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Stadtklima: Was sind urbane Hitzeinseln?

Stadtklima: Was sind urbane Hitzeinseln?

Urbane Hitzeinseln sind auf dem Vormarsch. Im Sommer 2003 erlebte Europa eine Hitzewelle, die historische Temperaturen erreichte. Von Juni bis Mitte August stiegen die Temperaturen von Nordspanien bis zur Tschechischen Republik und von Deutschland bis Italien um 20 bis 30% über den Durchschnitt dieser Jahreszeit und erreichten bis zu 40°C.

Auch bekannt unter dem Namen städtische Wärmeinseln, wirft dieses urbane Phänom die Frage klima-resilienter Städte und dessen Stadtklima auf.

Laut Britannica verursachte diese Hitzewelle, die durch ein Antizyklon (ein Phänomen, das Regen verhinderte) ausgelöst wurde, den Tod von 30.000 Menschen auf dem ganzen Kontinent: mehr als 14.000 in Frankreich.

Im Jahr 2007 wurde jedoch ein signifikanter Unterschied zur Zahl von 2003 festgestellt; in Frankreich wurden 19.490 Todesfälle mit hitzebedingten Ursachen gemeldet. Dies entspricht einem Anstieg der Todesfälle von fast 30% innerhalb von vier Jahren.

Dieses Phänomen lenkte die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen der hohen Temperaturen für die Bevölkerung in den Städten. Es alarmierte über die Hitzekonzentration in städtischen Gebieten und machte die Unzulänglichkeiten sichtbar, die im Umgang mit Hitzeinseln bestehen.

Was sind urbane Hitzeinseln?

Eine urbane Hitzeinsel (UHI) ist ein städtisches Gebiet, in der die Temperaturen höher sind als in den umliegenden ländlichen Flächen. Sie wird hauptsächlich in großen und dicht besiedelten Städten erzeugt, in denen es an Grünflächen mangelt. Die Konzentration menschlicher Aktivitäten, des Verkehrs und der in Gebäuden und Häusern genutzten elektrischen Energie erzeugt Wärme, die von Oberflächen wie Beton abprallt und den Wärmeinseleffekt verursacht. Er kann auf verschiedenen Skalen auftreten. Von kleinen Ebenen in Form von Stadtvierteln bis hin zu Ballungsgebieten.

Warum gibt es urbane Hitzeinseln?

Endlos zieht sich die Stadt. Die starke Urbanisierung von Paris hat Einfluss auf das Stadtklima. (Urbanauth / 2020)

Die wichtigsten Faktoren, die zu urbanen Hitzeinseln führen, sind die folgenden:

  • Unzureichende Grün- oder Naturflächen in den Städten, wie z.B. Bäume, Vegetation, Flüsse oder Gewässer. Diese absorbieren die durch Transport oder elektrische Energie verbreiteten Wärme und tragen zusätzlich zur Reinigung der Luft bei.
  • Übermäßige Verwendung von Baumaterialien, ohne Berücksichtigung ihrer Eigenschaften haben Auswirkungen auf das Stadtklima. Zum einen betrifft dies reflektierende Materialien wie Glas und Stahl, welche Wärme abprallen lassen und die Außenumgebung sättigen. Zum an deren Asphalt und Beton, welche die Wärme vorübergehend speichern und dann wieder an ihre Umgebung wiedergeben. Dies steht im Gegensatz zu Grünflächen und Gewässern, welche Wärme absorbieren.
  • Die Gestalt der Stadt:
    Die Verbindung zwischen Stadtplanung und Klimawandel ist neueren Datums. Doch die Auswirkungen, die die Urbanisierung auf die natürliche Umwelt haben kann, sind beeindruckend. So wird zum Beispiel eine Stadt mit wenigen offenen Flächen oder mit hohen, nahe beieinander liegenden Gebäuden, die ohne menschliches Maßstabsdenken entworfen wurden, wird den Durchgang des Windes kanalisieren und die Wärme konzentrieren.
  • Menschliche Aktivitäten, die den Gebrauch von Kraftfahrzeugen, Klimaanlagen oder elektrischer Energie beinhalten. Die Industrie ist eine der Aktivitäten, die den höchsten Prozentsatz an umweltschädlichen Gasen und Temperaturerhöhungen erzeugt.

Was sind die Auswirkungen von urbanen Hitzeinseln?

  • Erhöhter Energieverbrauch, der ebenfalls eine Ursache ist. Bei höheren Temperaturen, einem stärkeren Einsatz von Klimaanlagen oder Reisen in geschlossenen Fahrzeugen, erzeugen wiederum mehr Wärme.
  • Gesundheitsschäden: Hohe Temperaturen während des Tages können Atemwegserkrankungen, Krämpfe, Müdigkeit und sogar Herzinfarkte verursachen. Nachts beeinträchtigt die Hitze die Ruhe der Menschen und erzeugt Stress (Panamerikanische Gesundheitsorganisation). So wurden beispielsweise in der mexikanischen Stadt Mexicali in den ersten 15 Tagen des Monats Juni 2019 81 temperaturbedingte Todesfälle registriert. Diese Stadt erreicht im Sommer bis zu 50 °C, wobei ältere Menschen, Kinder und Menschen in Armut am stärksten gefährdet sind.
  • Schädigung der Wasserqualität, die wiederum die Stoffwechsel-, Fortpflanzungs- und Ernährungsprozesse der in Warmwasserkörpern lebenden Wasserlebewesen verändert
  • Veränderungen der Tierwelt: ihre Nahrung kann reduziert werden, ihre Zufluchtsorte können zerstört oder verbrannt werden, was sie dazu veranlasst, neue Gebiete zu suchen. Die Veränderung der Ökosysteme hat dabei tief greifende, langfristige Auswirkungen auf unsere Umwelt.
Wasser hilft den städtischen Raum abzukühlen. (Foto: Urbanauth / VGO / Paris / 2020)

Urbanen Hitzeinseln entgegenwirken: So machen es verschiedene Großstädte!

