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Urbanismus als Lebensweise

Urbanismus als Lebensweise

Es ist unmöglich Städte aus einer einzelnen Perspektive zu untersuchen. Das Einbringen verschiedener Disziplinen ist notwendig um alle Aspekte der urbanen Realität verstehen zu können (Lamy, 2019).

Der Ursprung von Zivilisation lässt sich auf eine Zeit zurück datieren in der Menschen sich dazu entschieden haben sich niederzulassen und als Gruppe zusammen zu leben. Diese Gemeinschaften waren Orte des Austausches, in denen sie Stabilität gefunden haben. Ihre Entwicklung folgte den Prinzipien der Natur und dem Zyklus des Lebens, sowie ihren Glaubensvorstellungen.

Diese Arten des Lebens sind heute Vergangenheit. Laut der UN werden bis zum Jahr 2050 66% der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Glaubensvorstellungen und Handlungen der Menschen haben sich verändert und damit auch die Art der Gemeinschaftsbildung. Besonders auffällig auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent, wo Städte rasant wachsen. Diese sogenannten Mega-Städte sind mit vielen Problemen und Aufgaben konfrontiert: Öffentlichen Verkehrsnetze, bezahlbare Wohnräume und Klimawandel. Zukunftsorientierte Planungsprozesse sind notwendig, um diese Aufgaben angehen zu können.

Die Aufgabe des Urbanismus ist es Städte zu untersuchen, zu studieren und mögliche Verbesserungen zu entwickeln. Das Ziel ist es die Lebensqualität der Menschen durch bessere Infrastruktur und Ausrüstung zu erhöhen. Damit dies gelingen kann, bedarf es einer ganzheitlichen Vision. Urbanismus kann soziologische, ökonomische, politische, rechtliche und technologische Entwicklungen kombinieren, um eine nachhaltige Stadt zu planen.

Die Zone um „Le Confluence“ in Lyon in der Nähe des Bahnhofes Perraches wird revitalisiert. (Urbanauth / 2018)

Urbanismus und Urbanisierung

Es ist wichtig die Unterschiede zwischen Urbanismus und Urbanisierung zu definieren, da sie oft miteinander verwechselt werden. Ersteres bezieht sich auf die analytische Untersuchung, Erforschung und den Planungsprozess von Städten, während Zweiteres sich mit Städteentwicklung auseinandersetzt.

Urbanismus ohne Urbanisierung ist zwar möglich, jedoch würde Urbanisierung ohne Urbanismus Chaos verursachen. Ein Beispiel dafür sind die unregelmäßigen Siedlungen in lateinamerikanischen Städten. Diese leiden seit den 1950er Jahren unter steigendem Wachstum durch Landflucht. Jedoch haben hohe Wohnkosten dazu geführt, dass sich die Bevölkerung weit entfernt von urbanen Zentren niedergelassen haben, ohne Ordnung oder Planung.

Eine solcher Siedlungen ist Ecatepec in Mexiko. Zurzeit leben dort 1,6 Millionen Einwohner in prekären Lebensumständen und leiden unter starker Überbevölkerung, fehlender Infrastruktur (wie Straßenlampen oder Gehwege) und fehlenden Grünflächen. Diese Umstände haben Escatepec zu einer der – gefühlt – unsichersten Städte des Landes gemacht.

Wegen der Nähe zu Mexico City und den Straßen die seit den 1940er Jahren gebaut wurden, haben sich viele Menschen Mexikos in Ecatepec niedergelassen. Das Wachstum wurde weiterhin durch die fehlenden Regulierungen zum Landerwerb gefördert. Jedoch führte dies zur Urbanisierung ohne Planung.

Heute ist Ecatepec die am dichtesten bevölkerte Gemeinde des Landes. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit. Die Bewohner arbeiten hauptsächlich in industriellen Sektoren die von hoher Unsicherheit und vielen Überstunden begleitet werden. Es ist ein Ort der von Gewalt, Übergriffen, Entführung und Frauenmorden heimgesucht wird.

Ein weiteres Beispiel für ungeplante Urbanisierung sind die favelas in Brasilien. Diese begannen als Wohnort in den Bergen rund um Rio de Janeiro. Die Bewohner errichteten improvisierte Häuser aus billigen Materialien aufgrund von Wohnungsmangel in der Stadt. Heute sind sie ein Symbol der südamerikanischen Staaten. Jedoch sind sie auch bekannt für Drogenschmuggel und Kriminalität.

