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Stadtentwicklung München : Das Kreativquartier

Stadtentwicklung München : Das Kreativquartier

Stadtentwicklung München: Man will sich Hip. Man will sich kreativ. Und man hat einen großen Wohnungsmangel. Zeit, dass sich was ändert? Mit dem Kreativquartier wagt sich Bayerns Hauptstadt in einen neuen Urbanismus und legt die Messlatte hoch für Deutschland.

„Wohnen, Arbeiten sowie Kultur, Kunst und Wissen vereinen“.

Ist die Zeit für einen neuen „Urbanismus“ in der Stadtentwicklung von München gekommen?

Auf dem Gelände, dass die lokale Kunst- und Kulturszene von München beherbergt, kommt ein Kreativquartier. In Sachen Stadtentwicklung soll die Geschichte des Ortes mit der Gegenwart verknüpft werden. Und das 20 Hektar große Areal verspricht einiges an Potenzial.

Ganze 15 Jahre reifte die Idee ein kreatives Quartier auf dem ehemaligen Gebiet der Luitpoldkasernen und Umfeld zu errichten. Als Mischnutzung vorgesehen, soll es dabei Wohnen, Arbeit, Kunst, Kultur und Innovation vereinen. Das Kreativquartier soll dabei aus vier verschiedenen Raumunterteilungen bestehen: Kreativfeld, Kreativlabor, Kreativpark und Kreativplattform.

Im Mai 2019 wurde ein weiterer Meilenstein gelegt: Der Bebauungsplan für die zwei Südlichen von insgesamt vier Teilquartieren wurde ausgesprochen. Für die Flächen des zukünftigen Kreativpark sowie der Kreativplattform geht es nun in die nächste Etappe. Von dem zukünftigen Kreativquartier kann man viel erwarten. Doch auch geschichtlich hat das Gelände einiges zu bieten.

Stadtentwicklung in München : Von den Rüstungsfabriken zum Kreativquartier

München : Blick auf die Schwerer-Reiter Straße und die Prinz-Luitpold Kaserne im Norden um 1900. (Urbanauth / Public Domain)

Das International Munich Art Lab hat 2018 eine Ausstellung „Von der Waffenschmiede zum Kunstareal“ organisiert, in welcher Sie der Vergangenheit des zukünftigen Kreativquartieres auf die Spur gehen.

Auf einem Teil des Geländes befanden sich um das Jahr 1900 die Artillerie-Werkstätten von München. Über 1000 Rüstungsarbeiter produzierten dabei während 12-Stunden Schichten Kriegsgüter. Die Anzahl der Arbeiter versechsfachte sich dabei kurz vor dem 1. Weltkrieg.

Zwischen 1931 und 1944 wurden dort Getriebe für Jagdbomber hergestellt. Die Unternehmen Cyclo sowie Daimler-Benz beuteten dabei Zwangsarbeiter aus. Große Teile des Geländes wurden 1944 von der Royal Air Force zerbombt.

Nach einer Nutzung als Kasernen durch die amerikanischen Allierten, ging das Gelände in die Hand der lokalen Kulturszene über. So beherbergt dieses neben dem berühmten Veranstaltungsort Import & Export auch die Halle 6, sowie das MUCCA, Münchens urbanes Kunst-Museum. Die Kultur auf dem Gelände geht dabei nach wie vor weiter.

Auf der Internetseite Kreativquartier im Prozess wird der Prozess dieser urbanen Entwicklung partizipativ dokumentiert. In einem Online-Archiv können dabei Personen Bilder zum Gelände hochladen. Neben regelmäßigen Veranstaltungen wird auf dem Kreativquartier jeden 2. Donnerstag ein Spaziergang veranstaltet.

K wie Kreativ. Q wie Quartier. Stadtentwicklung in München. Kultur. Innovation. Wohnungen.

Auf einen Sprung in die Halle6 ? – Wohl erstmal noch auf unbefristete Zeit möglich. (Urbanauth / 2019 / München)

Das Wohngebiet auf der Kreativplattform ist als Blockrandbebauung vorgesehen, sodass es im Erdgeschoss Platz für kommerzielle Aktivitäten geben wird, aber ebenso Platz für Kindertagesstätten. Dabei sollen die bestehenden denkmalgeschützten Gebäude renoviert werden und in Einklang zu den Neubauten zeitgenössischer Architektur stehen.