Nach den durch die Hitzewelle 2003 verursachten Todesfällen setzte sich Paris das Ziel, bis 2020 20.000 neue Bäume zu pflanzen. Bis 2015 wurden etwa 62 Hektar Naturgebiete und 4,7 Hektar begrünte Dächer gebaut. Bis 2020 sollen weitere 100 Hektar begrünte Dächer geschaffen werden, die auch als Stadtgärten dienen sollen.

Darüber hinaus verfügt die Stadt über einen Klimaaktionsplan, in dem sie Ziele und Maßnahmen zur Senkung der Temperaturen und zur Erhöhung ihrer Widerstandsfähigkeit festlegt. Der Plan enthält Anreize für die Bürger, mehr Bäume in den Straßen und im öffentlichen Raum zu pflanzen und so grünere Gemeinden zu schaffen.

In Stuttgart, Deutschland, wurde 2008 ein Klimaatlas für 179 Dörfer in der Region erstellt. In diesem Planungsinstrument wurden Maßnahmen vorgeschlagen, um den Risiken, die sich aus den Auswirkungen des Klimawandels ergeben, entgegenzuwirken.

Das Gebiet, welches in einem Tal mit erheblicher Automobilaktivität liegt, leidet unter der Konzentration von Treibhausgasen, Feinstaubpartikeln und hohe Temperaturen. In diesem Atlas ist auch eine Klimabroschüre für die Stadtentwicklung enthalten, die Richtlinien diktiert, um sicherzustellen, dass die Städte grüne Korridore haben, die von Vegetation umgeben sind und in denen die Gebiets-spezifischen Eigenschaften ausgenutzt werden, um die vorherrschenden Winde zu nutzen.

In New York wurde eine einfachere Maßnahme angewandt. Im Jahr 2010 arbeiteten rund 1.600 Freiwillige auf fast 1 Million Quadratmetern Dachfläche im Rahmen einer Initiative namens New York Cool Roofs. Die von der Stadt geförderte Initiative besteht darin, die Dächer weiß zu streichen, um die Hitze zu reflektieren und sie in den Innenräumen zu vermeiden und den Einsatz von Klimaanlagen zu reduzieren. So soll diese Maßnahme spart ungefähr 2.282 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Ecodistrict in Paris: mixed-use development, which integrates vegetation and energy efficiency and sustainability practices. (Symbolic photo / Urbanauth / 2020)

Mit grüner Infrastruktur gegen urbane Hitzeinseln

Andere in Städten anwendbare Maßnahmen werden als grüne Infrastruktur bezeichnet. Begrünte Dächer und Vegetation sind ein Teil davon. Dabei handelt es sich um eine Art von Infrastruktur, die natürliche Systeme zur Verbesserung der Umweltqualität nutzt, was auch dem kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Sektor zugute kommt.

Die folgende Tabelle zeigt eine Liste von Elementen, die in Städten zur Verringerung des Wärmeinseleffekts und zur Wiederherstellung der Umwelt einbezogen, verstärkt oder interveniert werden können:

Based on the „Green Infrastructure Design Guide for Mexican Municipalities“ by the Municipal Planning Institute of Hermosillo (2017)

Ein Gedanke zum Abschluss

Der Klimawandel ist eine der Krisen, mit denen wir konfrontiert sind. Seine Auswirkungen akzentuieren oder lassen uns falsch entwickelte Praktiken erkennen, und die integrale Planung von Städten gewinnt noch mehr an Bedeutung, um das Leben der Menschen zu schützen. Bürgerbeteiligung und multidisziplinäre Visionen sind Komponenten, die in der Stadtplanung Priorität haben müssen, um den Kontext und die tatsächlichen Bedürfnisse einer Landschaft zu verstehen. Städte müssen aufhören, in Serie, ohne Planung und ohne Natur zu existieren, da sie ansonsten zu tödlichen Risikogebieten werden.

Urbanismus als Lebensweise

Urbanismus als Lebensweise

Es ist unmöglich Städte aus einer einzelnen Perspektive zu untersuchen. Das Einbringen verschiedener Disziplinen ist notwendig um alle Aspekte der urbanen Realität verstehen zu können (Lamy, 2019).

Der Ursprung von Zivilisation lässt sich auf eine Zeit zurück datieren in der Menschen sich dazu entschieden haben sich niederzulassen und als Gruppe zusammen zu leben. Diese Gemeinschaften waren Orte des Austausches, in denen sie Stabilität gefunden haben. Ihre Entwicklung folgte den Prinzipien der Natur und dem Zyklus des Lebens, sowie ihren Glaubensvorstellungen.

Diese Arten des Lebens sind heute Vergangenheit. Laut der UN werden bis zum Jahr 2050 66% der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Glaubensvorstellungen und Handlungen der Menschen haben sich verändert und damit auch die Art der Gemeinschaftsbildung. Besonders auffällig auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent, wo Städte rasant wachsen. Diese sogenannten Mega-Städte sind mit vielen Problemen und Aufgaben konfrontiert: Öffentlichen Verkehrsnetze, bezahlbare Wohnräume und Klimawandel. Zukunftsorientierte Planungsprozesse sind notwendig, um diese Aufgaben angehen zu können.

