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Graffiti Beef in Berlin: 1UP versus THC

Graffiti Beef in Berlin: 1UP versus THC

Deutschland / Berlin. In der Hauptstadt herrscht dicke Luft: Graffiti Beef zwischen 1Up & THC. Auf der einen Seite steht die Graffiti-Crew 1UP („1 United Power“, „1 Höher“) welche sich weltweiter Bekanntheit erfreut. Auf der anderen Seite die Straßengang THC befreundet mit der Graffiti-Crew 187 und in ihrer Selbstbezeichnung „schlagfertig“.

Wer ist die Graffiti-Crew 1UP?

1UP Graffiti-Crew in Berlin / 2020 / „5MINUTES WITH: 1UP CREW [BERLIN]“ von ilovegraffitide

1UP ist eine Berliner Graffiti-Crew, welche weltweit bekannt ist. Immer wieder fällt das Kollektiv mit waghalsigen Stunts und Aktionen auf und sorgt regelmäßig für Aufmerksamkeit. Ob ein Roll-Up auf einem halb versenkten Schiff im Ozean, um gegen die Verschmutzung der Meere aufmerksam zu machen, das „Busting“ einer Kunstausstellung mit vorbereiteten Feuerwehrlöschern, den „Graffiti Olympics“ 2018 in Athen oder ihre klassischen Graffitis an Autobahn, Straßenfassaden, Zügen und Schallschutzmauern – 1UP ist mit gutem Grund weltweit bekannt. Für eine weitreichende Bekanntheit sorgte auch die Zusammenarbeit mit der Fotografin Martha Cooper, welche bereits die Graffiti-Szene von New-York in den 90er dokumentierte.

1UP Graffiti in Berlin auf einem Rolladen Straße Urbane Kunst Urbanität Graffiti Beef Friedrichshain
1UP Graffiti-Style in den Straßen von Berlin (Urbanauth / Berlin / 2017)

Wer ist die Graffiti-Crew THC

THC Graffiti-Crew in Berlin / 2016 / „Criminal Minded #3 – I´m Livin – THC CREW“ von Cmdcrew berlin

Die Graffiti-Crew THC hat ihren Hauptsitz in Berlin. Sie stehen bekanntlich den Sprühern der 187-Straßengang und leben einen gegensätzlichen Lebensstil. Im Sinne einer Straßenbande vertreten sie als Gruppe ihr Revier: 361 – Kreuzberg. Die Buchstaben-Styles sind meistens roh und in Blockbuster geschrieben, begleitet von einer Vielzahl an Tags. In Berlin sind die Graffiti überall zu finden, und auch vereinzelt in Paris konnten Bilder der Gruppe zugeordnet werden. Und auch eine Bekanntheit tummelt sich in dem Kollektiv: vor kurzem sorgte Rapper UFO361 für Gelächter in der Hip-Hop Szene. So wurde er bei einer gescheiterten Sprüh-Aktion im Januar 2022 in der U-Bahn von Berlin erwischt und behauptete daraufhin, er habe die entkommenen Sprüher für das Graffiti beauftragt und wolle nur zusehen. Einige Monate später wurde er wieder beim Zug-Sprühen in einer Reparatur-Werkstatt der BVG in Berlin erwischt. Bekannt geworden ist UFO361 mit seinem Rapsong: „Alles für die Gang“ aus 2017 und legte seitdem eine steile Musiker-Karriere hin. Einige der Mitglieder von THC saßen / sitzen im Gefängnis. Ihnen eilt der Ruf voraus, respektlos und kriminell-motiviert zu sein.

Graffiti Beef 1UP vs THC – Was ist passiert?

Zwischen den beiden Schwergewichten der Berliner Graffiti Szene herrscht dicke Luft. Ausschlaggebend sind Revierstreitigkeiten in Kreuzberg. So sagt ein Vorwurf aus, dass mehrere Bilder der THC-Gang von einem Mitglied der konkurrierenden Crew übermalt wurden, als Erstere in Gefängnishaft saßen. Auch weitere unbegründete Vorwürfe stehen im Raum. Doch eines steht fest: der Graffiti Beef in Berlin ist weit davon entfernt, vorbei zu sein.