Die Industriedenkmäler der Jutier– und Tonnenhalle, zwei ungefähr 100 Meter lange Betonkonstruktionen aus dem Jahr 1926, sollen vollständig neu instand gesetzt werden. Neben dem Bau einer Tiefgarage sollen vor allem Räume als Kunststätten und zur Kunstschaffung entstehen.

Außerdem hat der Stadtrat Untersuchungen in Auftrag gegeben. Es wird die Möglichkeit untersucht eine Tram-Haltestelle hinzuzufügen, sowie den Verkehrsfluss neu zu ordnen.

Urban und innovativ: Was ist das Munich Urban Colab ?

Kluge Lösungen für die wachsenden Städte der Zukunft entwickeln. Das Kreativquartier wird ein Gründer- und Innovationszentrum bekommen. Mit dem Munich Urban Colab bekommt die Gründer und Start-up Szene einen wertvollen Ort. Außerdem wird damit der IT-Standort München gestärkt.

So soll mit dem „Munich Urban Colab“ ein Gründer- und Innovationszentrum für Smart City Solutions einziehen und München als IT-Standort stärken. Dem Start-Up Portal „Munich Start-Up“ zu Folge soll Munich Urban Colab 2021 eröffnet werden können.

„Das Munich Urban Colab soll neue Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit ermöglichen. Dabei stehen Lösungen für die Stadt der Zukunft im Fokus. Technologiegetriebene Innovationen in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Arbeiten, Künstliche Intelligenz oder Energieversorgung sollen entwickelt und erprobt werden. Dieser Ansatz ist einzigartig und er birgt die Chance, dass München dadurch eine internationale Vorreiterrolle bei der Entwicklung von Smart-City-Lösungen einnimmt. „

Clemens Baumgärtner / Referent der Stadt München für Arbeit und Wirtschaft

Das Munich Urban Colab soll der Süddeutschen Zeitung zufolge über 250 Start-Ups beherbergen und wird von der Unternehmer TUM betrieben. Die Unternehmer TUM ist das Gründerzentrum der Technischen Universität von München. Durch den Beschluss wird auch ein Baurecht für die Erweiterung der Hochschule ermöglicht. Unter anderem befindet sich die Fakultät für Design bereits an der Lothstraße 17.

Wohnungen. Wohnungen. Und noch mehr Wohnungen.

Ganz schön viel Platz für Wohnungen. Das Areal des zukünftigen Kreativquartier aus der Vogelperspektive. (Foto: Stadt München / Public Domain)

Der Bebauungsplan für das nordöstliche Kreativfeld ist bereits seit 2017 in Kraft. Dieser beinhaltet 385 Wohnungen. Die Kreativplattform wird dabei weitere Wohnflächen beherbergen.

Auf dem neun Hektar großen Areal entstehen 341 Wohnungen durch und für die Stadtwerke München Gmbh (SWM) und Teil ihrer „Ausbauoffensive Werkswohnungen„. In dessen Rahmen wollen die Stadtwerke bis 2030 ganze 2500 Wohnungen für ihre eigenen Mitarbeiter bauen.

Im Mai dieses Jahres zog der Stadtrat dabei nochmal nach. Grünes Licht für zwölf Bauquartiere und 370 Wohnungen. Diesmal auf dem Gebiet des Kreativfeldes. Der Wochenanzeiger München berichtet, dass sich dabei über die Hälfte der Wohnungen in der Hand der städtischen Wohnbaugesellschaft GEWOBAG befinden werden. Dadurch soll bezahlbarer Wohnraum gewährleistet werden. Innovativ: Alle Gebäude müssen in Holzbauweise errichtet werden.

Der Artikel wurde am 14.07.2020 aktualisiert.


Urbanismus als Lebensweise

Urbanismus als Lebensweise

Es ist unmöglich Städte aus einer einzelnen Perspektive zu untersuchen. Das Einbringen verschiedener Disziplinen ist notwendig um alle Aspekte der urbanen Realität verstehen zu können (Lamy, 2019).

Der Ursprung von Zivilisation lässt sich auf eine Zeit zurück datieren in der Menschen sich dazu entschieden haben sich niederzulassen und als Gruppe zusammen zu leben. Diese Gemeinschaften waren Orte des Austausches, in denen sie Stabilität gefunden haben. Ihre Entwicklung folgte den Prinzipien der Natur und dem Zyklus des Lebens, sowie ihren Glaubensvorstellungen.