Die Aufgabe des Urbanismus ist es Städte zu untersuchen, zu studieren und mögliche Verbesserungen zu entwickeln. Das Ziel ist es die Lebensqualität der Menschen durch bessere Infrastruktur und Ausrüstung zu erhöhen. Damit dies gelingen kann, bedarf es einer ganzheitlichen Vision. Urbanismus kann soziologische, ökonomische, politische, rechtliche und technologische Entwicklungen kombinieren, um eine nachhaltige Stadt zu planen.

Die Zone um „Le Confluence“ in Lyon in der Nähe des Bahnhofes Perraches wird revitalisiert. (Urbanauth / 2018)

Urbanismus und Urbanisierung

Es ist wichtig die Unterschiede zwischen Urbanismus und Urbanisierung zu definieren, da sie oft miteinander verwechselt werden. Ersteres bezieht sich auf die analytische Untersuchung, Erforschung und den Planungsprozess von Städten, während Zweiteres sich mit Städteentwicklung auseinandersetzt.

Urbanismus ohne Urbanisierung ist zwar möglich, jedoch würde Urbanisierung ohne Urbanismus Chaos verursachen. Ein Beispiel dafür sind die unregelmäßigen Siedlungen in lateinamerikanischen Städten. Diese leiden seit den 1950er Jahren unter steigendem Wachstum durch Landflucht. Jedoch haben hohe Wohnkosten dazu geführt, dass sich die Bevölkerung weit entfernt von urbanen Zentren niedergelassen haben, ohne Ordnung oder Planung.

Eine solcher Siedlungen ist Ecatepec in Mexiko. Zurzeit leben dort 1,6 Millionen Einwohner in prekären Lebensumständen und leiden unter starker Überbevölkerung, fehlender Infrastruktur (wie Straßenlampen oder Gehwege) und fehlenden Grünflächen. Diese Umstände haben Escatepec zu einer der – gefühlt – unsichersten Städte des Landes gemacht.

Wegen der Nähe zu Mexico City und den Straßen die seit den 1940er Jahren gebaut wurden, haben sich viele Menschen Mexikos in Ecatepec niedergelassen. Das Wachstum wurde weiterhin durch die fehlenden Regulierungen zum Landerwerb gefördert. Jedoch führte dies zur Urbanisierung ohne Planung.

Heute ist Ecatepec die am dichtesten bevölkerte Gemeinde des Landes. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit. Die Bewohner arbeiten hauptsächlich in industriellen Sektoren die von hoher Unsicherheit und vielen Überstunden begleitet werden. Es ist ein Ort der von Gewalt, Übergriffen, Entführung und Frauenmorden heimgesucht wird.

Ein weiteres Beispiel für ungeplante Urbanisierung sind die favelas in Brasilien. Diese begannen als Wohnort in den Bergen rund um Rio de Janeiro. Die Bewohner errichteten improvisierte Häuser aus billigen Materialien aufgrund von Wohnungsmangel in der Stadt. Heute sind sie ein Symbol der südamerikanischen Staaten. Jedoch sind sie auch bekannt für Drogenschmuggel und Kriminalität.

Urbanismus und urbane Gestaltung

Urbane Gestaltung geht stark mit urbaner Planung einher, doch beinhaltet sie greifbarere und spezifischere Handlungen. Urbane Gestaltung befasst sich mit dem der Stadtbevölkerung zur Verfügung stehenden Platz. Es integriert Disziplinen wie Architektur und Landgestaltung, die sich auf die Ausgestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünflächen und Bushaltestellen konzentrieren. Es zielt darauf ab den Bewohnern ein angenehmes Umfeld im öffentlichen Raum zu schaffen.

Heutzutage beschäftigt sich urbane Gestaltung mit Aspekten wie universellem Zugang zu öffentlichen Orten, beispielsweise durch Rampenbau für Menschen mit Gehbehinderung oder sprechenden Ampeln für Menschen mit Sehbehinderung. Zusätzlich wird der Fokus auf einen inklusiven, erkennbaren Raum für Fußgänger gelegt.

Ein weiterer Ansatz von Designern bei der urbanen Gestaltung ist die Geschlechter-Frage. Öffentliche Räume, die solche Kriterien integrieren enthalten Elemente die Sicherheit und Komfort für Frauen steigern sollen. Darunter fallen:

  • Fußgänger-Beleuchtung
  • Gekennzeichnete Gehwege
  • Bodenbeläge ohne Einschränkung auf Schuhwerk
  • Öffentliche Toiletten
  • Ablageplätze an Bushaltestellen für Schubkarren oder schwere Lasten
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Das Viertel Saussure-Cardinet im 17. Bezirk von Paris wurde vor Kurzem fertiggestellt. Die Straßen sind verkehrsberuhigte Zonen. (Urbanauth / 2020)

Urbanismus und soziologisch-urbane Studien

Das Ziel von Urbanismus geht über das Verstehen einer Stadt hinaus und befasst sich mit der Umsetzung von Richtlinien und der Verbesserung des Umfelds. Jedoch ist für die Formulierung von konkreten Maßnahmen ein tieferes Verständnis für urbane Dynamiken notwendig. Beispielsweise:

  • Die Relevanz des öffentlichen Raums für die Interaktion zwischen Menschen
  • Die Art und Weise wie die Gestaltung des Raums das Verhalten der Menschen steuert. Sprich die Definition von Raum als künstlich geschaffen, sowie natürlich entstanden, sowie ergänzend der Raum, der durch Kommunikation kreiert wird.

Urbane Studien in der Soziologie wurden mit Architektur und urbaner Planung gekoppelt. In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde der Fokus aber auf folgende Aspekte gelegt:

  • Die Arten von öffentlichem Raum und Städten
  • Der Informationsfluss in und zwischen diesen
  • Die Auswirkungen von Migrations-Flüsse
  • Die Entwicklung von kleinen Gemeinschaften und deren Verbindung mit großen Städten
  • Schichtung und Infrastruktur zwischen Städten
  • Mobilitätsmuster und Nutzung von öffentlichem Raum.