Auf den „Sozialen Medien“ dreht die THC-Crew den Ton auf und brüstet sich mit seinen HipHop-Erfolgen, aber auch einem Kopfgeld für 1UP Bilder. So werden regelmäßig gecrosste (Anm. d. r. „übermalt“ / „durchgestrichen“) Bilder geteilt und die Anhängerschaft angestachelt. Vonseiten der 1UP Graffiti Crew wurde noch keine Stellungnahme bezogen.

Paris Vice: VAPSKI – Seine Graffiti machen Lastwägen zu rollenden Leinwänden

Paris Vice: VAPSKI – Seine Graffiti machen Lastwägen zu rollenden Leinwänden

Frankreich. Paris Vice Graffiti. Er ist überall. Ob unter der U-Bahn Linie 2 auf Höhe von Barbès mit seinem Markt oder an den Grenzen der Stadt und darüber hinaus. VAPSKI“ ist der König der fahrenden Leinwände. Seit vielen Jahren gestaltet er aktiv eine Vielzahl an Lastwagen mit seiner Signatur. Unsere Fotogalerie zu den Graffiti zu „VAPSKI„:

Paris Vice: die Graffiti von VAPSKI (MDC / LBC)

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Der mysteriöse Mann auf Mission. VAPSKI ist der König der Lastwägen von Paris. (Foto: Urbanauth / 2021 / Paris)

Über Vapski ist wenig bekannt. Ab den Beginn der 2000 Jahre trat er das erstmal in Erscheinung. Seitdem prägen seine gestalteten Lastwägen das Stadtbild von Paris! Ihm wird nachgesagt Bulgare zu sein und zwischen Paris und Sofia zu reisen. In Paris ist er Mitglied der berüchtigten Crew „MDC“, den „Mecs de cité“ („Typen aus dem Plattenbau“). Kollegen seiner Crew, sind unter anderem „FYME“, „FOST“, „FUSIBLE“ und „DONE“. Außerdem malt er ebenfalls für die LBC.

Welcome to Paris Vice: Graffiti in der Großstadt malt man groß!

Die Lastwägen gehören in Paris zu den Flächen, welche entweder sofort oder gar nicht gereinigt werden. Kein Wunder, dass sie heiß begehrt sind. Den über die Jahre können sich so einige Werke ansammeln und einen Blick auf die künstlerische Entwicklung geben. In unserem Artikel zu STESI von den 156 hatten wir bereits einen anderen Graffiti-Künstler vorgestellt.

Zeitreise durch die Jahre: Eine Auswahl von 2012-2021

Sechs Buchstaben sind nicht gerade kurz für Graffiti, doch VAPSKI weiß seinen Schriftzug an die Fläche der Lastwägen anzupassen. An Vapski’s Graffiti gefallen dabei nicht nur seine ausgearbeiteten Formen und klaren Linien. Auch die Charaktere und Figuren aus der Populärkultur, welche seine Werke begleitet, erregen das Aufsehen der Passanten.

Oft in Begleitung von Figuren und Charakteren aus der PopKultur: Vapski und seine Graffiti auf Lastwägen

Der Charakter schaut etwas irritiert. VAPSKI hat eine besondere Vorliebe für ausgefallene Charaktere aus der PopKultur. Diese Fläche ist eine gemeinsame Malerei mit seinem Crew-Kollegen FYME von den MDC. (Foto: Urbanauth / 2021 / Paris)

PARIS by night: Wenn die rollenden Leinwände ruhen

VAPSKI Graffiti Video in den Straßen von Paris

Für Graffiti Vice gibt sich VAPSKI die Ehre und lässt sich über die Schulter blicken. Das Video ist bereits ein paar Jahre alt, gibt aber dennoch einen guten Einblick in die Arbeit von VAPSKI. Die unterlegte Musik ist von JokaLand.