Diese Arten des Lebens sind heute Vergangenheit. Laut der UN werden bis zum Jahr 2050 66% der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Glaubensvorstellungen und Handlungen der Menschen haben sich verändert und damit auch die Art der Gemeinschaftsbildung. Besonders auffällig auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent, wo Städte rasant wachsen. Diese sogenannten Mega-Städte sind mit vielen Problemen und Aufgaben konfrontiert: Öffentlichen Verkehrsnetze, bezahlbare Wohnräume und Klimawandel. Zukunftsorientierte Planungsprozesse sind notwendig, um diese Aufgaben angehen zu können.

Die Aufgabe des Urbanismus ist es Städte zu untersuchen, zu studieren und mögliche Verbesserungen zu entwickeln. Das Ziel ist es die Lebensqualität der Menschen durch bessere Infrastruktur und Ausrüstung zu erhöhen. Damit dies gelingen kann, bedarf es einer ganzheitlichen Vision. Urbanismus kann soziologische, ökonomische, politische, rechtliche und technologische Entwicklungen kombinieren, um eine nachhaltige Stadt zu planen.

Die Zone um „Le Confluence“ in Lyon in der Nähe des Bahnhofes Perraches wird revitalisiert. (Urbanauth / 2018)

Urbanismus und Urbanisierung

Es ist wichtig die Unterschiede zwischen Urbanismus und Urbanisierung zu definieren, da sie oft miteinander verwechselt werden. Ersteres bezieht sich auf die analytische Untersuchung, Erforschung und den Planungsprozess von Städten, während Zweiteres sich mit Städteentwicklung auseinandersetzt.

Urbanismus ohne Urbanisierung ist zwar möglich, jedoch würde Urbanisierung ohne Urbanismus Chaos verursachen. Ein Beispiel dafür sind die unregelmäßigen Siedlungen in lateinamerikanischen Städten. Diese leiden seit den 1950er Jahren unter steigendem Wachstum durch Landflucht. Jedoch haben hohe Wohnkosten dazu geführt, dass sich die Bevölkerung weit entfernt von urbanen Zentren niedergelassen haben, ohne Ordnung oder Planung.

Eine solcher Siedlungen ist Ecatepec in Mexiko. Zurzeit leben dort 1,6 Millionen Einwohner in prekären Lebensumständen und leiden unter starker Überbevölkerung, fehlender Infrastruktur (wie Straßenlampen oder Gehwege) und fehlenden Grünflächen. Diese Umstände haben Escatepec zu einer der – gefühlt – unsichersten Städte des Landes gemacht.

Wegen der Nähe zu Mexico City und den Straßen die seit den 1940er Jahren gebaut wurden, haben sich viele Menschen Mexikos in Ecatepec niedergelassen. Das Wachstum wurde weiterhin durch die fehlenden Regulierungen zum Landerwerb gefördert. Jedoch führte dies zur Urbanisierung ohne Planung.

Heute ist Ecatepec die am dichtesten bevölkerte Gemeinde des Landes. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit. Die Bewohner arbeiten hauptsächlich in industriellen Sektoren die von hoher Unsicherheit und vielen Überstunden begleitet werden. Es ist ein Ort der von Gewalt, Übergriffen, Entführung und Frauenmorden heimgesucht wird.

Ein weiteres Beispiel für ungeplante Urbanisierung sind die favelas in Brasilien. Diese begannen als Wohnort in den Bergen rund um Rio de Janeiro. Die Bewohner errichteten improvisierte Häuser aus billigen Materialien aufgrund von Wohnungsmangel in der Stadt. Heute sind sie ein Symbol der südamerikanischen Staaten. Jedoch sind sie auch bekannt für Drogenschmuggel und Kriminalität.

Urbanismus und urbane Gestaltung

Urbane Gestaltung geht stark mit urbaner Planung einher, doch beinhaltet sie greifbarere und spezifischere Handlungen. Urbane Gestaltung befasst sich mit dem der Stadtbevölkerung zur Verfügung stehenden Platz. Es integriert Disziplinen wie Architektur und Landgestaltung, die sich auf die Ausgestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünflächen und Bushaltestellen konzentrieren. Es zielt darauf ab den Bewohnern ein angenehmes Umfeld im öffentlichen Raum zu schaffen.

