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Graffiti Beef in Berlin: 1UP versus THC

Graffiti Beef in Berlin: 1UP versus THC

Deutschland / Berlin. In der Hauptstadt herrscht dicke Luft: Graffiti Beef zwischen 1Up & THC. Auf der einen Seite steht die Graffiti-Crew 1UP („1 United Power“, „1 Höher“) welche sich weltweiter Bekanntheit erfreut. Auf der anderen Seite die Straßengang THC befreundet mit der Graffiti-Crew 187 und in ihrer Selbstbezeichnung „schlagfertig“.

Wer ist die Graffiti-Crew 1UP?

1UP Graffiti-Crew in Berlin / 2020 / „5MINUTES WITH: 1UP CREW [BERLIN]“ von ilovegraffitide

1UP ist eine Berliner Graffiti-Crew, welche weltweit bekannt ist. Immer wieder fällt das Kollektiv mit waghalsigen Stunts und Aktionen auf und sorgt regelmäßig für Aufmerksamkeit. Ob ein Roll-Up auf einem halb versenkten Schiff im Ozean, um gegen die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen, das „Busting“ einer Kunstausstellung mit vorbereiteten Feuerwehrlöschern, den „Graffiti Olympics“ 2018 in Athen oder ihre klassischen Graffitis an Autobahn, Straßenfassaden, Zügen und Schallschutzmauern – 1UP ist mit gutem Grund weltweit bekannt. Für eine weitreichende Bekanntheit sorgte auch die Zusammenarbeit mit der Fotografin Martha Cooper, welche bereits die Graffiti-Szene von New-York in den 90er dokumentierte.

1UP Graffiti in Berlin auf einem Rolladen Straße Urbane Kunst Urbanität Graffiti Beef Friedrichshain
1UP Graffiti-Style in den Straßen von Berlin (Urbanauth / Berlin / 2017)

Wer ist die Graffiti-Crew THC

THC Graffiti-Crew in Berlin / 2016 / „Criminal Minded #3 – I´m Livin – THC CREW“ von Cmdcrew berlin

Die Graffiti-Crew THC hat ihren Hauptsitz in Berlin. Sie stehen bekanntlich den Sprühern der 187-Straßengang und leben einen gegensätzlichen Lebensstil. Im Sinne einer Straßenbande vertreten sie als Gruppe ihr Revier: 361 – Kreuzberg. Die Buchstaben-Styles sind meistens roh und in Blockbuster geschrieben, begleitet von einer Vielzahl an Tags. In Berlin sind die Graffiti überall zu finden, und auch vereinzelt in Paris konnten Bilder der Gruppe zugeordnet werden. Und auch eine Bekanntheit tummelt sich in dem Kollektiv: vor kurzem sorgte Rapper UFO361 für Gelächter in der Hip-Hop Szene. So wurde er bei einer gescheiterten Sprüh-Aktion im Januar 2022 in der U-Bahn von Berlin erwischt und behauptete daraufhin, er habe die entkommenen Sprüher für das Graffiti beauftragt und wolle nur zusehen. Einige Monate später wurde er wieder beim Zug-Sprühen in einer Reparatur-Werkstatt der BVG in Berlin erwischt. Bekannt geworden ist UFO361 mit seinem Rapsong: „Alles für die Gang“ aus 2017 und legte seitdem eine steile Musiker-Karriere hin. Einige der Mitglieder von THC saßen / sitzen im Gefängnis. Ihnen eilt der Ruf voraus, respektlos und kriminell-motiviert zu sein.

Graffiti Beef 1UP vs THC – Was ist passiert?

Zwischen den beiden Schwergewichten der Berliner Graffiti Szene herrscht dicke Luft. Ausschlaggebend sind Revierstreitigkeiten in Kreuzberg. So sagt ein Vorwurf aus, dass mehrere Bilder der THC-Gang von einem Mitglied der konkurrierenden Crew übermalt wurden, als Erstere in Gefängnishaft saßen. Auch weitere unbegründete Vorwürfe stehen im Raum. Doch eines steht fest: der Graffiti Beef in Berlin ist weit davon entfernt, vorbei zu sein.

Auf den „Sozialen Medien“ dreht die THC-Crew den Ton auf und brüstet sich mit seinen HipHop-Erfolgen, aber auch einem Kopfgeld für 1UP Bilder. So werden regelmäßig gecrosste (Anm. d. r. „übermalt“ / „durchgestrichen“) Bilder geteilt und die Anhängerschaft angestachelt. Vonseiten der 1UP Graffiti Crew wurde noch keine Stellungnahme bezogen.

Berlin: Von der Mohrenstraße zur Glinkastraße

Berlin: Von der Mohrenstraße zur Glinkastraße

Berlin. Letzte Woche schien es offiziell: aus der U-Bahn-Haltestelle Mohrenstraße soll die Glinkastraße werden. Das beschlossen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)  und verkündeten am 3. Juli 2020 auf Twitter die Umbenennung der Haltestelle Mohrenstraße in Glinkastraße.