Die MDC-Graffiti Crew: Stadtjungen aus den Plattenbauten

Paris Vice Graffiti: weitere Werke von VAPSKI

In dieser Sektion werden wir beständig Bilder hinzufügen. Der König der Lastwägen hat noch nicht sein letztes Mal gesprüht und wir werden seine Entwicklung dokumentieren.

The Big Apple: Diesen Lastwagen hat VAPSKY 2019 gestaltet. Er steht im Norden von Paris. Der „i“-Punkt ist ein Apfel, welcher mit „The Big Apple“ signiert ist. (Foto: Urbanauth / VGO / 2021)
Fetzig. Fill-ins in Chrom und Outlines in Rot. VAPSKI Lastwagen aus 2021. (Foto: Urbanauth / Paris / 2021)
Da ist Gemüse drin! VAPSKY, DONE, PROMO und SAKO auf einem Lastwagen am Markt. (Urbanauth / Paris / 2021)
Mal etwas anders: VAPSKY in Blautönen. (Foto: Urbanauth / Paris / 2021)
Großer Laster am „Canal de l’Ourcq“ / „Bassin de le Villette„. FYME und VAPSKY, MDC-Crew. (Foto: Urbanauth / Paris / 2021)

Paris: STESI’s Graffiti auf Lastwägen

Paris: STESI’s Graffiti auf Lastwägen

Frankreich. Nicht erst seit gestern unterwegs. STESI (ODV / COP / 156 / DKA / DKC / MTM) ist ein Urgestein der Pariser Graffiti-Szene und nach wie vor sehr aktiv. Seine Leidenschaft ist es, seinen Namen durch die Stadt fahren zu sehen. Eigenen Angaben zufolge bemalte er in Paris mit seinem Graffiti über 300 Lastwägen. Nachfolgend einige Schnappschüsse seiner fahrenden Werke.

Graffiti auf Lastwägen werden nicht nur alleine darauf angebracht. Im Bild ein von STESI als organischer, bzw. biomechanischer Stil beschriebene Gestaltung eines Lastwagens in Zusammenarbeit mit LEK_75019. Hier trifft ein abstrakter Stil mit verschwindenden Linien auf einen eckigen Stil mit klaren Abgrenzungen.
Legendäre Kombo: Stesi in Zusammenarbeit mit LEK. Beide gehören zum Urgestein der Pariser Graffiti Kultur. (Urbanauth / VGO / 2021)

Graffiti auf Lastwägen: All eyes on STESI

Paris. Graffiti auf einem Lastwagen in Paris. Stesi Throwup in zwei Farben.
Throw-Up: STESI Graffiti auf den Lastwägen von Paris. Zweifarbiger Throw-Up in weiß und schwarz. (Urbanauth / 2021)

Jahrgang 1979, entdeckte Stesi seine Leidenschaft für Graffiti mit 16 Jahren. Dies verdankt er unter anderem seinem Freund SIRIUS156. Und auch wenn Stesi über die Jahre die verschiedensten Oberflächen bemalte, so bleiben Lastwägen sein Lieblingsmittel zum Ausdruck. Auf Flächen von vier bis fünf Metern und einer Höhe von ca. 2,3 Metern erzielen seine Werke die größte Wirkung. STESI konnte für den Artikel nicht erreicht werden.

Der 18. Bezirk von Paris ist ein Mekka für Graffiti auf Lastwägen. Throw-Up von Stesi in drei Farben (braun, schwarz und weiß).
Throw-Up: Der 18. Bezirk von Paris ist ein Mekka für Graffiti auf Lastwägen. Im Bild ist ein Throw-Up von Stesi zu sehen. (Urbanauth / 2021)

Als Graffiti-Sprüher interessieren ihn in erster Linie Buchstaben. Von Tags und Throw-Ups zu aufwändigen, abstrakten Formen, er malt alles. Tagsüber unterwegs kennt er sein Revier wie kein Anderer. Und seine Arbeit der letzten Jahre macht sich bemerkbar. Inzwischen überall in Paris und den nahen Vororten präsent, beschränkt sich Stesi nicht nur auf die Hauptstadt von Frankreich. London und Barcelona gehören ebenso zu den Städten, die er gerne besucht. Über die Zeit malte er dabei in den verschiedensten Ländern, wobei seinen Angaben zufolge sich seine Schaffensorte auf Europa beschränken.