Heutzutage beschäftigt sich urbane Gestaltung mit Aspekten wie universellem Zugang zu öffentlichen Orten, beispielsweise durch Rampenbau für Menschen mit Gehbehinderung oder sprechenden Ampeln für Menschen mit Sehbehinderung. Zusätzlich wird der Fokus auf einen inklusiven, erkennbaren Raum für Fußgänger gelegt.

Ein weiterer Ansatz von Designern bei der urbanen Gestaltung ist die Geschlechter-Frage. Öffentliche Räume, die solche Kriterien integrieren enthalten Elemente die Sicherheit und Komfort für Frauen steigern sollen. Darunter fallen:

  • Fußgänger-Beleuchtung
  • Gekennzeichnete Gehwege
  • Bodenbeläge ohne Einschränkung auf Schuhwerk
  • Öffentliche Toiletten
  • Ablageplätze an Bushaltestellen für Schubkarren oder schwere Lasten
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Das Viertel Saussure-Cardinet im 17. Bezirk von Paris wurde vor Kurzem fertiggestellt. Die Straßen sind verkehrsberuhigte Zonen. (Urbanauth / 2020)

Urbanismus und soziologisch-urbane Studien

Das Ziel von Urbanismus geht über das Verstehen einer Stadt hinaus und befasst sich mit der Umsetzung von Richtlinien und der Verbesserung des Umfelds. Jedoch ist für die Formulierung von konkreten Maßnahmen ein tieferes Verständnis für urbane Dynamiken notwendig. Beispielsweise:

  • Die Relevanz des öffentlichen Raums für die Interaktion zwischen Menschen
  • Die Art und Weise wie die Gestaltung des Raums das Verhalten der Menschen steuert. Sprich die Definition von Raum als künstlich geschaffen, sowie natürlich entstanden, sowie ergänzend der Raum, der durch Kommunikation kreiert wird.

Urbane Studien in der Soziologie wurden mit Architektur und urbaner Planung gekoppelt. In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde der Fokus aber auf folgende Aspekte gelegt:

  • Die Arten von öffentlichem Raum und Städten
  • Der Informationsfluss in und zwischen diesen
  • Die Auswirkungen von Migrations-Flüsse
  • Die Entwicklung von kleinen Gemeinschaften und deren Verbindung mit großen Städten
  • Schichtung und Infrastruktur zwischen Städten
  • Mobilitätsmuster und Nutzung von öffentlichem Raum.

Diese Themen sind wichtig für Städteplaner, denn der Erfolg ihrer Strategien hängt von ihrem Verständnis ab.

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Neuer Urbanismus

Städteplaner haben neue Herangehensweisen zur Städteentwicklung adaptiert. Der neue Urbanismus stellt sich gegen die Idee einer horizontalen Expansion und Teilung von Städten in Zonen sowie den Bedarf an Autos. Er ist für die Bevölkerung und sollte so gestaltet werden, dass er auf die Menschen angepasst wird. Dabei werden folgende Prinzipien berücksichtigt:

  • Begehbarkeit: Die Straßen sind fußgängerfreundlich und die notwendige Infrastruktur für reibungslose Mobilität wird gewährleistet. Hinzu kommen Orte wie Schulen, Läden, Krankenhäuser, sowie die Idee, dass Restaurants in 10 Minuten von zu Hause oder dem Arbeitsplatz erreichbar sind.
  • Konnektivität: Die Struktur der Straßen, Wege und Boulevards in den Städten werden so gestaltet, dass der Verkehr fließend bleibt. Zudem soll jeder Bereich der Stadt so einfach und schnell wie möglich zu erreichen sein.
  • Diversifizierung: Nachbarschaften sollen verschiedene Typen von Gebäuden und Geschäften beherbergen, einhergehend mit Wohngebäuden, die von verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und sozioökonomischen Schichten bewohnt werden.
  • „Mixed housing“: Wohnung in verschiedenen Größen, Typen und Preisen in derselben Gegend
  • Architektur und urbane Gestaltung: Auf Bewohner zugeschnittene Gestaltung des öffentlichen Raums um eine angenehme Umgebung zu schaffen. Dabei wird besonders viel Wert auf Ästhetik und Grünflächen gelegt.
  • Hohe Dichte: Vertikale Bauten werden gegenüber horizontalem Wachstum bevorzugt, da es kürzere Wege in den Städten ermöglicht und gleichzeitig die Kosten für Infrastruktur senkt
  • „Grüner“ öffentlicher Personenverkehr: Subventionierung von nicht-motorisierten oder öffentlichen Verkehrsmitteln, darunter fallen Züge, Busse und Fahrräder
  • Nachhaltigkeit: Umweltschonendes Wirtschaften, beispielsweise Wasser- und Energieeinsparung, Konsum von lokalen Produkten und das Reduzieren von motorisiertem Verkehr.