Die Begründung liefert die BVG in der Pressemitteilung. Dort heißt es: „Als weltoffenes Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt lehnt die BVG jegliche Form von Rassismus oder sonstiger Diskriminierung ab.

Die GRÜNEN im Berliner Abgeordnetenhaus begrüßten die Einscheidung, da sich die Fraktion schon lange für eine Umbenennung eingesetzte. Schlussendlich liegt die Entscheidungsbefugnis alleine bei der BVG. Allerdings sitzen zwei Grüne Senatorinnen im Aufsichtsrat:  Ramona Pop (Wirtschaft) und Regine Günther (Verkehr). Ramona Pop twitterte am 3. Juli nach der Entscheidung: „Mit der Umbennung des U-Bahnhofs Mohrenstraße in Glinkastraße setzt die #BVG ein klares Zeichen gegen Diskriminierung, genau richtig in unserer internationalen und vielfältigen Metropole #Berlin.

Berlin und die umstrittene Glinkastraße. Wer war Michail Iwanowitsch Glinka?

BVG Ubahn oberirdisch Wrangelkiez Berlin
Namensänderungen von Haltestationen der BVG – da kann man lange warten (Urbanauth / 2019 / Berlin-Wrangelkiez)

Wer sich darauf hin die Augen rieb, dass der russische Komponist Michail Iwanowitsch Glinka das verkörpern soll, für das die Mohrenstraße nicht steht, nämlich bedingungslosen Humanismus, Anerkennung von Differenz und Integration, war auf der richtigen Spur. 

Rasch verbreitete sich ein Artikel aus der Jüdischen Allgemeinen, die dem Komponisten Antisemistismus nachweist. Glinka gehörte zum Kreis der russischen Komponisten, die sich für die Erneuerung der Musik als russische Nationalmusik einsetzte. Alle fremden Elemente, wie eben auch jüdische, sollten herausgehalten wurden. Identität und Einheit des russischen Volkes wollten die Komponisten mit reiner russischer Musik stärken.

Hatte die BVG nicht ausreichend recherchiert? War dies die einfachste Lösung, mit der man auch Gegner*innen der Umbenennung zufrieden stellen konnte? Warum wurden alle Initiativen ignoriert, die seit Jahren konkrete Vorschläge zur Umbenennung gemacht haben.

Anton Wilhelm Amo als Namensgeber: der erste Philosoph afrikanischer Herkunft in Deutschland

Was sprach gegen den Vorschlag des Bündnisses Decolonize Berlin e.V., dem eine Vielfalt von Organisationen angehören, u.a. Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD-Bund e.V., NARUD e.V., AfricAvenir, Berlin Postkolonial e.V. und der Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)? War es lediglich der fehlende direkte örtliche Bezug? Decolonize Berlin e.V. setzt sich seit mehreren Jahren dafür ein, die Mohrenstraße und die gleichnamige Haltestelle nach dem ersten Philosophen afrikanischer Herkunft Anton Wilhelm Amo zu benennen. Amo, der ca. 1703 in Guinea, dem heutigen Ghana geboren wurde, wurde im Alter von vier Jahren Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel als ‚Geschenk‘ an den Hof gebracht. Ob der Herzog ihn selbst förderte ist nicht bekannt. Der erste Nachweis seiner Bildung findet sich im Immatrikulationsregister der Universität Halle. Dort findet man im Register von 1727 seine eigene Eintragung: „Ab Axiom in Guinea Africana“ (Anton Wilhelm Amo aus Axim im afrikanischen Guinea). Nach Studium und Promotion lehrt er in Halle und Jena und verließ Europa 1747/48. Vermutlich kehrte er nach Axim zurück. 

In Berlin hat Amo nicht gelehrt und gelebt, der direkte örtliche Bezug ist also nicht vorhanden, so mag mancher argumentieren. Jedoch: Amo steht als Person symbolisch für alles das, was dem ‚Mohren‘ abgesprochen wird: Bildung, Intellekt, Mehrsprachigkeit, Humanismus, Kultur. Decolonize Berlin e.V. schreibt zu der BVG-Entscheidung am 4. Juli 2020: Mit der Umbenennung in Glinkastraße „würde die BVG den kolonialhistorischen Bezug des Ortes auslöschen und ihre Chance für die Ehrung einer Persönlichkeit afrikanischer Herkunft im Berliner Stadtbild bewusst ausschlagen.