Graffiti auf Lastwägen. Im Bild ein von STESI als organischer, bzw. bio-mechanischer Stil beschriebene Gestaltung eines Lastwagens.
Surrealistisch & abstrakt: STESI Graffiti im 17. Bezirk von Paris. Diesen Stil bezeichnet der Künstler als organisch bzw. bio-mechanisch. (Urbanauth / 2021)

Entscheidend für Stesi ist die Spontanität und Schnelligkeit in seiner Vorgehensweise. Seine Herangehensweise vergleicht er dabei mit den Surrealisten wie André Breton und Max Ernst. Fern von Skizzen malt er „automatisiert“ wie eine Maschine und lässt seine Graffiti mehr mit Unbewusstsein, als mit Konzept entstehen. Im Vordergrund steht das Überraschungsgefühl vor einem fertigen Werk zu stehen und dieses auf sich wirken lassen.

Die Leidenschaft für Graffiti auf Lastwägen

Graffiti auf Lastwägen. Im Bild ein von STESI als organischer, bzw. biomechanischer Stil beschriebene Gestaltung eines Lastwagens. Oben drüber ein gut lesbares "156"-Graffiti, einer der ältesten Graffiti-Crews von Paris.
Fetzige Kombo: Ganz frisch aus 2021. Stesi’s abstraktes Graffiti auf dem Lastwagen. Darüber befindet sich ein Graffiti von 156. (Urbanauth / VGO / 2021)

Schon früh erkannte er, dass es neben dem illegalen Bemalen der Lastwägen auch eine Alternative gibt. Nett fragen und mit dem Besitzer der Fläche verhandeln. 2014 gab er der Zeitung NouvelObs für Rue89 ein Interview.

Jedes Mal, wenn ich mit Erlaubnis Graffitis anbringe, gibt es mindestens eine Person, die feindselig reagiert. Sie kommen vorbei, sehen es sich an und rufen mir dann zu, dass ich das nicht tun soll, dass es falsch ist. In diesen Fällen muss ich diplomatisch sein und mich erklären. Aber die meisten Passanten sind positiv gestimmt. Sie machen Fotos, kommen und fragen mich, was ich tue… Sie wissen, dass es zur Stadt dazugehört.

STESI im Interview mit NouvelObs/Rue89 2014

2019 erschien er bei ONEDAY und wurde für einen Tag mit Kamera begleitet. Neben einem Interview gibt das Video Einblicke in die Arbeitsweise von Stesi.

In den folgenden Bildern, kein Lastwagen, aber eine Auswahl an Stesi’s kalligrafischen Arbeiten.

Weitere Lastwägen-Graffiti von STESI

Night Flavor: Kalligraphisches Meisterwerk auf dem Format eines ganzen Lastwagens. STESI’S Geschmack für die „Wholecars“ ist offensichtlich. Seine verschnörkelte Schrift kombiniert er dabei mit einer ausgewählten Farbwahl. (Foto: Urbanauth / 2021 / Paris)

Malt nicht nur Lastwägen: STESI’s Graffiti in den Straßen von Paris

Mags groß: STESI auf Sperrholzplatten an einer Seitenstraße von der Place de la Madeleine. (Foto: Urbanauth / 2021 / Paris)

STESI’S kalligrafische Spielereien

Getagte Sperrmüll-Platte mit einer Auswahl an Stesi's kalligrafischen Buchstabenzusammensetzungen.
Spielereien auf Sperrmüll: Kein Lastwagen von Stesi. Diese beschriebene Sperrmüll-Platte repräsentiert auf schöne Weise Stesi’s vielfältige Kalligrafie. (Urbanauth / VGO / 2021)
Vandal: STESI Tagg (Urbanauth / Paris / 2019)

STESI’s Werke im Marché MALIK: Straßenkunstmekka in Saint-Ouen (93)

STESI’s Straßenkunstwerk Rue d’Aubervilliers – Die Wand von Harvey R‘ Style

Künstler der Nacht: STESI feat BANKSY?