Diese Themen sind wichtig für Städteplaner, denn der Erfolg ihrer Strategien hängt von ihrem Verständnis ab.

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Neuer Urbanismus

Städteplaner haben neue Herangehensweisen zur Städteentwicklung adaptiert. Der neue Urbanismus stellt sich gegen die Idee einer horizontalen Expansion und Teilung von Städten in Zonen sowie den Bedarf an Autos. Er ist für die Bevölkerung und sollte so gestaltet werden, dass er auf die Menschen angepasst wird. Dabei werden folgende Prinzipien berücksichtigt:

  • Begehbarkeit: Die Straßen sind fußgängerfreundlich und die notwendige Infrastruktur für reibungslose Mobilität wird gewährleistet. Hinzu kommen Orte wie Schulen, Läden, Krankenhäuser, sowie die Idee, dass Restaurants in 10 Minuten von zu Hause oder dem Arbeitsplatz erreichbar sind.
  • Konnektivität: Die Struktur der Straßen, Wege und Boulevards in den Städten werden so gestaltet, dass der Verkehr fließend bleibt. Zudem soll jeder Bereich der Stadt so einfach und schnell wie möglich zu erreichen sein.
  • Diversifizierung: Nachbarschaften sollen verschiedene Typen von Gebäuden und Geschäften beherbergen, einhergehend mit Wohngebäuden, die von verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und sozioökonomischen Schichten bewohnt werden.
  • „Mixed housing“: Wohnung in verschiedenen Größen, Typen und Preisen in derselben Gegend
  • Architektur und urbane Gestaltung: Auf Bewohner zugeschnittene Gestaltung des öffentlichen Raums um eine angenehme Umgebung zu schaffen. Dabei wird besonders viel Wert auf Ästhetik und Grünflächen gelegt.
  • Hohe Dichte: Vertikale Bauten werden gegenüber horizontalem Wachstum bevorzugt, da es kürzere Wege in den Städten ermöglicht und gleichzeitig die Kosten für Infrastruktur senkt
  • „Grüner“ öffentlicher Personenverkehr: Subventionierung von nicht-motorisierten oder öffentlichen Verkehrsmitteln, darunter fallen Züge, Busse und Fahrräder
  • Nachhaltigkeit: Umweltschonendes Wirtschaften, beispielsweise Wasser- und Energieeinsparung, Konsum von lokalen Produkten und das Reduzieren von motorisiertem Verkehr.

Urbanismus und Smart Growth

Die Prinzipien des neuen Urbanismus wurden vom Konzept des „Smart Growth“ abgeleitet. Eine Stadt, die klug und überlegt wächst, hat verschiedene Vorteile für die Bewohner, wie eine höhere Lebensqualität, eine höhere Anzahl an Geschäften und mehr Möglichkeiten für Investoren und Immobilien. Im „Smart Growth“ Konzept sind viele Modelle des Communitybildens enthalten. Eines davon sind die TOD’s (Transit Oriented Developments, zu deutsch: Transit orientierte Entwicklungen). Diese versuchen für die Bewohner Möglichkeiten zum Nahverkehr durch verschiedene, leicht zugängliche und günstige Arten zu ermöglichen, die zugleich einen niedrigen CO-Abdruck hinterlassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, folgen TOD’s den Prinzipien von:

  • Fußwege: Sichere und zugängliche Umgebung für Fußgänger
  • Rad fahren: Sicheres Verkehrsnetz für Fahrradfahrer
  • Verbindung: kurze und direkte Fußgänger- und Fahrradwege
  • Transport: Qualitativ hochwertiges öffentliches Verkehrsnetz mit Erreichbarkeit zu Fuß
  • Mischung: Dienstleistungen, die sich in kurzer Entfernung von Heim und Arbeit befinden. Zudem ist der öffentliche Raum zu jeder Zeit erreichbar
  • Verdichtung: Plätze mit einer hohen Konzentration von Wohnungen und Arbeit haben die wichtigsten Dienstleistungen im direkten Umfeld
  • Kompaktisierung: Neue Entwicklungen werden im Stadtraum umgesetzt und nicht in die Vororte verlegt
  • Verlagerung: wenig Platz wird für Privatverkehr zur Verfügung gestellt (TOD Standard, ITDP 2017)

Angelehnt an die Transit orientierten Entwicklungen gibt es das sogenannte Walk-Up Modell. Nach diesem sollen Nachbarschaften so konstruiert werden, dass alle wichtigen Dienstleistungen und Geschäfte des Alltags zu Fuß erreichbar sind.

Urbanismus und Klimawandel

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Eine illegale Müllhalde in La Courneuve, einer nördlichen Banlieue von Paris. (Urbanauth / 2020)

Städte spielen eine Schlüsselrolle zur Bekämpfung der Erderwärmung. Sie verbrauchen mehr als 60% der Energie und produzieren 70% der Treibhausgase, sowie 70% der Feststoffabfälle weltweit. Alle Auswirkungen des Klimawandels wie Unwetter, Fluten, Feuer, Dürren und der Senkung der Biodiversität sind alarmierend. Die Kommunalverwaltungen müssen beginnen urbane Projekte und Regulierungen an diese tiefgreifenden Veränderungen anzupassen.

Der Kampf gegen den Klimawandel kann auf zwei Arten passieren: Abschwächung und Anpassung. Ersteres konzentriert sich auf die Reduzierung von Treibhausgasen, Energie- und Wasserverbrauch, so wie der Müllproduktion. Anpassungsmaßnahmen zielen darauf ab die Auswirkungen von Klimakatastrophen auf Städte zu verringern. Ergo Maßnahmen gegen Fluten, Erdrutsche und hohe Temperaturen einzuleiten.