Richtungsänderung? Doch keine Haltestelle Glinkastraße

Inzwischen sind die Stimmen der Kritiker*innen bei der BVG angekommen. Und so postet die BVG am 7. Juli, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei und man offen über andere Namen sprechen könne. Eine Einschränkung gibt es; „Wir müssen uns bei den Stationsnamen an den örtlichen Gegebenheiten orientieren und können uns nicht einfach einen Namen ausdenken.“ 

Auch die grüne Wirtschaftssenatorin rudert zurück: eine Umbenennung sei grundsätzlich positiv zu sehen. Auf den Namen wolle sie sich nicht festlegen, wird Ramona Pop in der Berliner Morgenpost zitiert. 

Martin Dibobe – ein Kameruner in Berlin

Bild der U-Bahnstation Afrikanische Strasse. Am Ubahngleis aufgenommen. BVG Berlin Wedding
Der Berliner Wedding ist für sein afrikanisches Viertel bekannt. Doch auch dort ist so mancher Straßenname umstritten. Symbolbild (Urbanauth / 2020 / Berlin-Wedding)

Es bleibt ein Dilemma: Wenn die Mohrenstraße bereits in Anton Wilhelm Amo-Straße umbenannt wäre, wäre die Bedingung der ‚örtlichen Gegebenheiten‘ auf die bei der Umbenennung der Haltestelle Bezug genommen werden muss, erfüllt. Hier wäre die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte zuständig. Solange sich deren Abgeordnete nicht für eine Umbenennung entscheiden, bleibt die Umbenennung der Haltestelle Mohrenstraße ein Balanceakt. 

Dennoch bleibt zu hoffen, dass die BVG ihre Entscheidung rasch überdenkt, sodass eine Umbenennung nicht wieder jahrelang verschleppt wird. Ein neuer Name für die Haltestelle Mohrenstraße wäre ein wichtiges Signal, dafür, dass es die BVG ernst meint, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Ein Alternativvorschlag: Haltestelle Martin Dibobe

Einen Vorschlag zur Umbenennung, mit dem ein direkter Bezug zu Berlin hergestellt wird, lieferte die Jüdische Allgemeine in ihrem Artikel gleich mit: Warum benennt Ihr den Bahnhof nicht nach Martin Dibobe, den von 1902 bis 1919 erste Berliner Zugführer afrikanischer Herkunft?

Dibobe wurde 1876 in Bonapriso (Kamerun) geboren. Nach Berlin kam er 1896 als ‚Ausstellungsstück‘ zur Berliner Gewerbeausstellung. Im Treptower Park wollte man damals den weißen Berlinern das Leben in den Kolonien näher bringen. Menschen aus den Kolonien wurden wie Tiere im Zoo den Besuchern vorgeführt.

Dibobe blieb in Berlin, wurde Schlosser, heiratete eine Berlinerin und wurde schließlich Zugführer bei der Berliner Hochbahn. Nachdem Deutschland nach dem 1. Weltkrieg seine Kolonien abgeben musste und Kamerun an Frankreich zurückfiel, wollte Dibobe zurück in sein Geburtsland. Die Reise dorthin hat er angetreten, kam aber nie dort an. Man vermutet, er ist in Liberia gestorben. Eine Umbenennung der Haltestelle könnte der kolonialen Geschichte Deutschlands ein Gesicht geben und uns mahnen, ihre Auswirkungen auf das Zusammenleben der Berliner*innen heute nicht zu vergessen.

Berlin: Kunst und Corona

Berlin: Kunst und Corona

Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin

Kunst und Corona – sind das nicht zwei Dinge, die sich nicht vertragen? Kunst braucht schließlich Öffentlichkeit, der Künstler sein Publikum. In Zeiten von Corona bleiben aber die öffentlichen Räume der Städte leer, sind lediglich Passage für durcheilende Passanten.

Corona bedroht den Kunstbetrieb

Für viele, die von Kunst leben, sei es als Musikerin, Theaterintendant, Tänzer, als Schauspielerin, Maler, Kulturvermittlerin, Kunstlehrer oder Galeristin, stellt sich mit dem Verbot von Versammlungen und Veranstaltungen sowie der Schließung öffentlicher Einrichtungen, die Existenzfrage. Selbst die, die Rücklagen haben oder wie Autoren relativ unabhängig davon sind, ihre Werke direkt vor Publikum zu präsentieren, stehen vor dem Problem, dass Konzerte, Vernissagen, Lesungen, Vorträge in Berlin vorerst nicht mehr stattfinden werden. Die für Berlin geltende überarbeitete Eindämmungsverordnung erlaubt zwar ab dem 4. Mai 2020, dass „Museen, Gedenkstätten und ähnliche Kultur- und Bildungseinrichtungen in öffentlicher und privater Trägerschaft“ geöffnet werden dürfen. Geschlossen bleiben hingegen Kinos, Theater und Konzerthäuser. Diese Regelung gilt unabhängig von Größe des Veranstaltungsraumes und der maximal möglichen Zahl an Besuchern. Das kulturelle Leben in der Stadt wird auf unbestimmte Zeit weitgehend stillgelegt. Schauspieler, Musiker, Tänzer: sie alle werden nicht auftreten können und keine Gagen erhalten. Theater- und Kinobetreiber zahlen Miete ohne Einnahmen zu haben.