Urbanismus und Smart Growth

Die Prinzipien des neuen Urbanismus wurden vom Konzept des „Smart Growth“ abgeleitet. Eine Stadt, die klug und überlegt wächst, hat verschiedene Vorteile für die Bewohner, wie eine höhere Lebensqualität, eine höhere Anzahl an Geschäften und mehr Möglichkeiten für Investoren und Immobilien. Im „Smart Growth“ Konzept sind viele Modelle des Communitybildens enthalten. Eines davon sind die TOD’s (Transit Oriented Developments, zu deutsch: Transit orientierte Entwicklungen). Diese versuchen für die Bewohner Möglichkeiten zum Nahverkehr durch verschiedene, leicht zugängliche und günstige Arten zu ermöglichen, die zugleich einen niedrigen CO-Abdruck hinterlassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, folgen TOD’s den Prinzipien von:

  • Fußwege: Sichere und zugängliche Umgebung für Fußgänger
  • Rad fahren: Sicheres Verkehrsnetz für Fahrradfahrer
  • Verbindung: kurze und direkte Fußgänger- und Fahrradwege
  • Transport: Qualitativ hochwertiges öffentliches Verkehrsnetz mit Erreichbarkeit zu Fuß
  • Mischung: Dienstleistungen, die sich in kurzer Entfernung von Heim und Arbeit befinden. Zudem ist der öffentliche Raum zu jeder Zeit erreichbar
  • Verdichtung: Plätze mit einer hohen Konzentration von Wohnungen und Arbeit haben die wichtigsten Dienstleistungen im direkten Umfeld
  • Kompaktisierung: Neue Entwicklungen werden im Stadtraum umgesetzt und nicht in die Vororte verlegt
  • Verlagerung: wenig Platz wird für Privatverkehr zur Verfügung gestellt (TOD Standard, ITDP 2017)

Angelehnt an die Transit orientierten Entwicklungen gibt es das sogenannte Walk-Up Modell. Nach diesem sollen Nachbarschaften so konstruiert werden, dass alle wichtigen Dienstleistungen und Geschäfte des Alltags zu Fuß erreichbar sind.

Urbanismus und Klimawandel

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Eine illegale Müllhalde in La Courneuve, einer nördlichen Banlieue von Paris. (Urbanauth / 2020)

Städte spielen eine Schlüsselrolle zur Bekämpfung der Erderwärmung. Sie verbrauchen mehr als 60% der Energie und produzieren 70% der Treibhausgase, sowie 70% der Feststoffabfälle weltweit. Alle Auswirkungen des Klimawandels wie Unwetter, Fluten, Feuer, Dürren und der Senkung der Biodiversität sind alarmierend. Die Kommunalverwaltungen müssen beginnen urbane Projekte und Regulierungen an diese tiefgreifenden Veränderungen anzupassen.

Der Kampf gegen den Klimawandel kann auf zwei Arten passieren: Abschwächung und Anpassung. Ersteres konzentriert sich auf die Reduzierung von Treibhausgasen, Energie- und Wasserverbrauch, so wie der Müllproduktion. Anpassungsmaßnahmen zielen darauf ab die Auswirkungen von Klimakatastrophen auf Städte zu verringern. Ergo Maßnahmen gegen Fluten, Erdrutsche und hohe Temperaturen einzuleiten.

Eine Abschwächungsmaßnahme, die sich als potenziell erfolgreich erwies, ist die Bildung von sogenannten Umweltzonen. In diesen wird der Verkehr an den Ausstoß von Emissionen gekoppelt. Eine gängige Regelung ist beispielsweise das Verbot von älteren Fahrzeugen und Lastwagen in diesen Zonen.

Um sich an die Veränderungen des Klimawandels anzupassen werden zum Beispiel neue Grünflächen geschaffen, sowie Bäume im Stadtzentrum gepflanzt. Maßnahmen reduzieren die Temperaturen und erleichtern die Aufnahme von Regenwasser, was gleichzeitig das Risiko für Fluten verringert.