Eine Abschwächungsmaßnahme, die sich als potenziell erfolgreich erwies, ist die Bildung von sogenannten Umweltzonen. In diesen wird der Verkehr an den Ausstoß von Emissionen gekoppelt. Eine gängige Regelung ist beispielsweise das Verbot von älteren Fahrzeugen und Lastwagen in diesen Zonen.

Um sich an die Veränderungen des Klimawandels anzupassen werden zum Beispiel neue Grünflächen geschaffen, sowie Bäume im Stadtzentrum gepflanzt. Maßnahmen reduzieren die Temperaturen und erleichtern die Aufnahme von Regenwasser, was gleichzeitig das Risiko für Fluten verringert.

Um den Erfolg von Abschwächungs- und Anpassungsmaßnahmen zu gewährleisten, muss die Nachhaltigkeit der jeweiligen Maßnahme mit in Betracht gezogen werden. Dazu gehört eine ökonomische, sozial- und umweltfreundliche Befriedigung der Bedürfnisse einer Gemeinschaft, ohne dabei die Möglichkeiten der folgenden Generationen zu verringern ihre Bedürfnisse gleichermaßen zu erfüllen.

Zum Abschluss

Urbanismus als eigene Disziplin versucht die Lebensbedingungen der Menschen in einer Gemeinschaft zu verbessern. Es ist also mehr als das Analysieren und Untersuchen von Städten. Es ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen rasanten Entwicklungen des Zusammenlebens und muss daher mit anderen Disziplinen eng zusammenarbeiten, um eine effiziente Neugestaltung unseres Miteinanders zu schaffen. Menschen formen Städte, aber auch Städte können unser Leben formen. Zum Guten und zum Schlechten.

Anmerkung: Dies ist eine Übersetzung des englischen Originals.

Dieser Artikel wurde am 29/08/2020 von Vincent Göhlich leicht bearbeitet.
– Es wurden sachliche Beispiele verlinkt
– Bilder wurden dem Artikel beigefügt
– Veränderungen am Layout

Frankreich : Was ist der französische Bebauungsplan (PLU) ?

Frankreich : Was ist der französische Bebauungsplan (PLU) ?

Wir haben uns gefragt: Was ist der französische Bebauungsplan? Auch bekannt als PLU gibt dieser Artikel eine Erläuterung zum „Plan local d’urbanisme“ in Frankreich.

In Frankreich sind die Regeln für die Stadtplanung klar und folgen einer Tradition! So wird der lokale Bebauungsplan (PLU) in einer Kommune erstellt und legt die Regeln für die Stadtplanung fest. Sie dient der Harmonisierung der Stadt und der Gewährleistung der territorialen Kohärenz auf nationaler Ebene. Im Rahmen eines Zusammenschlusses von Gemeinden und damit der interkommunalen Zusammenarbeit wird der PLU durch den PLUi ersetzt. Letztere bündelt die Interessen der verschiedenen Gemeinden, definiert aber auch die Prinzipien der Entwicklung des Territoriums als Ganzes. Das Grand-Paris ist ein gutes Beispiel dafür, ebenso wie der Fall der Plaine Commune-Gruppierung. Letztere genehmigte kürzlich im Februar 2020 ihren PLUi durch den Territorialrat.

Frankreich ist in 13 Regionen unterteilt. Diese wiederum beherbergen 101 Departements, die französischen Bundesgebiete. Eine Stufe darunter befinden sich die Kommunen, welche den deutschen Gemeinden entsprechen. In allen Fällen spricht man dabei von collectivités territoriales„, den Gebietskörperschaften unter der nationalen Ebene. Diese werden im Französischen, als Territorien bzw. Territorium bezeichnet. Die interkommunalen Städteverbunde, welche sich mit einem PLUi organisieren, besitzen dabei einen besonderen (Zwischen-)Status.

Der lokale Bebauungsplan in Frankreich – Was beinhaltet der PLU?

Der lokale Bebauungsplan (PLU) ist ein Stadtplanungsdokument, das auf der Ebene der Gemeindegruppe oder der Kommune ein globales Entwicklungs- und Stadtplanungsprojekt übersetzt und folglich die Regeln für die Entwicklung und Landnutzung festlegt.
Übersetzung des offiziellen Dokumentes zum Urbanismus und den allgemeinen Regeln / Collectivité territoriale françaises

Dies ist also das Dokument, das beim Bau oder baulichen Veränderung eines Gebäudes konsultiert werden muss. Der Bau eines Hauses, einer kleinen Garage oder zusätzliches Stockwerk in der Höhe, erfordert in Frankreich eine Genehmigung durch die Kommunalverwaltung. Der lokale PLU enthält auch einen Abschnitt „Planung und nachhaltigen Entwicklung“. (PADD), welche langfristige Impulse setzt zu wichtigen sozialen und ökologischen Fragen der Kommune. Der Risikopräventionsplan (RPP) einer Gemeinde befindet sich auch im PLU : Es definiert die Landnutzung und regulatorische Bereiche. Unter anderem wird eine Analyse von potenzielle Risiken, denen ein Stück Land ausgesetzt ist, erstellt.

Diese Risiken können vielfältig sein: Lawinengefahr in der alpinen Gegenden, Waldbrände im Fall der Calanques in Marseille, oder Bodeneinsturz-Gefahr wie in Paris, aufgrund der Katakomben und unterirdische Steinbrüche, den „Carrières„.

Sicht auf das neue „Passiv-Haus“Éco- Quartier Clichy-Batignolles / Paris (Urbanauth / VGO / 2020)

Wie werden im französischen Urbanismus die Flächen unterteilt?