Die Kunst zieht um: vom öffentlichen in den virtuellen Raum

Eines kann als sicher gelten: Corona wird die Kunstwelt verändern. Auch wenn noch nicht abzusehen ist, welche Auswirkungen die Krise haben wird, ist doch erstens zu vermuten, dass sich Ungleichheiten im Kunstfeld verschärfen werden. Künstler, die international bekannt sind, für Aufritte bereits bis weit ins nächste Jahr hinein gebucht sind sowie bei Agenturen unter Vertrag sind, die sie unterstützen, trotz shut-down präsent zu bleiben, dürften auch weiterhin vin ihrer Kunst leben können. Der in Berlin ansässige Pianist Igor Levit, gibt jeden Abend Hauskonzerte auf Twitter. Damit erreicht er mehr Menschen am Abend als in einen Konzertsaal der Welt passen.  So fasst der Große Saal in der Berliner Philharmonie 2.240 Sitzplätze.  Das Konzert Levit auf Twitter vom 24.4.2020 haben fast 18.000 Menschen abgerufen. Die namenlose Geigerin hingegen, die sich ihren Lebensunterhalt durch einige wenige Konzerte im Jahr sowie durch Musikunterricht finanziert, hat es schwer, präsent zu bleiben oder sogar ein neues Publikum zu gewinnen. Wenn Konzerte abgesagt, Unterricht nicht mehr statt finden kann, fehlt die Lebensgrundlage. Nicht alle haben das technische Equipment zu Hause oder können es sich leisten, um virtuell Unterricht zu geben oder über soziale Medien eine (neue) Fangemeinde aufzubauen. 

Schwieriger ist abzusehen, ob es zweitens im Hinblick auf die Kunstvermittlung zu einer Öffnung oder Schließung des Publikums kommen wird. Derzeit entsteht der Eindruck, dass sich die Möglichkeiten Kunst vom heimischen Sessel aus zu konsumieren, vervielfältigt zu haben. Kunstproduktion und -rezeption wandern von der Bühne und vom Ausstellungsraum ins Netz. Kunst aus aller Welt ist mit einem Mal verfügbar, ohne eine Reise zu planen oder ein Ticket kaufen zu müssen.

Dennoch: Wird die online-Tour zur Ausstellung Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air auf ContemporaryAnd mit Fotos von Akinbode Akinbiyi im Martin-Gropius-Bau Menschen motivieren, diese auch nach einer Wiedereröffnung zu besuchen? Oder genügt der virtuelle Besuch? Zu beobachten ist jedenfalls, dass es vor allem die etablierten und staatlich-finanzierten Museen sind, die ihr digitales Angebot weiter ausbreiten. Die Schätze des Pergamonmuseums lassen sich bequem am Bildschirm betrachten. Das C/O Berlin hingegen bietet keine digitalen Rundgänge an, bittet aber um Spenden, die den Erhalt sichern sollen.

Spannend wird drittens, ob sich neue Formen der Kunstproduktion und Kommunikation zwischen Künstlerinnen, Publikum, Käufern von Kunst etablieren oder ob die etablierten Formen lediglich ins Netz übertragen werden. So bietet die Alfred-Erhardt-Stiftung auf Instagram Kurzführungen, sog. Videotouren zu der laufenden Ausstellung an.

Die Berlinische Galerie hat einen ‚Virtuellen Videoraum‘ eingerichtet, wo Arbeiten aus aktuellen Ausstellungen gezeigt werden.

Neue Wege geht die Galerie Michael Haas: Nicht nur die Künstler, die die Galerie vertritt, sondern jeder ist eingeladen unter #hifromquarantine das eigene künstlerische Schaffen unter Quarantäne zu dokumentieren, zu diskutieren, zu zeigen. Was davon bleiben wird, sich etablieren wird, ob neue Formate entstehen, die nicht nur die alten ergänzen oder erweitern, sondern eine radikal neue Sicht auf Kunst ermöglichen, bleibt abzuwarten.

Corona als Herausforderung für die Kunst

Die Corona-Krise bedroht die Kunstwelt in ihren jetzigen Formationen. Sie ist aber auch eine Chance, das Verhältnis von Institutionen, Künstlern und Gesellschaft neu zu bestimmen. Neue Formen der Interaktion zwischen Künstlern und Rezipienten werden erprobt, wie das Beispiel von Igor Levit oder der Galerie Michael Haas zeigt. Andere Formate der Kunstvermittlung könnten entwickelt werden, die die Neugier wecken, Kunst in den eigenen Alltag zu integrieren. Und nicht zuletzt fordert die Krise jeden einzelnen von uns auf, über den Wert der Kunst für das Zusammenleben der Menschen nachzudenken. Dann was wäre Berlin ohne die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweisen, die sich ganz direkt im städtischen Raum, in Parks, auf der Straße sowie in den Arbeitsräumen der Künstler, den Galerien, Theatern, Museen zeigen. Kunst ist so lebendig und vielfältig wie die Menschen, die in einer Stadt leben.