Um den Erfolg von Abschwächungs- und Anpassungsmaßnahmen zu gewährleisten, muss die Nachhaltigkeit der jeweiligen Maßnahme mit in Betracht gezogen werden. Dazu gehört eine ökonomische, sozial- und umweltfreundliche Befriedigung der Bedürfnisse einer Gemeinschaft, ohne dabei die Möglichkeiten der folgenden Generationen zu verringern ihre Bedürfnisse gleichermaßen zu erfüllen.

Zum Abschluss

Urbanismus als eigene Disziplin versucht die Lebensbedingungen der Menschen in einer Gemeinschaft zu verbessern. Es ist also mehr als das Analysieren und Untersuchen von Städten. Es ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen rasanten Entwicklungen des Zusammenlebens und muss daher mit anderen Disziplinen eng zusammenarbeiten, um eine effiziente Neugestaltung unseres Miteinanders zu schaffen. Menschen formen Städte, aber auch Städte können unser Leben formen. Zum Guten und zum Schlechten.

Anmerkung: Dies ist eine Übersetzung des englischen Originals.

Dieser Artikel wurde am 29/08/2020 von Vincent Göhlich leicht bearbeitet.
– Es wurden sachliche Beispiele verlinkt
– Bilder wurden dem Artikel beigefügt
– Veränderungen am Layout

Europa: Europan 15 – Im Zeichen der produktiven Stadt

Europa: Europan 15 – Im Zeichen der produktiven Stadt

Das Logo der Europan

Die Europan 15 feierte 2019 ihren dreißigsten Geburtstag. Und mit Ihr, die zeitgenössische Architektur Europas. Der europäische Wettbewerb für junge Architekten unter vierzig Jahren will die Stadt neu denken und gemeinschaftliche Lösungsansätze fördern. Über ein Netzwerk von 250 Städten und 20 Ländern in Europa werden jedes Jahr Flächen und Gelder für innovative Projekte freigegeben. Das diesjährige Leitthema: Die produktive Stadt 2.0.

Damit wiederholt die Europan die Vorgabe von der 14. Edition (2017) und reiht sich in die Bemühen ein, der Stadtentwicklung in seiner Komplexität und gesellschaftlichen Bedeutung gerecht zu werden.

Die Architektur und Quartiere mit der Stadt als Ganzes in Einklang zu bringen und dabei ressourcenschonend vorzugehen, ist eine Herausforderung, der sich die Architekten stellen. Übergangsprozesse spielen dabei genauso eine Rolle wie der ökologischer Häuserbau.

Die Produktive Stadt – eine Kreislaufwirtschaft

In diesem Zusammenhang sollen sich die Bewerber Gedanken zur Syngerie zwischen der Stadt und produktiven Orten machen. Dies kann mit der Neunutzung von Zwischenräumen zwischen Wohnen und Produktion geschehen und beinhaltet Restflächen oder brachliegende urbane Strukturen.

Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sollen Ressourcen dem Kreislauf durch Recycling oder Aufarbeitung wieder zurückgeführt werden. Vorhandenes Material soll dabei im Sinne der Sharing Economy effektiver genutzt werden. Als konkrete Beispiele kann man Car-Sharing-Angebote sowie Werkzeugverleih-Dienste nennen.

Ganz im Sinne der Open Innovation öffnen sich Unternehmen bei der Produktentwicklung einem breiteren Spektrum und ziehen ihre Nutzer mit ein. Das können diese auf lokal-politischer Ebene mit Open Source basisdemokratischen Bürgerplattformen durchführen, wie z.B. Decidim in Barcelona. Darüber hinaus werden dadurch die Mitbestimmung und der Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt.

Die Beziehung von Funktion und Nutzung und die Stadt als Ökosystem stellen dabei einen Teil der sozialen Überlegungen dar. Das Zusammenspiel von Alt und Neu, den Bürgern und ihrer Umgebung liegen im Blickpunkt der Europan. Die produktive Stadt möchte sich dabei von der dualistischen Sichtweise losgelöst sehen und betrachtet die Stadt von Morgen als einen Ort der Synergien.