Unter anderem teilt der PLU Städte in verschiedene Zonen ein. Insgesamt gibt es nicht weniger als 20 Kategorien, die die Merkmale und den Rahmen der kommunalen Landnutzung bestimmen. So gibt es beispielsweise die Zone A für die Landwirtschaft, die Felder betrifft. Die Zone NA für „zukünftige Urbanisierungszone“ bezieht sich auf Land, das für die Urbanisierung offen ist. Das EU-Abzeichen für Handels-, Handwerks- und Industriegebiete beschreibt ein städtisches Gebiet. Im Gegensatz dazu steht der PTA für „Ecologically Sensitive Natural Area“, der herausragende Naturgebiete kennzeichnet. Diese ökologisch sensiblen Gebiete müssen erheblich geschützt werden, um die biologische Vielfalt zu erhalten.

Wo den lokalen Stadtplan Ihrer Stadt finden?

Der PLU der jeweiligen Gemeinden kann in den entsprechenden Rathäusern sowie online auf der Website der Gemeinde konsultiert werden.

Die Fotos wurden von Vincent für Urbanauth / 2020 aufgenommen.

Dar es Salaam: Urbanes Leben in einer Mega-City

Dar es Salaam: Urbanes Leben in einer Mega-City

Vom kleinen Hafenstädtchen zur Mega-City

Dar es Salaam, Handels- und Zentrum von Tansania wächst. Mit einer geschätzten Einwohnerzahl von 6.701.650, ist es eine der am schnellsten wachsenden Städte in Afrika. Wenn 2030 die Bevölkerungszahl voraussichtlich die 10 Millionen-Grenze überschreitet, wird sich Dar es Salaam mit Lagos (Nigeria), Luanda (Angola) und Kinshasa (Kongo) in die erste Reihe der Mega-Cities in der Subsahara-Region einreihen. 

Blick ins Zentrum Dar es Salaams (Urbanauth / 2020)

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Dar es Salaam ein kleines Städtchen mit Hafen, gegründet 1862 von dem damaligen Sultan von Sansibar. 1888 verkaufte sein Nachfolger die Stadt an die deutschen Kolonialherren, die 1891 ihren Verwaltungssitz vom Bagamoyo nach Dar es Salaam verlegten. Während der deutschen Kolonialzeit erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Ausbau der Deutsch-Ostafrika-Eisenbahnlinie, die über 1.252 qkm quer durch das Land bis in den Westen nach Kigoma führt, führte zu einem enormen Aufschwung an Handelsaktivitäten.

Dar es Salaam, bedeutendste Stadt Tansanias

Auch heute noch trägt der Hafen zur Bedeutung Dar es Salaams bei. Als zweitgrößter Hafen Ostafrikas läuft ein großer Teil des Handelsverkehrs von dort in die benachbarten Binnenstaaten Malawi, Sambia, Uganda, Burundi, Ruanda und den Ost-Kongo. Tee, Kaffee, Cashewkerne, Zuckerrohr und andere Güter verlassen den Hafen in Richtung Europa, Asien und die USA. Als größte Stadt in Tansania ist Dar es Salaam nicht nur Handelszentrum, sondern auch Sitz von Banken, Versicherungen sowie Unternehmen. Parlament und Regierung sitzen hingegen seit 1974 in der in Zentral-Tansania liegenden Hauptstadt Dodoma. Ebenfalls in Dar, wie die Stadt von den Einheimischen genannt wird, befindet sich die bedeutendste und größte Universität des Landes mit knapp 20.000 Studierenden. 

Für Vertreter von NGOs und internationalen Organisationen sowie Diplomaten ist die Stadt ebenfalls wichtig, finden sich hier die Botschaften vieler Länder. Konferenzzentren und große Hotels mit modernem Standard werden für Tagungen und Kongresse genutzt. Die meisten Touristen, die nach Tansania kommen, nutzen Dar es Salaam allerdings nur als Zwischenstation. Vom Julius Nyerere International Airport geht es weiter mit regionalen Airlines in den Norden und Nordwesten Tanzanias, wo die Kilimandscharo-Region sowie fünf Nationalparks (Serengeti, Tarangire, Lake Manyara, Ngorongoro Krater Gebiet) über eine Fläche von knapp 26.000 qkm, locken. Wer ein paar Tage in der Stadt bleibt, quartiert sich auf der nördlich gelegenen Msasani-Halbinsel mit seinen Stränden, Clubs, Bars und Hotels ein oder nimmt die Fähre nach Sansibar.

Von der kolonialen zur globalen Architektur

Das Zentrum der Stadt mit Hafen, Märkten, Restaurants, Schulen, Kirchen, Krankenhäusern und Bürogebäuden geht auf die alte Stadtgründung zurück. Historische Bauten aus der Kolonialzeit wechseln sich mit modernen Stahlbetonbauten und einfachen, in die Jahre gekommenen Wohn- und Geschäftshäusern ab. Auch das Nationalmuseum Tansanias sowie der Botanische Garten befindet sich hier im Herzen des alten Dar es Salaam.