Berlin : unter Corona – vom Rande aus betrachtet

Berlin : unter Corona – vom Rande aus betrachtet

Im Süd-Westen Berlins, da, wo die Stadt an Brandenburg grenzt, die Häuser sich wie Perlen auf einer Kette den alten Mauerstreifen entlang ziehen. Wo viele Häuser einen kleinen Garten haben, die Kinderspielplätze groß sind. Auch dort verändert das Corona-Virus das Leben.

Entschleunigung des Alltags

Sind die Straßen wochentags leer, parken nun auch tagsüber Autos in Reih‘ und Glied. Busse fahren nicht mehr im 5-10-Minuten-Takt, sondern in größeren Abständen. Nur wenige Fahrgäste sitzen in den sonst immer vollen Bussen. Schon seit drei Wochen trennt ein rot-weißes Band Fahrer und Fahrgäste. Einstieg bitte nur in der Mitte oder durch die hintere Tür, mahnt ein Schild. Wer eine Fahrkarte lösen möchte, wird gebeten, sie per App zu lösen oder bei der Weiterfahrt an der nächsten S- oder U-Bahn-Station.

Sonntagsstimmung

Auch sonst wird das schon ruhige Viertel noch stiller. Schulen und Kindergärten liegen ruhig in der Sonne, kein Lärm ist zu vernehmen. Jeden Tag herrscht Sonntagsstimmung. Die Auslagen des Buchladens, des Wäschegeschäfts und des Fotoladens lassen sich betrachten, die Türen verschlossen und der Laden dunkel. Wer kann, hängt ein Schild an die Tür und bietet seine Dienste online an. Wer aber eine neue Frisur braucht oder sich die Schuhe neu besohlen lassen will, muss sich gedulden bis die Krise vorbei ist. Die Geschäfte, die offen haben dürfen, regulieren den Einlass. Die kleine Bäckerei um die Ecke bittet am Eingang mit einem großen Schild, in der Warteschlange vor der Tür Abstand halten und nur einzeln einzutreten. Ein Café wirbt mit Kaffee und Kuchen to go, der durch ein zur Ausgabetheke umfunktioniertes Fenster bestellt und mitgenommen werden kann. Die Restaurants in der Gegend, werben damit, Mahlzeiten vor die Tür zu liefern. 

Distanz als neue Norm

Das Meiden von größerer Nähe und jeglichem Körperkontakt gehört inzwischen zum guten Ton. Man geht auf Distanz. Jogger laufen Kurven auf dem Bürgersteig, um den entgegenkommenden Spaziergänger nicht zu nahe zu kommen. Kinder werden angehalten, stehen zu bleiben, um die ältere Frau aus sicherem Abstand vorbei gehen zu lassen. Spaziergehen kommt wieder in Mode. Auch in der Woche bevölkern Alt und Jung Parks und Spazierwege. Werden in diesem Jahr besonders viele Neujahrsvorsätze (mehr Sport, 2mal die Woche joggen gehen, mehr Zeit für die Kinder und die Familie) eingehalten?

Zum Zentrum des öffentlichen Lebens auf Distanz werden die Lebensmittelmärkte. Hier treffen sich Nachbarn, Freundinnen und Bekannte. Gehörte der Edeka morgens den Rentner alleine, drängeln sich nun auch schon Arbeitnehmerinnen im Home-Office in den Gängen auf der Suche nach Obst und Gemüse, Getränken und Toilettenartikeln. An der Kasse sitzt ein schwarz behandschuhter Kassierer und bemüht sich zu lächeln. Das Leben geht seinen Gang.

Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

teufelsberg graffiti frau
Berlin’s Museum für urbane Kunst. Steetart Graffiti von ihrer besten Seite… oder Fläche? (Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Berlins alternatives Museum für Streetart und Graffiti

Die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg

In Berlin gibt es ein alternatives Museum für urbane Kunst: die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg. Seit mehreren Jahren zieht dieser zuvor Lostplace, Streetart und Graffiti-Künstler an!

Hoch über den Dächern der Stadt kann man die Silhouette des sogenannten Teufelsbergs mit seiner stillgelegten und baufälligen Abhörstation aus dem Kalten Krieg erkennen. Der Berg entstand nicht auf natürliche Weise, sondern durch menschliches Zutun. Bis in die 1940er Jahre befand sich hier die Wehrtechnische Fakultät, eine Einrichtung die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania entstand. Diese wurde nach den Zweiten Weltkrieg gesprengt und das Gelände anschließend als Schutt-Deponie genutzt. Bis 1972 wurde hier eine Schuttmenge von etwa 25. Millionen Kubikmetern abgeladen, was ungefähr einem Drittel der Baumasse aller im Krieg zerbombten Gebäude Berlins entspricht.