STESI und LEK75019: zwei langjährige Freunde

Abstrakte Kombo: LEK75019 und STESI.ONE, zwei langjährige Freunde (Urbanauth / Paris / 2019)

Stesi in Zusammenarbeit mit einem weiteren Urgestein der Pariser Graffiti-Szene, LEK (75019). Zwei Stile; eckig und organisch bilden ein einzigartiges, abstraktes Kunstwerk auf vier Rädern. Aber vor allem, eine langjährige Freundschaft.

Hat bereits etwas gelitten: STESI & LEK Straßenkunstwerk an der Place de la Madeleine in Paris aus 2019. (Foto: Urbanauth / Paris / 2021)

Doch die beiden malen nicht nur gemeinsam Lastwägen. Ebenfalls unter den Beiden beliebt: Holzplatten.

STESI und LEK in 2019. Zwei verschiedene Style treffen aufeinander und harmonieren mit ihrem Farbunterschied weiß-gelb (Foto: Urbanauth / Paris / 2021)

STESI und PSY – „156“ Graffiti-Crew Paris

Paris: PTK erstes Konzert in Frankreich – Aubergine3000

Paris: PTK erstes Konzert in Frankreich – Aubergine3000

PTK und sein Background-Rapper Tayler zum ersten Mal in Paris

Von Berlin nach Paris: Am 15.11.2019 (Freitag) sowie den 16.11.2019 (Samstag) hat Urbanauth zwei Konzerte für den Berliner HipHop-Künstler PTK veranstaltet. Im Rahmen eines internationalen, urbanen Kulturaustausches haben wir für den Künstler und seinen Background-Rapper Tayler ein Konzert in der Aubergine3000 in Malakoff (92) organisiert. Dieses besetzte Haus liegt in einem südlichen Vorort von Paris. Den darauffolgenden Tag ging es dann weiter in den nördlichen Vorort Saint-Denis (93) zum Bike Wars-Festival, einem Intersquat-Event. Der Artikel ist ein Throwback auf ein musikalisches Wochenende.

Der Kontext des Konzerts ist unkommerziell im Rahmen der „Free-Party“-Philosophie (Eintritt und Getränke auf freiwilliger Basis) gewesen. Für die Bike Wars trat Urbanauth als Vermittler auf. Urbanauth hat dies auf ehrenamtlicher Basis organisiert und keine Vergütung bezogen. Um die Sprachbarrieren zu überwinden, haben wir eine Auswahl an Texten des Künstlers übersetzt, welche in einem Videomapping an die Wände projiziert wurden.

Durch den kulturellen Austausch zwischen diesen beiden europäischen Hauptstädten wollten wir Einblicke in die Vielfalt der europäischen Hip-Hop-Bewegung geben und Verbindungspunkte zwischen verschiedenen musikalischen Akteuren schaffen. Hip-Hop, das sind vier Säulen: Breakdance, Graffiti, Master of ceremony und Discjockeys. Rap als eine fundamental-urbane Kultur steht dabei in einem tiefen Kontext zur Stadt und dem Menschen und ist zugleich Ausdruck und Sprachrohr für urbane Bevölkerungsschichten.

