für die Errichtung einer Abhörstation der Amerikaner im Kalten Krieg. Nach der Wiedervereinigung wurde diese leergeräumt und zu einem Lost Place in Berlin. Heute genießt man auf den Höhen des Teufelsbergs einen großartigen Blick über den Grunewald und die angrenzenden Stadtviertel. Neben diesem Ausblick in circa 120 Metern Höhe lohnt sich auch die Begehung der ehemaligen Abhörstation.   

Links die Haupt-Antennenkuppeln der Radarstation. Rechts ein kleiner Seitenturm.
Foto: Urbanauth

Berlin und sein Museum für urbane Kunst

Von einer Ruine zur Kunstkulisse – Europas größte Graffiti Galerie

Heute bietet sich neben der eindrucksvollen Ruinenromantik eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Müllhalde und Kunstkulisse. Ein zwischenzeitlicher Pächter schuf dort in der Zusammenarbeit mit diversen internationalen Künstlern, ohne ein übergreifendes Konzept, die größte Graffiti-Galerie Europas. Auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern haben bekannte Streetart- und Graffiti-Künstler ihre Bilder in grellen, bunten Farben an den Wänden hinterlassen.

Im Jahr 2011 kamen einige Künstler auf den Berg und begannen damit, das Gelände zugänglich zu machen. Sie räumten Schutt weg, setzten Fenster ein und gestalteten das Gebäude künstlerisch. Seit 2015 hat Marvin Schütte, der Sohn von einem der vier Eigentümer, das Gelände gepachtet, um eine Künstlerkolonie für eine nachhaltige Gestaltung des Teufelsbergs zu schaffen. Des Weiteren bietet er dort Führungen an und gelegentlich diente der Ort sogar als Filmkulisse. Zwar arbeitet er mit den Künstlern zusammen, jedoch stehen diese ihm zum Teil kritisch gegenüber. Verträge mit dem Pächter gäbe es keine, aus Angst vor einem Rausschmiss. Im Jahr 2018 wurde das Hauptgebäude des Komplexes aufgrund von Sicherheitsbedenken bei Statik und Brandschutz von der Berliner Bauaufsicht gesperrt. Das betrifft neben den Touristen vor allem den Pächter sowie die dort agierenden Künstler.    

Mit seinem markanten Hundesketch prägt Tobo, Hauskünstler vom Teufelsberg, diesen semi-urbanen Raum. Ob als zwei grimmige Soldaten im Banksy-Cover welche ein rotes Peace-Zeichen an die Wand malen, oder mit einem Buch in der Hand und dem Spruch: „Der Mann der nicht liest, hat keinen Vorteil über den Mann der nicht lesen kann.“ (Foto: Urbanauth)

Finanzierungs- & Behördenprobleme für alternative Kunstorte

Vom ehemaligen Hauptgebäude sind nur noch die drei markanten Antennenkuppel sowie das Betonskelett erhalten. Man braucht Besucher für die Einnahme und ihr Geld um das Gelände instand zu halten. Entsprechend ärgerlich ist ein solcher Rückschlag für den Pächter und die Künstler. Diese zahlen zwar keine Miete, sind aber dennoch auf das Geld für die Instandhaltung angewiesen. Zu den Sicherheitsbedenken meinte Schütte gegenüber der BZ: „Einstürzen wird das Hauptgebäude sicher nicht.“ Man wolle nun weiterhin versuchen mit anderen Ideen, wie z.B. einer Schnitzeljagd oder einer Schatzsuche neue Besucher anzuziehen.“ Außerdem gibt es einen Ausstellungsraum zur Geschichte der Radarstation auf dem Teufelsberg.