Urbanismus und urbane Gestaltung

Urbane Gestaltung geht stark mit urbaner Planung einher, doch beinhaltet sie greifbarere und spezifischere Handlungen. Urbane Gestaltung befasst sich mit dem der Stadtbevölkerung zur Verfügung stehenden Platz. Es integriert Disziplinen wie Architektur und Landgestaltung, die sich auf die Ausgestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünflächen und Bushaltestellen konzentrieren. Es zielt darauf ab den Bewohnern ein angenehmes Umfeld im öffentlichen Raum zu schaffen.

Heutzutage beschäftigt sich urbane Gestaltung mit Aspekten wie universellem Zugang zu öffentlichen Orten, beispielsweise durch Rampenbau für Menschen mit Gehbehinderung oder sprechenden Ampeln für Menschen mit Sehbehinderung. Zusätzlich wird der Fokus auf einen inklusiven, erkennbaren Raum für Fußgänger gelegt.

Ein weiterer Ansatz von Designern bei der urbanen Gestaltung ist die Geschlechter-Frage. Öffentliche Räume, die solche Kriterien integrieren enthalten Elemente die Sicherheit und Komfort für Frauen steigern sollen. Darunter fallen:

  • Fußgänger-Beleuchtung
  • Gekennzeichnete Gehwege
  • Bodenbeläge ohne Einschränkung auf Schuhwerk
  • Öffentliche Toiletten
  • Ablageplätze an Bushaltestellen für Schubkarren oder schwere Lasten
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Das Viertel Saussure-Cardinet im 17. Bezirk von Paris wurde vor Kurzem fertiggestellt. Die Straßen sind verkehrsberuhigte Zonen. (Urbanauth / 2020)

Urbanismus und soziologisch-urbane Studien

Das Ziel von Urbanismus geht über das Verstehen einer Stadt hinaus und befasst sich mit der Umsetzung von Richtlinien und der Verbesserung des Umfelds. Jedoch ist für die Formulierung von konkreten Maßnahmen ein tieferes Verständnis für urbane Dynamiken notwendig. Beispielsweise:

  • Die Relevanz des öffentlichen Raums für die Interaktion zwischen Menschen
  • Die Art und Weise wie die Gestaltung des Raums das Verhalten der Menschen steuert. Sprich die Definition von Raum als künstlich geschaffen, sowie natürlich entstanden, sowie ergänzend der Raum, der durch Kommunikation kreiert wird.

Urbane Studien in der Soziologie wurden mit Architektur und urbaner Planung gekoppelt. In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde der Fokus aber auf folgende Aspekte gelegt:

  • Die Arten von öffentlichem Raum und Städten
  • Der Informationsfluss in und zwischen diesen
  • Die Auswirkungen von Migrations-Flüsse
  • Die Entwicklung von kleinen Gemeinschaften und deren Verbindung mit großen Städten
  • Schichtung und Infrastruktur zwischen Städten
  • Mobilitätsmuster und Nutzung von öffentlichem Raum.

Diese Themen sind wichtig für Städteplaner, denn der Erfolg ihrer Strategien hängt von ihrem Verständnis ab.

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Neuer Urbanismus

Städteplaner haben neue Herangehensweisen zur Städteentwicklung adaptiert. Der neue Urbanismus stellt sich gegen die Idee einer horizontalen Expansion und Teilung von Städten in Zonen sowie den Bedarf an Autos. Er ist für die Bevölkerung und sollte so gestaltet werden, dass er auf die Menschen angepasst wird. Dabei werden folgende Prinzipien berücksichtigt:

  • Begehbarkeit: Die Straßen sind fußgängerfreundlich und die notwendige Infrastruktur für reibungslose Mobilität wird gewährleistet. Hinzu kommen Orte wie Schulen, Läden, Krankenhäuser, sowie die Idee, dass Restaurants in 10 Minuten von zu Hause oder dem Arbeitsplatz erreichbar sind.
  • Konnektivität: Die Struktur der Straßen, Wege und Boulevards in den Städten werden so gestaltet, dass der Verkehr fließend bleibt. Zudem soll jeder Bereich der Stadt so einfach und schnell wie möglich zu erreichen sein.
  • Diversifizierung: Nachbarschaften sollen verschiedene Typen von Gebäuden und Geschäften beherbergen, einhergehend mit Wohngebäuden, die von verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und sozioökonomischen Schichten bewohnt werden.
  • „Mixed housing“: Wohnung in verschiedenen Größen, Typen und Preisen in derselben Gegend
  • Architektur und urbane Gestaltung: Auf Bewohner zugeschnittene Gestaltung des öffentlichen Raums um eine angenehme Umgebung zu schaffen. Dabei wird besonders viel Wert auf Ästhetik und Grünflächen gelegt.
  • Hohe Dichte: Vertikale Bauten werden gegenüber horizontalem Wachstum bevorzugt, da es kürzere Wege in den Städten ermöglicht und gleichzeitig die Kosten für Infrastruktur senkt
  • „Grüner“ öffentlicher Personenverkehr: Subventionierung von nicht-motorisierten oder öffentlichen Verkehrsmitteln, darunter fallen Züge, Busse und Fahrräder
  • Nachhaltigkeit: Umweltschonendes Wirtschaften, beispielsweise Wasser- und Energieeinsparung, Konsum von lokalen Produkten und das Reduzieren von motorisiertem Verkehr.

Urbanismus und Smart Growth

Die Prinzipien des neuen Urbanismus wurden vom Konzept des „Smart Growth“ abgeleitet. Eine Stadt, die klug und überlegt wächst, hat verschiedene Vorteile für die Bewohner, wie eine höhere Lebensqualität, eine höhere Anzahl an Geschäften und mehr Möglichkeiten für Investoren und Immobilien. Im „Smart Growth“ Konzept sind viele Modelle des Communitybildens enthalten. Eines davon sind die TOD’s (Transit Oriented Developments, zu deutsch: Transit orientierte Entwicklungen). Diese versuchen für die Bewohner Möglichkeiten zum Nahverkehr durch verschiedene, leicht zugängliche und günstige Arten zu ermöglichen, die zugleich einen niedrigen CO-Abdruck hinterlassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, folgen TOD’s den Prinzipien von:

  • Fußwege: Sichere und zugängliche Umgebung für Fußgänger
  • Rad fahren: Sicheres Verkehrsnetz für Fahrradfahrer
  • Verbindung: kurze und direkte Fußgänger- und Fahrradwege
  • Transport: Qualitativ hochwertiges öffentliches Verkehrsnetz mit Erreichbarkeit zu Fuß
  • Mischung: Dienstleistungen, die sich in kurzer Entfernung von Heim und Arbeit befinden. Zudem ist der öffentliche Raum zu jeder Zeit erreichbar
  • Verdichtung: Plätze mit einer hohen Konzentration von Wohnungen und Arbeit haben die wichtigsten Dienstleistungen im direkten Umfeld
  • Kompaktisierung: Neue Entwicklungen werden im Stadtraum umgesetzt und nicht in die Vororte verlegt
  • Verlagerung: wenig Platz wird für Privatverkehr zur Verfügung gestellt (TOD Standard, ITDP 2017)

Angelehnt an die Transit orientierten Entwicklungen gibt es das sogenannte Walk-Up Modell. Nach diesem sollen Nachbarschaften so konstruiert werden, dass alle wichtigen Dienstleistungen und Geschäfte des Alltags zu Fuß erreichbar sind.

Urbanismus und Klimawandel

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Eine illegale Müllhalde in La Courneuve, einer nördlichen Banlieue von Paris. (Urbanauth / 2020)

Städte spielen eine Schlüsselrolle zur Bekämpfung der Erderwärmung. Sie verbrauchen mehr als 60% der Energie und produzieren 70% der Treibhausgase, sowie 70% der Feststoffabfälle weltweit. Alle Auswirkungen des Klimawandels wie Unwetter, Fluten, Feuer, Dürren und der Senkung der Biodiversität sind alarmierend. Die Kommunalverwaltungen müssen beginnen urbane Projekte und Regulierungen an diese tiefgreifenden Veränderungen anzupassen.

Der Kampf gegen den Klimawandel kann auf zwei Arten passieren: Abschwächung und Anpassung. Ersteres konzentriert sich auf die Reduzierung von Treibhausgasen, Energie- und Wasserverbrauch, so wie der Müllproduktion. Anpassungsmaßnahmen zielen darauf ab die Auswirkungen von Klimakatastrophen auf Städte zu verringern. Ergo Maßnahmen gegen Fluten, Erdrutsche und hohe Temperaturen einzuleiten.