PTK – Straßenrap aus Berlin

PTK, das ist engagierter Straßen-Rap für eine deutsche Hauptstadt von unten. Seine kritischen Bezüge zum Urbanen hebt die Beziehung des Menschen zur Stadt in den Vordergrund. In Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, erzählt er von der Kehrseite Berlins: die der Gastarbeiter und Hausbesetzer, vom Runden drehen in seinem Sektor und der Gentrifizierung Berlins. Neben einer kritischen Haltung gegenüber Tourismus und der Konsumgesellschaft bezieht er außerdem eine klare Stellung gegenüber Rassismus und Diskriminierung. PTK steht verdient für “Pöbel tötet König“. Eine Stimme gegen die Ungerechtigkeit in der Welt.

Im Herbst 2012, nach Protestbesetzungen von Migranten am Brandenburger Tor und anschließend Oranienplatz, folgte im Dezember die Übernahme der leerstehenden Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. An diesem Ort, welcher der anstatt Refugees, aber ebenso auch Roma-Familien und Obdachlosen eine Unterkunft gab, gründete er mit einigen Hausbesetzern die interkulturelle Band „Antinational Embassy„. Gemeinsam spielten sie dieses Jahr in Athen nahe des Hausbesetzerviertels Exarchia. Solo schaffte es PTK 2018 bis nach Slowenien und mit Urbanauth nun auch zum ersten Mal nach Frankreich.

Urbanauth: PTK, was macht dich zu einem Urbanauth?

Also fernab von eurer Definition würde ich sagen, dass die Themen in meiner Musik überwiegend in urbanen Räumen stattfinden. So wie eben auch mein Leben in Berlin-Kreuzberg. Meine Standpunkte und Erfahrungen sind aber nicht auf meinen eigenen Mikrokosmos limitiert, sondern in jeder Metropole irgendwie anzutreffen. Das bekomme ich dadurch mit, dass ich z.B. selbst in Paris schon ein paar Fans hatte, die meine Musik verfolgen. Umgekehrt habe ich viele Menschen in Berlin getroffen, die quasi vom anderen Ende der Welt kamen und mit denen ich trotzdem direkt auf einer Wellenlänge war. Somit trifft man irgendwie in jeder großen Stadt auf Gleichgesinnte.

PTK, November 2019

PTK in der Aubergine 3000

Am Freitag, den 15. November 2019, trat PTK in der Aubergine3000 auf. Der Name des Ortes setzt sich aus dem französischen Wort Auberge für Herberge, Aubergine und der Zahl 3000 zusammen. Letztere ist als eine ironische Anspielung auf das Jahr 3000 zu verstehen. Das Haus selbst, welches jahrelang leer stand, wurde nach der Auflösung der Stendhal-Besetzung (Anm. d. Red. Einer großen Hausbesetzung eines leerstehenden Krankenhauses) gegründet. Dieses welches einem iranischen Dissidenten gehörte sollte dabei in eine Herberge umgewandelt werden. Nach dem mysteriösen Tod des Besitzers wurde das Grundstück nicht mehr von den Eigentümern unterhalten. Die Besetzer der Aubergine 3000 nahmen die Idee wieder auf, das Haus in eine Herberge zu verwandeln.

Urbanauth: PTK, erzähl doch mal. Dein erstes Mal in Paris, wie war’s?

Die Auftritte haben Spaß gemacht. Der Abend in der Aubergine 3000 hatte ein geiles Feeling, das war eine richtige Untergrund Hip-Hop Veranstaltung. Die anderen Acts haben total abgerissen, die DJ’s waren wirklich extrem gut (so ein Level sieht man leider in Berlin nicht oft) und die Leute haben uns super aufgenommen und sich einfach auf die Mucke eingelassen. Ich habe auch sehr gutes Feedback auf das Video Mapping bekommen – Übersetzungen meiner Texte wurden synchron an die Wand projiziert – und somit auch meine Inhalte, das war nice! Beim Bike Wars am nächsten Tag hat mich neben dem Event vor allem die Location sehr beeindruckt. Mir wurde von den Leuten vor Ort gezeigt, was dort alles in nicht einmal 2 Jahren Besetzung auf die Beine gestellt wurde. Wohnungen, Musikstudio, Theater, riesige Werkstätten.. Davon können sich viele Squats etwas abgucken!