National Museum Dar es Salaam (Urbanauth / 2020)

Wie lange Gebäude wie der Magistrates Court, 1890 als einer der ersten ‚Normalhäuser‘ von Deutschen gebaut, noch erhalten werden, ist ungewiss. Andere, wie der Court of Appeal, in dem 1959 die englische Autorin Evelyn Waugh lebte und über Dar es Salaam in A Tourist in Africa schrieb, sind längst abgerissen. Gebäude aus den 1930er Jahren, die indische und europäische Bauelemente integrierten, deren Balkonen und Vorbauten, die Hitze abhielten, wurden ersetzt durch Gebäude mit Glasfronten, deren Inneres durch Klimaanlagen kühl gehalten werden muss. Die neuen hohen Gebäude mit ihren Stahlbeton- und Glasfassaden könnten auch in Tokyo, Sydney oder Buenos Aires stehen. Man könnte fast vergessen, in Ostafrika zu sein, wäre da nicht all’ das, was städtisches Leben ausmacht: Frauen und Männer, die auf einen Schwatz zusammenstehen, Verkäufer, die ihre Waren anpreisen und Kinder, die von der Schule nach Hause rennen.

Urbanes Leben in Dar es Salam

Der Mix unterschiedlicher kultureller Einflüsse ist es, der den Charme der Stadt ausmacht.  Unübersehbar sind neben den modernen Bauten die zahllosen Kirchen unterschiedlicher christlicher Glaubensgemeinschaften, Moscheen und Hindu-Tempel. Religiosität ist für die allermeisten Tansanier wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Moslems, Christen und Hindus leben friedlich miteinander. Der offizielle Feiertagskalender kennt sowohl christliche als auch muslimische Feiertage. Jeder Neuankömmling bringt nicht nur seine Religion, sondern auch neue Töne, Farben, Gerüche mit. 

Musik begleitet den Alltag: aus Bars und Restaurants tönt die Musik von Bongo Flava, die tansanische Variante des HipHop, dazu Rap, Jazz, Gospel u.a.m. Beliebt ist ebenfalls Taraab, ein Mix aus arabischen, indischen und afrikanischen Klängen. Aus den Straßenküchen riecht es nach scharfem indischen Curry. Der Duft von Kokos mischt sich mit dem von frischem Fisch, von Ananas, Mango und Papaya. Frauen schälen Kartoffeln und rösten Maiskolben. Männer bieten Zuckerrohr als Süßigkeit an. Und überall stehen Händler mit Wägen, auf denen Wasser in Plastikflaschen zum Verkauf angeboten wird. Neben Nahrungsmitteln, kleinen Mahlzeiten und Getränken werden auf den Straßen Waren und Dienstleistungen aller Art angeboten: Schneider sitzen auf dem Bürgersteig und nähen, Schuhe werden poliert und Haare kunstvoll geflochten.

Die Bürgersteige dienen als eine Art ‚open air‘-Schaufenster für Waren aller Art: Wäsche,  Hosen, Zeitschriften, CDs, Schmuck, Seife. Alles, was sich verkaufen lässt, wird hier angeboten. Nur etwas wohlhabendere Kleinunternehmer können es sich leisten kleine Ladenlokale zu mieten. Eine Grenze zwischen privatem Geschäft und öffentlichem Raum gibt es in der Regel nicht. Läden im westlichen Sinne sind die Ausnahme und finden sich vor allem in den großen Einkaufszentren in den Außenbezirken. 

Hemdenverkauf an der Straße (Urbanauth / 2020)

Den täglichen Einkauf erledigen die Tansanier auf dem Markt. Hier gibt es alles, was man zur Zubereitung der täglichen Mahlzeiten benötigt: neben Gemüse und Früchten lagern Säcke mit Nüssen, Reis und Hülsenfrüchten. Gewürze und Tee findet man genauso auf dem Markt wie Eier, Fisch und Fleisch. Die wenigen Supermärkte im Zentrum erinnern an die bekannten Discounter in Europa. Hier findet man die im Westen üblichen in kleinen Mengen abgepackten Lebensmittel, dazu Hygieneartikel und Getränke. Nur wenige Einheimische können sich leisten, dort Softdrinks, Tee, Kekse und die beliebten ground nuts und cashews zu kaufen. Die Preise liegen im oberen Bereich und sind teilweise auch höher als in Deutschland.

Überall locken Früchte zum Kauf (Urbanauth / 2020)

Aktuelle Herausforderungen dieser jungen Mega-City

Wie wird sich Dar es Salaam weiter entwickeln? Das Wachstum der Stadt in die Fläche und die unkalkulierbare Zunahme der Bevölkerung verschärfen die Probleme, die aufgrund der defizitären Infrastruktur seit langem das Leben für viele Menschen erschweren. Ein neuer Busbahnhof für Schnellbusse, neue Straßen und Brücken bieten nur kurzfristig Entlastung für den Verkehr. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung lebt in festen Häusern. Derzeit fehlen mind. 1,2 Millionen Wohnungen. Nach Schätzungen leben 70 Prozent aller Menschen in Dar es Salaam in informal settlements, d.h. in Siedlungen mit provisorischen, selbstgebauten Hütten, ohne Strom, fließendes Wasser, Elektrizität und sanitäre Anlagen und ohne Müllabfuhr. Reguläre Jobs sind rar; viele schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, versuchen irgendetwas zu verkaufen oder kleine Dienstleistungen anzubieten und sei es die Führung einer Fremden über den Markt. 

Während der Arbeit an diesem Text hat das Coronavirus Ostafrika erreicht und beherrscht auch in Tansania die Schlagzeilen. Die Verbreitung des Virus in Dar es Salaam zu stoppen, ist eine Herausforderung, die zu den genannten aktuell hinzukommt. Wie lassen sich Maßnahmen zum physical distsancing durchführen, wo die Menschen dicht an dicht wohnen? Wie lässt sich die Kurve der Neuansteckungen abflachen in einer Stadt, in der sich das Leben überwiegend auf der Straße abspielt? Wie die Verbreitung des Virus vermindern, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser, geschweige denn zu Desinfektionsmitteln, nicht selbstverständlich ist? Noch ist Tansania nicht dem Vorbild von Ruanda und Kenia gefolgt, die eine shut down-Strategie verfolgen. Noch laden Kirchen zum Gottesdienst ein, Busse und Taxis fahren. Menschen gehen zur Arbeit.