Ein Elefant im Wasser. Perfekte Farbharmonie zwischen den Blau-Grau-Orange Tönen.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Von „Denk mal“ zum Denkmal

Neben der Künstlerkolonie engagiert sich das Aktionsbündnis Teufelsberg aus Naturschützern und Anwohnern für den Teufelsberg, die sich von den lauten Partys auf dem Berg zunehmend gestört fühlen. Des Weiteren wollen sie, dass das Gelände öffentlich zugänglich gemacht wird und außerdem die Aufschüttung des Berges, mitsamt der Radarstation, um so den Berg ganz nach der Vorstellung der damaligen Landschaftsarchitekten zu vollenden. So geben Sie auf ihrer Website an: „Nach Teilabriss der Ruinen der Abhörstation soll auf dem heutigen Plateau die 1950 geplante Hügelform durch Aufschüttung mit Baugrubenaushub vollendet werden.“ Auch der Denkmalschutz wünscht sich einen öffentlichen Zugang zum Gelände, hat darüber jedoch keinerlei Entscheidungsgewalt. Seit Oktober 2018 steht der Teufelsberg mitsamt der Station unter Denkmalschutz, womit zumindest die Pläne der Aufschüttung hinfällig sind. Der Pächter befürchtet durch den Denkmalschutz eine Erschwerung seiner Pläne, die neben einem Restaurant bzw. Cafe auch eine Aussichtsplattform sowie ein Museum beinhalten.

Der Goldschatz welcher die Besucher begrüßt, nach dem Sie den Hang zum Hauptgelände hoch gelaufen sind. Mit einer unglaublichen Ästhetik erweckt dieser gigantische Nachtfalter, welcher sich um die Hauptkuppel der Radarstation legt, Bilder einer postapokalyptischen Zeit. Das Spiel mit der Symbolik des Ortes, dieser ehemaligen Abhöranlage der Amerikaner, zu einer Zeit, als der kalte Krieg wie ein Damoklesschwert über Berlin schwebte, wird dabei auf höchst-künstlerische Weise verarbeitet.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

In Berlin ist für das alternative Museum für urbane Kunst die Zukunft noch offen

Die beiden Schüttes wollen zusammen mit den Künstlern das Objekt und die Inhalte darin gemeinsam weiterentwickeln und so auch weiterhin durch Führungen, Veranstaltungen und Vermietungen Eintrittsgelder generieren, die weitestgehend dem Projekt selbst zugutekommen sollen. Gleichzeitig versucht der Eigentümer Manfried Schütte den Künstler Wolfram Liebchen mit einer Räumungsklage aus der alten Kantine zu werfen, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Ein Konflikt steht an und weitere werden Folgen. Dies sorgt für Nervosität bei den anderen Künstlern. Des Weitern gibt es von Seiten der Politik erste Bestrebungen, das Gelände zurückzukaufen. Die rot-rot-grüne Landesregierung wolle das Gebäude zu einem „Erinnerungsort“ umgestalten. Die CDU-Fraktion befürwortet dagegen eine neue Nutzung als Sportanlage. Der Pächter und die Künstler haben ihre eigenen Pläne. Wie andernorts in Berlin bahnt sich hier ein Konflikt zwischen Politik, Eigentümern und Nutzern des Gebäudes an. Es ist unklar ob und wie sich das inoffizielle Museum für urbane Kunst weiterentwickelt.

Weekly Urbanauth 35: Exarchia in Gefahr und Hong Kong inzwischen seit 14 Wochen auf der Straße

Weekly Urbanauth 35: Exarchia in Gefahr und Hong Kong inzwischen seit 14 Wochen auf der Straße

Die wichtigsten News auf einen Blick – Unsere wöchentliche Presserevue der Kalenderwoche 35. Das autonome Viertel Exarchia in Athen unter Behördendruck, Hongkongs 14. Protestwoche im Überblick und E-Scooter die gar nicht ökologisch sind – Unsere Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten.