Die Außenwände eines alten Verwaltungsgebäudes dienen hervorragend als künstlerische Ausdrucksfläche
(Foto: Urbanauth)

Berlin und sein alternatives Museum für urbane Kunst

Ein Lost Place im Wald – Ort wo sich Streetart und Graffiti Künstler austoben

Anschließend wurde die aufgeschüttete Landschaft mit Sand und Mutterboden gestaltet und mit rund einer Million Bäumen bepflanzt. Abgesehen von der Nutzung als Rodelberg dienten die Hügel auch für die Errichtung einer Abhörstation der Amerikaner im Kalten Krieg. Nach der Wiedervereinigung wurde diese leergeräumt und zu einem Lost Place in Berlin. Heute genießt man auf den Höhen des Teufelsbergs einen großartigen Blick über den Grunewald und die angrenzenden Stadtviertel. Neben diesem Ausblick in circa 120 Metern Höhe lohnt sich auch die Begehung der ehemaligen Abhörstation.   

Links die Haupt-Antennenkuppeln der Radarstation. Rechts ein kleiner Seitenturm.
Foto: Urbanauth

Berlin und sein Museum für urbane Kunst

Von einer Ruine zur Kunstkulisse – Europas größte Graffiti Galerie

Heute bietet sich neben der eindrucksvollen Ruinenromantik eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Müllhalde und Kunstkulisse. Ein zwischenzeitlicher Pächter schuf dort in der Zusammenarbeit mit diversen internationalen Künstlern, ohne ein übergreifendes Konzept, die größte Graffiti-Galerie Europas. Auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern haben bekannte Streetart- und Graffiti-Künstler ihre Bilder in grellen, bunten Farben an den Wänden hinterlassen.

Im Jahr 2011 kamen einige Künstler auf den Berg und begannen damit, das Gelände zugänglich zu machen. Sie räumten Schutt weg, setzten Fenster ein und gestalteten das Gebäude künstlerisch. Seit 2015 hat Marvin Schütte, der Sohn von einem der vier Eigentümer, das Gelände gepachtet, um eine Künstlerkolonie für eine nachhaltige Gestaltung des Teufelsbergs zu schaffen. Des Weiteren bietet er dort Führungen an und gelegentlich diente der Ort sogar als Filmkulisse. Zwar arbeitet er mit den Künstlern zusammen, jedoch stehen diese ihm zum Teil kritisch gegenüber. Verträge mit dem Pächter gäbe es keine, aus Angst vor einem Rausschmiss. Im Jahr 2018 wurde das Hauptgebäude des Komplexes aufgrund von Sicherheitsbedenken bei Statik und Brandschutz von der Berliner Bauaufsicht gesperrt. Das betrifft neben den Touristen vor allem den Pächter sowie die dort agierenden Künstler.    

Mit seinem markanten Hundesketch prägt Tobo, Hauskünstler vom Teufelsberg, diesen semi-urbanen Raum. Ob als zwei grimmige Soldaten im Banksy-Cover welche ein rotes Peace-Zeichen an die Wand malen, oder mit einem Buch in der Hand und dem Spruch: „Der Mann der nicht liest, hat keinen Vorteil über den Mann der nicht lesen kann.“ (Foto: Urbanauth)

Finanzierungs- & Behördenprobleme für alternative Kunstorte

Vom ehemaligen Hauptgebäude sind nur noch die drei markanten Antennenkuppel sowie das Betonskelett erhalten. Man braucht Besucher für die Einnahme und ihr Geld um das Gelände instand zu halten. Entsprechend ärgerlich ist ein solcher Rückschlag für den Pächter und die Künstler. Diese zahlen zwar keine Miete, sind aber dennoch auf das Geld für die Instandhaltung angewiesen. Zu den Sicherheitsbedenken meinte Schütte gegenüber der BZ: „Einstürzen wird das Hauptgebäude sicher nicht.“ Man wolle nun weiterhin versuchen mit anderen Ideen, wie z.B. einer Schnitzeljagd oder einer Schatzsuche neue Besucher anzuziehen.“ Außerdem gibt es einen Ausstellungsraum zur Geschichte der Radarstation auf dem Teufelsberg.