Zum Weiterlesen und für aktuelle Informationen:

https://www.mydaressalaam.com

https://www.cnbcafrica.com

https://africasacountry.com

Städte im Wasserstress

Städte im Wasserstress

Wasserstress ist ein globales Phänomen und betrifft sowohl Städte in Europa als auch in Asien, Afrika oder Amerika. Urbanauth ging diesem urbanen Phänomen auf den Grund.

So wird zum Beispiel die Wasserquelle von Mexiko City immer wieder von Dürreperioden heimgesucht. Folglich kündigte die Regierung der 21 Millionen Metropole an Mitte 2019 die Wasserversorgung in einigen Stadtteilen auszusetzen. Allerdings ist dies eine häufige Situation in einer Stadt, in der mehr als 200 Tausend Menschen nicht einmal einen Anschluss an das hydraulische Netz haben. Auch sind jährliche Überschwemmungen und ein undichtes Leitungsnetz an der Tagesordnung und die Wasserwirtschaft hat bei Politikern Priorität.

Ein ernstes Problem: Wasserstress in Städten

Laut UNO leben heute 55% der Bevölkerung in Städten; bis 2050 wird diese Zahl um ca. 13% steigen, und ihr Wasserbedarf wird voraussichtlich bis 2030 um 40% steigen.

Um den Herausforderungen des städtischen Wachstums und des Klimawandels zu begegnen, hat die UNO 17 internationale Ziele vorgeschlagen, zu deren Erfüllung sich die Länder bis 2030 verpflichtet haben. Sie werden SDGs (the Sustainable Development Goals) genannt und sind ein weltweites Bemühen um die Verbesserung der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen.

Innerhalb der SDGs bezieht sich das 11. Ziel speziell auf nachhaltige Städte und Gemeinden. Ihre Entwicklung umfasst eine Vision von Umwelt, Energieeffizienz, Lebensqualität, Gerechtigkeit und Integration. Im Zusammenhang mit Ziel 11 ist „water management„,das Wassermanagement, eine der größten Herausforderungen für Stadtplaner, sowohl für die Haus- als auch für die Entwässerungssysteme.

Wasserstress : Mehrere Städte mit Wasser-bezogenen Problemen leiden unter diesem Phänomen

  • Kapstadt (Südafrika), die möglicherweise die erste Stadt ist, der das Wasser aufgrund der Dürre ausgeht
  • Moskau (Russland), das über die größte Wasserreserve der Welt verfügt – aber durch industrielle Aktivitäten verschmutzt ist
  • London (UK), das Wasser aus den Flüssen Themse und Lea entnehmen muss; oder
  • Tokyo (Japan), dessen Versorgung hauptsächlich aus endlichen Quellen wie Flüssen, Seen und Schneeschmelze erfolgt (US News)

Einige dieser Städte haben bereits damit begonnen, Maßnahmen zur Verhinderung von Wasserkrisen und zur Reduzierung von Wasserstress zu ergreifen. Ein Beispiel ist das Isla Urbana project in Mexiko City, ein Regenwasser-Sammelsystem, das eine Familie bis zu 8 Monate lang nutzen kann. Das Projekt startete 2009 mit dem Ziel, den Zugang zu Wasser in den Stadtvierteln von Mexiko-City zu ermöglichen, in denen die Versorgung häufig unterbrochen ist. Seitdem haben sie 19 Tausend Einheiten installiert und mehr als 700 Millionen Liter Regenwasser gesammelt, was etwa 114 Tausend Menschen zugutekommt.

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Wasser ist lebenswichtig. Deswegen legen Stadtplaner einen besonderen Wert auf Wassermanagement. Wasserstress hat besonders starke Auswirkungen auf die vom Wassermangel (oder Überfluss) betroffenen Bewohner. (Foto: Urbanauth / VGO / 2019)

Ein weiteres Beispiel ist Rotterdam, das zwar keinen Wassermangel hat, aber Überschwemmungsprobleme. Im Jahr 2013 bauten Benthempleinsie ein rainwater square, das aus drei Esplanaden besteht, die unter dem Straßenniveau liegen. Auf diese Weise hält der Benthemplein das Regenwasser zurück und verhindert, dass es das Stadtgebiet überschwemmt und die Kanalisation überlastet. Darüber hinaus fungiert er auch als öffentlicher Raum an Tagen, an denen es nicht regnet.

Was sonst kann Probleme im Zusammenhang mit Wasserstress lösen?

Es ist wichtig, jetzt zu handeln, durch Strategien, Politik, Systeme und Infrastrukturen, die zur Erhaltung der lebenswichtigen Flüssigkeit und der Lebensqualität beitragen. Tokio beispielsweise investiert in sein Leitungsnetz, um den Abfall zu reduzieren; in den Vereinigten Staaten wurden Wassergärten angelegt, das sind Grünflächen, die den auf den Straßen oder Dächern angesammelten Regen zurückhalten und in den Boden filtern.

Es können mehrere Aktionen durchgeführt werden, wie z.B. Sensibilisierungskampagnen in Schulen oder an öffentlichen Orten, Anreize zur Reduzierung unseres Wasserverbrauchs oder sogar das Pflanzen von Bäumen. Um sich einen Überblick über das Thema zu verschaffen, gibt es Werkzeuge wie das Climate Adaption App. Kurz gesagt ist dies ein Katalog von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, der für Stadtplaner, Designer und die Gesellschaft sehr nützlich sein kann. Darüber hinaus können wir uns auch an den Strategien zur Bewältigung der städtischen Wasserkrise beteiligen.

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