Athens einzigartige Hausbesetzerszene um Exarchia in Gefahr

Das Stadtviertel Exarchia im Norden der griechischen Hauptstadt besteht aus einem einzigartigen Mikrokosmos an Hausbesetzungen. Seit einigen Wochen im Visier des kürzlich gewählten Premierminister Kiriakos Mitsotakis, spitzt sich die Lage im Norden Athens zu. Mit seinem Wahlversprechen „Recht und Ordnung“ hatte er dem freien Viertel Exarchia den Kampf erklärt. Etwas, dass sich seit den Ausschreitungen von 2008 schwierig gestaltet, denn die griechischen Ordnungshüter sind dort seit dem Tod eines Minderjährigen durch Polizeigewalt und Vorwürfen der Diskriminierung nicht gerne gesehen.

The Guardian veröffentlichte einen Artikel über dieses anarchistisch-autonome Viertel. Das Kollektiv der Aktivisten um Void Network nennt dabei eine Zahl von insgesamt 23 Besetzungen in Exarchia selbst sowie weiteren 26 im angrenzenden Bereich. Ein kleines alternatives Ökosystem entstand über die Jahre, das von anderen selbstbestimmten Konzepten wie dem Freien Sozialraum Nosotros oder dem Free Shop Skoros begleitet wird. Umgeben von Universitätsgebäuden, beherbergt diese urbane Insel der freien Räume ein Solidaritätsnetzwerk, welches um die 1000 Flüchtlinge in Unterkünften beherbergt. Eine davon ist die Nottara 26, welche während 2015 zu den ersten Besetzungen gehörte, welche seine Türen Menschen aus aller Welt öffnete. Solche selbstverwalteten Häuser bieten dabei eine bessere Unterbringung, in der die Menschenwürde respektiert wird, als überfüllte Flüchtlingslager und gerade für Familien mit Kindern oder isolierte Minderjährige wichtig.

Vier Zwangsräumungen in einer Woche

Den 25. August, gegen 6 Uhr Morgens wurde das Spirou Trikoupi 17 geräumt. Ihre Odysee ist auf Ihrer Facebook-Seite zu verfolgen, in welcher sie berichten, dass die griechischen Behörden vorhaben, die Bewohner auf verschiedene Flüchtlingscamps in Griechenland zu verteilen. Dies trifft besonders die Kinder, welche in Exarchia zur Schule gingen, aber auch die ganze Gemeinschaft, da die verschiedenen Hausbesetzungen über solidarische Netzwerke verbunden sind. Von weiteren Zwangsräumungen betroffen waren ebenfalls die Besetzungen Transito, Rosa de fuego und Gare. Am Freitagmorgen, fünf Tage später, kam es zu einer Razzia im selbstverwalteten Haus K*VOX, während am Abend zuvor Polizisten Tränengas in den geschlossenen Räumen eines Bürgercafes einsetzten. Urbanauth bleibt für Euch dran!

Protestbesetzung durch Migranten im Norden von Paris -Für ein Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft

Anlässlich der sich seit Jahren degradierten Lage für isolierte Minderjährige, Familien oder auf sich gestellte Frauen hat der Verein Utopia56 für eine Woche einen Abschnitt des Parc de la Vilette im Norden von Paris besetzt. Insgesamt 150 Personen, darunter 63 Minderjährige, nahmen mit Unterstützung des Vereins an der Aktion teil. Das Camp der Migranten wurde am Mittwoch eine Woche nach Beginn der Besetzung von der Polizei geräumt. Die Protestbesetzung geschah im Rahmen eines Aufrufs zum Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft. Fehlende Sanitäranlagen und Räumen mit Privatsphäre geht dabei Hand in Hand mit der Ungewissheit und dem mentalen Stress in vorübergehenden Unterkünften untergebracht zu werden.

Der Verein Utopia56, welcher sich der Unterstützung von Migranten verschrieben hat, bietet ihnen Unterkünfte, Hilfe bei der Verteilung von Lebensmitteln, Schlafsäcken und Zugang zur Gesundheitsversorgung (Krankenhausaufenthalte). Mit 11.000 Mitgliedern (Stand Juni 2019) ist der Verein in Calais, Lille, Paris, Rennes, Toulouse und Tours vertreten.