Eine Abschwächungsmaßnahme, die sich als potenziell erfolgreich erwies, ist die Bildung von sogenannten Umweltzonen. In diesen wird der Verkehr an den Ausstoß von Emissionen gekoppelt. Eine gängige Regelung ist beispielsweise das Verbot von älteren Fahrzeugen und Lastwagen in diesen Zonen.

Um sich an die Veränderungen des Klimawandels anzupassen werden zum Beispiel neue Grünflächen geschaffen, sowie Bäume im Stadtzentrum gepflanzt. Maßnahmen reduzieren die Temperaturen und erleichtern die Aufnahme von Regenwasser, was gleichzeitig das Risiko für Fluten verringert.

Um den Erfolg von Abschwächungs- und Anpassungsmaßnahmen zu gewährleisten, muss die Nachhaltigkeit der jeweiligen Maßnahme mit in Betracht gezogen werden. Dazu gehört eine ökonomische, sozial- und umweltfreundliche Befriedigung der Bedürfnisse einer Gemeinschaft, ohne dabei die Möglichkeiten der folgenden Generationen zu verringern ihre Bedürfnisse gleichermaßen zu erfüllen.

Zum Abschluss

Urbanismus als eigene Disziplin versucht die Lebensbedingungen der Menschen in einer Gemeinschaft zu verbessern. Es ist also mehr als das Analysieren und Untersuchen von Städten. Es ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen rasanten Entwicklungen des Zusammenlebens und muss daher mit anderen Disziplinen eng zusammenarbeiten, um eine effiziente Neugestaltung unseres Miteinanders zu schaffen. Menschen formen Städte, aber auch Städte können unser Leben formen. Zum Guten und zum Schlechten.

Anmerkung: Dies ist eine Übersetzung des englischen Originals.

Dieser Artikel wurde am 29/08/2020 von Vincent Göhlich leicht bearbeitet.
– Es wurden sachliche Beispiele verlinkt
– Bilder wurden dem Artikel beigefügt
– Veränderungen am Layout

Der taktische Urbanismus und sein außergewöhnliche Erfolg

Der taktische Urbanismus und sein außergewöhnliche Erfolg

Der außergewöhnliche Erfolg des taktischen Urbanismus. Hast Du Dir jemals vorgestellt, wie die Oxford Street aussehen würde, wenn sie nur für Passanten wäre? Hast Du jemals einen vernachlässigten Ort in Deiner Stadt gesehen, der sich in einen Park verwandeln könnte? Oder kannst Du Dir eine Straße vorstellen, die für Menschen im Rollstuhl nicht mehr gefährlich ist? Es gibt eine schnelle, effiziente und kostengünstige Möglichkeit, diese Ideen zu testen. Man nennt es taktischen Urbanismus.

Was ist taktischer Urbanismus?

Auch bekannt als urbane Akupunktur, DIY Urbanismus oder Planning-by-Doing, ist taktischer Urbanismus seit zehn Jahren eine beliebte Praxis in Städten, Europas, den USA und Lateinamerika. Im Vergleich zur traditionellen Stadtplanung ist sie aufgrund mehrerer Faktoren erfolgreicher. Einer davon ist die relativ einfache technische und operative Umsetzung. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg des taktischen Urbanismus sind die Erkenntnisse über die städtische Dynamik, die er liefert. Zweifellos beinhalten diese Ergebnisse ein echtes Verständnis der Bedürfnisse der Bevölkerung, die Erhebung zuverlässiger Daten direkt von der Website und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Beteiligten in einer Gemeinschaft. So kann taktischer Urbanismus eine besonders effiziente Wirkung haben, da er dauerhafte Veränderungen durch temporäre Interventionen begünstigt.

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Autos warten an einer Verkehrsampel – Berlin „Schlesisches Tor“ (Urbanauth / VGO / 2019)

Der taktische Urbanismus und seine Erfolgsgeschichte

Im Juli 2012 organisierte das BMW Guggenheim Lab in Berlin einen taktischen Urbanismus-Test, der darin bestand, Parkplätze für Erholungsgebiete zu beseitigen. Das Projekt hieß „Labplatz“ und sollte über die aktuelle Nutzung des öffentlichen Raumes zum Nachdenken anregen. Mit verschiedenen Materialien und Elementen wie Kreide, aufblasbaren Schwimmbädern und Kindermöbeln nahm die Berliner Bevölkerung die heute von Automobilen genutzten Flächen in Anspruch.