Ressourcen, Mobilität und Fairness

Gemeinschaftliche Lösungsansätze: Die Schwerpunkte sind dabei um drei Hauptthematiken gelegt: Ressourcen, Mobilität und Fairness.
Ressourcen: Im Zusammenhang von Effizienz, Verbrauch und Verschmutzung geht es um die Frage, wie mit diesen umgegangen wird und diese verteilt werden.
Nähe im urbanen Raum schaffen, Distanzen zu verkleinern und barrierefreie Orte der produktiven Stadt, sind dabei die gesetzten Ziele um eine größere Mobilität zu ermöglichen. Die Fairness stellt sich der Problemstellung, wie räumliche Gleichheit zur sozialen Gerechtigkeit beitragen kann und beide verbunden werden können. Die Harmonie zwischen urbanen und ländlichen Gebieten, sowie arm und reich, stehen dabei im Fokus.

Die Europan 2019 reiht sich damit zum 15-mal in die progressiven Recherchen nach nachhaltigen Raumansätzen ein und denkt die Stadt von Morgen.

Raumunterteilungen

Die zu entwickelnden Flächen werden wiederum in drei verschiedene Raumgrößen unterteilt: XL, L, S

Die Größe XL bezeichnet den breitesten Handlungsraum, welcher auch Räume zwischen Städten betreffen kann und das Verhältnis Stadt-Land beinhaltet. Es gilt die Beziehungen verschiedener Kreisläufe auf regionaler Ebene zu untersuchen.
Die Größe L betrifft Stadtteile, wobei sich die Gedanken hauptsächlich um städtische Quartiere drehen. Diese sind Flächen, welche sich natürlich von ihrer Umgebung hervorheben.
Die Mikroebene S befasst sich mit den Eingriffen, welche am schnellsten zu verwirklichen sind und ebenso nur temporär wirken.

Die Teilnehmer der diesmaligen EUROPAN

In Zentral-Europa sind ehemalige Industriestädte bei den Europan-Teilnehmern beliebt.

In Frankreich ist Marseille mit seinen maroden Vierteln vorne mit dabei. Und während mit Romainville und Champigny-sur-Marne zwei Banlieues im Pariser Raum teilnehmen, ist mit Auby eine Kleinstadt von 7600 Einwohnern gewählt worden, die zugleich größter Zinkproduzent im Land ist. Auby liegt im strukturschwachen Norden von Frankreich. Und auch das französischsprachige Charlerois in Belgien reiht sich in die ehemals stark industrialisierten Städte ein, die diese Raumentwicklungen begrüßen.

In Deutschland nehmen neben Selb ( Oberfranken) die Städte aus dem Bergischen Land: Hilden, Ratingen, Solingen und Wülfrath gemeinsam teil, um eine „Bergische Siedlung“ zu entwerfen. Dabei werden sowohl Ackerflächen, als auch alte Industriegelände bebaut. Das Besondere: Alle Größen der Raumunterteilungen sind in diesem Projekt vertreten.

Update (18.02.2020, Oliver): Die Gewinner unter den Teilnehmer für die deutschen Standorte lassen sich auf der offiziellen Website einsehen. Neben der Namen sind dort auch die Tafeln mit detaillierten Bebauungsplänen hinterlegt. Für den Standort Selb finden sich die Ergebnisse hier und für den Standort Bergische Kooperation hier.

Von der Kooperation „Zwischen Rhein und Wupper“ wurden die Städte mit ehemals starker Textil- und Metallindustrie nicht umsonst zur Verfügung gestellt. Im Rahmen eines ihrer Pilotprojekte werden zukunftsweisende Quartiersentwicklungen unterstützt. Und die ausgewählten Bereiche liegen in einer Zone, die für den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel in Betracht gezogen wird.

Der europäische Wettbewerb für junge Architekten ist nicht ohne Grund ein Vorreiter der neuen Architektur. Die Stadt von Morgen denken. Dies hat die produktive Stadt wie kein anderes Konzept integriert: Wohnen und Arbeiten in einer gesunden Umgebung. Aber auch die Wahl der Standorte ist gut durchdacht. Durch die Revitalisierung alter Industriestandorte wird ein echter Mehrwert geschaffen. Heute die Architektur der Zukunft bauen: Das ist die Europan

Artikel und Symbolfotos aus Saint Ouen: Vincent – Fotos von Solingen bereitgestellt durch die Europan Deutschland

Dieser Artikel wurde am 18.02.2020 von Oliver aktualisiert / Update
Dieser Artikel wurde am 01.04.2020 von Vincent aktualisiert / Layout

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