PTK, November 2019

Das Zusatzkonzert auf dem Bike Wars 2019 im Landy Sauvage: Von Kreuzberg in die Seine Saint Denis

Urbanauth: Konzerte in Slowenien, Athen und jetzt Paris. Wo würdest du gerne als Nächstes hin?

Ich hab da kein konkretes Ziel vor Augen, sondern freue mich einfach, wenn mich meine Musik an immer weitere Orte bringt. Für die Zukunft werde ich meine Texte auch in andere Sprachen übersetzen lassen, um die Sprachbarriere zu knacken. Die Welt ist halt größer als immer nur in Deutschland, Schweiz und Österreich zu spielen.

PTK, November 2019
Weekly Urbanauth 36: Urban Design von Wolkenkratzern in London versus Tokyos 330 Meter Giganten

Weekly Urbanauth 36: Urban Design von Wolkenkratzern in London versus Tokyos 330 Meter Giganten

Die wichtigsten News auf einen Blick – Unsere wöchentliche Presserevue der Kalenderwoche 36. Von Hip-Hop für die Favelas Rio de Janeiros in das Herz Perpignans über Tokyos geplantem höchsten Wolkenkratzer und Londons Urban Design Versuch. Unsere Zusammenfassung der wichtigsten, urbanen Nachrichten.

Stadt und Mensch

Im Herzen von Perpignan – Saint Jacques und Gentrifizierung

Das Herz der französischen Stadt Perpignan ist tief verwurzelt mit der Existenz einer großen Gemeinschaft an Menschen der Reise, dem fahrenden Volk, das im zentral gelegenen historischen Viertel Saint Jacques einen Rückzugsort gefunden hat. Unweit der spanischen Grenze ist sie zugleich eine der Städte mit der größten Armutsrate in Frankreich. Der Artikel der englischsprachigen Zeitung The Guardian, unterlegt mit Fotografien von Jesco Denzel, nimmt den Leser mit in die Welt der französischen „Gypsies“ und betrachtet zugleich die Renovierungsmaßnahmen aus einem kritischen Blickwinkel. Die Beziehung der fahrenden Leute zur Stadt lässt sich dabei auf mehrere hunderte Jahre zurückdatieren, wobei 1940 ein entscheidendes Jahr war. Durch das Verbot von „Nomadismus“ unter dem Vichy-Regime in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, siedelten sich die Menschen der Reise gezwungenermaßen in Perpignan an. Das Viertel Saint Jacques ist mit einer Jugend-Arbeitslosigkeit von 90 % zu drei Vierteln von Menschen besiedelt, welche überall in Europa institutionellen Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Seit mehreren Häusereinstürzen von 2014 darunter Perpignan und letztes Jahr in Marseille, wird vonseiten der Behörden das Problem von minderwertigen Gebäuden ernster genommen. In Saint Jacques bringen die Bewohner jedoch ein berechtigtes Misstrauen gegenüber dem korrekten Ablauf der Renovierungsmaßnahmen zur Sprache. Die Modernisierungspläne der historischen Altstadt sind auf 2024 angelegt und führen zu Spannungen. Im Viertel Saint Jacques sollen demnach 483 Gebäude abgerissen werden, um Platz für 240 Neue zu schaffen. Zweifel an der Ehrlichkeit den Neu-Unterbringung-Vorschlägen stehen den Ängsten von Vertreibung und Verlust ihrer Gemeinschaft gegenüber.

Wettrennen der Wolkenkratzer: Bald hat Japan einen neuen Rekordhalter

Landesweit höchstes Gebäude wird in Tokyo gebaut

Mit 330 Metern Höhe übertrumpft der höchste der drei geplanten Türme des Toranomon-Azabudai Projekts den jetzigen Rekordhalter, bei dem es sich um einen Wolkenkratzer von Abeno Harukas in Osaka handelt, um ganze 30 Meter. Bis zum Jahre 2023 soll auf einer Fläche von mehr als 8 Hektaren ein ganzes Quartier saniert und revitalisiert werden, so in einem Artikel der CNN.