Ein Elefant im Wasser. Perfekte Farbharmonie zwischen den Blau-Grau-Orange Tönen.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Von „Denk mal“ zum Denkmal

Neben der Künstlerkolonie engagiert sich das Aktionsbündnis Teufelsberg aus Naturschützern und Anwohnern für den Teufelsberg, die sich von den lauten Partys auf dem Berg zunehmend gestört fühlen. Des Weiteren wollen sie, dass das Gelände öffentlich zugänglich gemacht wird und außerdem die Aufschüttung des Berges, mitsamt der Radarstation, um so den Berg ganz nach der Vorstellung der damaligen Landschaftsarchitekten zu vollenden. So geben Sie auf ihrer Website an: „Nach Teilabriss der Ruinen der Abhörstation soll auf dem heutigen Plateau die 1950 geplante Hügelform durch Aufschüttung mit Baugrubenaushub vollendet werden.“ Auch der Denkmalschutz wünscht sich einen öffentlichen Zugang zum Gelände, hat darüber jedoch keinerlei Entscheidungsgewalt. Seit Oktober 2018 steht der Teufelsberg mitsamt der Station unter Denkmalschutz, womit zumindest die Pläne der Aufschüttung hinfällig sind. Der Pächter befürchtet durch den Denkmalschutz eine Erschwerung seiner Pläne, die neben einem Restaurant bzw. Cafe auch eine Aussichtsplattform sowie ein Museum beinhalten.

Der Goldschatz welcher die Besucher begrüßt, nach dem Sie den Hang zum Hauptgelände hoch gelaufen sind. Mit einer unglaublichen Ästhetik erweckt dieser gigantische Nachtfalter, welcher sich um die Hauptkuppel der Radarstation legt, Bilder einer postapokalyptischen Zeit. Das Spiel mit der Symbolik des Ortes, dieser ehemaligen Abhöranlage der Amerikaner, zu einer Zeit, als der kalte Krieg wie ein Damoklesschwert über Berlin schwebte, wird dabei auf höchst-künstlerische Weise verarbeitet.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

In Berlin ist für das alternative Museum für urbane Kunst die Zukunft noch offen

Die beiden Schüttes wollen zusammen mit den Künstlern das Objekt und die Inhalte darin gemeinsam weiterentwickeln und so auch weiterhin durch Führungen, Veranstaltungen und Vermietungen Eintrittsgelder generieren, die weitestgehend dem Projekt selbst zugutekommen sollen. Gleichzeitig versucht der Eigentümer Manfried Schütte den Künstler Wolfram Liebchen mit einer Räumungsklage aus der alten Kantine zu werfen, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Ein Konflikt steht an und weitere werden Folgen. Dies sorgt für Nervosität bei den anderen Künstlern. Des Weitern gibt es von Seiten der Politik erste Bestrebungen, das Gelände zurückzukaufen. Die rot-rot-grüne Landesregierung wolle das Gebäude zu einem „Erinnerungsort“ umgestalten. Die CDU-Fraktion befürwortet dagegen eine neue Nutzung als Sportanlage. Der Pächter und die Künstler haben ihre eigenen Pläne. Wie andernorts in Berlin bahnt sich hier ein Konflikt zwischen Politik, Eigentümern und Nutzern des Gebäudes an. Es ist unklar ob und wie sich das inoffizielle Museum für urbane Kunst weiterentwickelt.

Du sollst das Graffiti-Tag nicht vor dem Abend loben …

Du sollst das Graffiti-Tag nicht vor dem Abend loben …

Bunte Wände in Berlin-Mitte

Ist das Kunst oder kann das weg?

Wir kennen sie alle, wir sehen sie alle. In nahezu jeder Stadt sieht man Wände, Fassaden, Haltestellen oder Straßenschilder, die mit einem oder mehreren Tags bemalt sind. Das englische Wort „tag“ bedeutet soviel wie Markierung oder Etikett mit denen der ausführende „writer“ seine Unterschrift an einem bestimmten Objekt hinterlässt. Gerne auch mit dem Anspruch einer gewissen Präsenz in der jeweiligen Stadt. Dementsprechend verwundert es nicht, wenn man unzählige dieser Schriftzüge an ohnehin schon überladenen Häuserwänden sieht. Oftmals handelt es sich nur um Pseudonyme der Künstler. Doch gelegentlich taucht mal ein Wort, ein Zitat oder ein Spruch auf, der zum Nachdenken anregt. Manchmal sind es nur schlichte Symbole mit tieferer Bedeutung.

Allgegenwärtig und trotzdem schön.

Doch viele Menschen ignorieren diese Art der Kommunikation und sehen darin lediglich eine andere Form von Schmierereien oder Sachbeschädigungen. Ich dagegen sehe in ihnen ein Zeugnis unserer Zeit, in der jeder Menschen mit einem Stift, seine ganz eigene Nachricht für seine Mitmenschen erschaffen kann. Hier will mein Artikel ansetzen und so den Leser dazu einladen, sich einen kurzen Moment Zeit für solche scheinbar alltäglichen und unbedeutenden Texte zu nehmen. Deshalb habe ich fünf meiner persönlichen Favoriten nach meinen eigenen subjektiven Kriterien ausgewählt:

Das „FAKEFACE“ in Mailand

Mailänder Innenstadt

In der Mailänder Innenstadt, einem Ort an dem Menschen aller Altersgruppen vor dem Dom, dem Castello Sforzesco oder den teuren Designer-Läden der Viktor-Emanuel-Passage sich selbst fotografieren oder fotografieren lassen, habe ich in einer kleinen Ecke diesen blauen Schriftzug entdeckt. Es entsteht wohl nicht umsonst der Eindruck einer gewissen Ironie, wenn sich die Aufschrift „FAKEFACE“ eben dort befindet, wo sich diverse Leute für ihre Social-Media-Kanäle ablichten lassen und andere gleichzeitig tausende von Euros für Kleidung, Accessoires oder Schmuck ausgeben. Man könnte zynisch behaupten, dass dort jeder auf seine Weise etwas für sein Fakeface tut. 

Berliner Schnauze

Die zwei folgenden Beispiele stammen aus dem aufstrebenden Berliner Stadtteil Neukölln. Vor ein paar Jahren noch als No-Go-Area verrufen, siedeln sich dort heute zunehmend junge und hippe Menschen an, die sich die Mieten in Friedrichshain oder Kreuzberg nicht mehr leisten können. Es entstehen nach und nach Kieze in denen Migranten, Studenten, Künstler und Arbeiter zusammen leben. Bei so einem aufstrebenden Bezirk wirkt es nicht überraschend, wenn man erfährt, dass über das gesamte Viertel einmal im Sommer ein Kunstfestival namens „48-Stunden-Neukölln“ stattfindet, für welches sich jeder Bewohner bewerben und eigene Projekte vorstellen kann. Der erste Schriftzug stammt von einem der Projekte, wobei jedoch unklar ist ob es eine Idee des Künstlers oder die Aktion eines Schmierfinks unter den Besuchern war.

„Alle wollen zurück zur Natur, nur nicht zu Fuß“

Berlin-Neukölln

In Zeiten wo Bewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion einen radikalen Wandel der Klimapolitik fordern sind Sprüche und Zitate zu diesem Thema stets präsent. Doch nur wenige von ihnen brachten mich bisher so zum schmunzeln und gleichzeitig zum Nachdenken wie dieser hier. Selbstreflexion und Ironie stünden schließlich dem einen oder anderen Berliner auch gut zu Gesicht.

Übung macht den Meister

Berlin-Neukölln

Dieses Motto nahm sich wohl ein Sprayer zu Herzen, der ebenfalls in Neukölln unterwegs war. Hierzu bleibt nicht viel zu sagen, außer, dass Rot auf Gelb immer eine gute Kombination ist.

Der Klassiker

Gubener Vorstadt, Frankfurt/Oder

Mit diesem Beispiel verbinde ich vor allem persönliche Erinnerungen. Es ist das klassische Anarchie-Zeichen. Üblicherweise zu finden an besetzten Häusern, Aufklebern, Punkerjacken oder halt an Stromkästen. Es ist weder außergewöhnlich schön oder noch besonders einfallsreich. Doch es befand sich über acht Jahre an einem Ort der relativ weit von Hausbesetzern entfernt ist. Nämlich in der brandenburgischen Stadt Frankfurt an der Oder in Ostdeutschland. Diese Situation steht stellvertretend für die gigantische Prominenz dieses Smybols. Man kann es an nahezu allen Ecken der Welt entdecken. In der Großstadt oder an der Dorfbushaltestellte und so schließlich auch an der ostdeutschen Grenze zu Polen.

Freiheit für die Freifläche

Magdeburg-Buckau

Das letzte Bild zählt eigentlich nicht zur oben aufgestellten Kategorie von Tags, kann aber in diesem Kontext trotzdem genannt werden. Denn Tags kann man ebenfalls in Form von Stencils, also Schablonen, anbringen. Dieses Stencil mit dem bekannten Spartaner aus dem Film „300“ befindet sich in Sachsen-Anhalt. Genauer gesagt im Magdeburger Stadtteil Buckau. In der deutschen Stadt an der Elbe gibt es zahlreiche Graffitis und Tags. Darunter auch ganz Besondere.

Vor einigen Jahren war die sogenannte „Freifläche“ noch ein Gelände auf dem sich im Wesentlichen Müll, Schutt und ein paar Gräser und Büsche befanden, die regelrecht von Hundehaufen übersät waren. Doch als sich das Viertel, aufgrund der niedrigen Mieten, zunehmend zu einem Kiez für junge Studenten entwickelte und dementsprechend attraktiver für den Wohnungsmarkt wurde, begann die Stadt damit, die Fläche zunehmend zu bebauen. Heute befinden sich darauf mehrere Wohnhäuser, eine Kita und Baustellen für neue Projekte. Ob der letzte Spartaner vielleicht deswegen auf der Freifläche angebracht wurde, um sie so vor der ultimativen Bebauung zu schützen? Wer weiß …

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