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Steht einfach so da. Einer besetzt. Einer frei. Parkplätze als Flächen auch anderweitig zu nutzen ist Teil des taktischen Urbanismus. (Symbolfoto lizenziert unter Unsplash-Lizenz, von Brianna Santellan.)
Broadway (New York)

Im September 2019 ermöglichte das StreetopiaUWS-Kollektiv der New Yorker Upper West Side den Menschen einen Spaziergang am Broadway. Folglich stellte das Kollektiv Tische und Stühle zwischen der 73. und 79. Straße auf dem – meist verkehrsreichen – Broadway auf. Das Organisationsteam von StreetopiaUWS schloss den Weg für Fahrzeuge und gab der New Yorker Bevölkerung die Möglichkeit, sich einen eigenen Raum zu schaffen, den sie hauptsächlich mit Autos teilen. Insgesamt hofft StreetopiaUWS nun, dass das New Yorker Verkehrsministerium die Ergebnisse des Tests umsetzen kann. Zweifelsfrei zielt die Aktion darauf ab, die Stadt dazu zu bringen, Strategien vorzuschlagen, die die Straßen fußgängerfreundlicher machen.

Taktischer Urbanismus: kann er zu einem autofreien Broadway verhelfen?

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Die Straße wird gemeinsam von Fußgängern, Radfahrern und Autos genutzt. Symbolfoto lizenziert unter der unsplash-Lizenz, von Jil Beckmann.

Lateinamerikanische Städte haben seit den 1950er Jahren aufgrund von Land-Stadt-Migrationen ein beschleunigtes Wachstum erfahren. Dies, zusammen mit einem Modell des städtischen Denkens für das Fahrzeug, hat Chaos auf den Straßen erzeugt, wo die Menschen um die Nutzung des Raumes mit privaten Fahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln konkurrieren. Daraufhin führte die Gemeinde Panama 2018 zusammen mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank das Projekt „Panama Camina“ (Panama Walks) durch, mit dem Ziel, das historische Zentrum wiederherzustellen und es den Menschen zurückzugeben, um Zugehörigkeit und Identität zu schaffen. Zu diesem Zweck wurde eine Intervention auf der Plaza Cinco de Mayo organisiert, wo der Fußgängerbereich mit Farbe abgegrenzt wurde. Dadurch konnten kulturelle und soziale Aktivitäten in einem Bereich stattfinden, in dem dies normalerweise schwierig ist.

Lateinamerikanische Städte wurden aufgrund eines Modells entwickelt, das den Nutzen des Autos in den Mittelpunkt stellt. Symbolfoto, lizenziert unter der unsplash-Lizenz, von Milo Miloezger.

Was ist für einen taktischen Urbanismus-Test nötig?

Zunächst muss ein Bedarf ermittelt werden. Hierzu muss eine Bestandsaufnahme der Umgebung und der Bewohner gemacht werden. Sofia Villareal beschreibt diesen in einem kleinen Selbstmach-Experiment:

Geh also raus auf die Straße, Deine Nachbarschaft oder Stadt. Sprich auch mit den Menschen und hör Dir ihre Geschichten an, frag Dich, ob es einfach ist, sich zurechtzufinden; und ob die Gehwege allen möglichen Menschen erlauben, sich zu bewegen, oder ob ein Kind oder eine ältere Person ohne Risiko auf der Straße gehen kann. Sobald ein Bedarf gefunden wurde, sollte eine klare Vorstellung davon entwickelt werden, was für die Straße gewünscht wird.

Selbstverständlich müssen Ziele definiert und ein Team von Fachleuten, Regierungsbeamten und Gemeindeleuten gebildet werden, um an ihnen zu arbeiten.

Biergarten in Vancouver, Kanada (Urbanauth / SVI / 2019)

Der Erfolg einer taktischen Urbanismus-Intervention wird vor allem vom Verständnis eines Ortes und der Menschen abhängen, die ihn bewohnen. Zum Ziel führen neben der Teamarbeit, Kreativität, die verfügbaren Ressourcen. Doch eines klar; der taktische Urbanismus ist dazu da, Städte mit partizipativen Räumen zu schaffen, die für alle lebenswerter sind.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung von Oliver. Das Original ist auf englisch erschienen und stammt von Sofia Villarreal. Der Artikel ist auch auf französisch verfügbar.
Der Artikel wurde am 5/19/2021 aktualisiert. VGO

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