Stadt und Mensch

Die Lage in Hongkong spitzt sich weiter zu

Vergangenen Samstag kam es in Hongkong wieder zu Massenprotesten und Zusammenstößen mit der Polizei.
Am Sonntag haben hunderte Aktivisten Backsteine, Metallstangen und Felsbrocken auf die Schienen der Flughafen-Zuglinie geworfen.
Der Zugverkehr zum Flughafen wurde kurzzeitig ausgesetzt, zu Flugausfällen kam es nicht.
Die Polizei vertrieb die Demonstranten, die auch die Zufahrtsstraßen zu den Terminals mit Gepäckwägen verbarrikadierten, mit Wasserwerfern und Pfefferspray, wie die Zeit berichtete.
Die seit Juni andauernden Proteste wegen des umstrittenen Auslieferungsgesetz an China, der Extradition-Bill, spitzen sich immer weiter zu und die chinesische Regierung sieht sich stark unter Druck gesetzt.
Der Gesetzesentwurf ist mittlerweile eingefroren, doch noch nicht komplett vom Tisch. Und Peking reagiert mit scharfen Drohungen, wie die Tagesschau berichtete. Die Zentralregierung werde niemals zulassen, dass das Chaos auf unbestimmte Zeit anhält.
„Wenn sich die Lage in Hongkong weiter verschlechtert und es zu einem Chaos kommt, das von der Regierung der Sonderverwaltungsregion nicht kontrolliert werden kann und das die Souveränität und Sicherheit des Landes gefährdet,
dann wird die Zentralregierung nicht untätig bleiben“,
sagte Xu Luying, die Sprecherin des Büros für die Angelegenheiten Hongkongs und Macaus. Gemeint ist hier ein laut Gesetz legales militärisches Eingreifen von Peking in Hongkong.

Stadt und Mobilität

E-Scooter nicht so umweltschonend wie gedacht

In den vergangenen Monaten sorgten E-Scooter in den Medien vor allem durch Verkehrsunfälle, in die sie verwickelt waren, für Schlagzeilen. Nun kommt heraus, dass sie nicht einmal ökologisch sind! Das behauptet zumindest heise online, die wiederum eine Studie der North Carolina State University zitiert. In der Studie wurden alle Emissionen inklusive Herstellung, Transport, Laden, Einsammeln und Entsorgung der Scooter berechnet. Und siehe da, bis zu 200 Gramm CO2 pro Meile verbrennen die Fahrzeuge – was mehr entspricht als es bei einem normalen Dieselbus mit hohem Auslastungsgrad der Fall ist.

Ein intelligentes Segel für Frachtschiffe

Frachtschiffe sind das Transportmittel, wenn es darum geht, große Warenmengen aus einer Metropole in eine Andere zu schicken. Dabei erstreckt sich der zurückgelegte Weg nicht selten über Kontinente. So werden etwa zwei Drittel des weltweiten CO2-Austoßes von Frachtschiffen verursacht, also mehr als eine Milliarde Tonnen pro Jahr. Außerdem fahren viele Frachtschiffe mit billigem Schiffsdiesel, dadurch entstehen zusätzlich Schwefel- und Stickstoffemissionen. Ein neues Segel soll diesen Umständen entgegenwirken und die Emissionen eines Frachters um 40 % senken.
Das Segel soll bei rauer See seinen Betrieb automatisch einstellen und sich bei schönem Wetter automatisch zum Wind hindrehen.
Das „Wingsail“ der spanischen Firma Bound4blue befindet sich momentan in der Entwicklungsphase und soll in fünf Jahren erste Gewinne abwerfen. Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich in diesem Blogbeitrag von reset.org.

Dieser Artikel ist in Englisch und Französisch verfügbar.

Das Titelbild stammt von Michael Sterneck / CC By-NC-NS-2.0

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