Laut dem Projektträger Mori Building Co. handelt es sich konkret um Büros und Wohnungen für 20’000 Mitarbeiter und 3’500 Einwohner sowie Geschäfte, Fitnessstudios, Museen, eine internationale Schule und 2.4 Hektar Grünfläche – ein „modernes städtisches Dorf“ also.

Entworfen wurde das Projekt vom Architekturbüro Pelli Clarke Pelli Architects. Der ursprünglich aus Argentinien stammende Cesar Pelli baute seinen Ruf als Stararchitekt mit innovativen Wolkenkratzern auf, nachdem er die Petronas Towers in Kuala Lumpur und das Paci Center in West Hollywood entworfen hatte. 1926 geboren, verstarb er im Juli dieses Jahres und hinterlässt über vier Jahrzehnte Schaffens. Zusammen mit dem Mitbegründer des Architekturbüros, Fred Clarke, war er maßgeblich an der Gestaltung der Fassaden der drei Türme beteiligt.

Der Singapurer Architekt Soo K. Chan, der am Projekt mitwirkt, sagte in einem Telefoninterview gegenüber CNN aus, dass er großen Wert auf Details und Handwerkskunst lege; beides im Wertesystem der japanischen Kultur verankert. Auch basieren die Innenräume der Residenzen auf Ideen wie derjenigen, dass die Häuser um Servicebereiche wie Küchen herum geplant werden – Traditionelle Ansichten und eine bestimmte Art von Lebensstil in Japan werden dabei berücksichtigt und erhalten bleiben.

Während London über neue Wolkenkratzer-Designs nachdenkt….

Diesen Monat brachte die City of London Corporation, welche die Square Mile mit dem Finanzdistrikt verwaltet, die ersten „Wind-Mikroklima-Richtlinien“ Großbritanniens heraus. Diese zielen darauf ab, das Gehen und Radfahren zu fördern, indem sie die Auswirkungen des Windes auf dem Boden reduzieren – denn Windkanäle und Fallwinde an und um Wolkenkratzern können den Menschen auf Bodenebene durchaus das Leben schwer machen, berichtet wired.com. Das Ingenieurbüro, welches bei der Ausarbeitung der neuen Normen mitgewirkt hat, arbeitet zudem mit den größten Städten Nordamerikas zusammen. Die Richtlinien der City of London legen Windgeschwindigkeiten für das Sitzen und Gehen fest und schreiben Windkanaltests sowie Computersimulationen vor um vorhersagen zu können, wie ein neues Gebäude diese Richtlinien erfüllen und wo Messungen durchgeführt werden sollten. Für Außencafés und Restaurants, wo häufig gesessen wird, sollten acht Km/h nicht überschritten werden. Studien, die von der Windspezialfirma RWDI durchgeführt wurden, haben die bestehende Lawson-Skala modifiziert. Diese besagte, dass Geschwindigkeiten zwischen 29 und 32 Km/h für einen „Business Walk“ in Ordnung seien – die neue Skala befindet mehr als 29 Km/h als unangenehm.

Berlins Nahverkehr und das Lied des Graffiti

Die Lokalzeitung Morgenpost berichtete in einem Artikel über die steigende „Vandalismusrate“ im Nahverkehr von Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist für ihre florierende Graffiti-Szene bekannt, inklusive eines stetigen Zustromes an Szenetouristen. Neben den unzähligen Graffiti in den Kiezen, sind die prägend gelben U-Bahnwägen, aber auch der Nahverkehr von den Sprühern begehrte Flächen. Das Internet steuert mit den sozialen Netzwerken wie Instagram der steigenden Beliebtheit bei. Dabei kommt es im Jahr zu einigen „Wholecar„-Aktionen, bei welchem bei Tage die Bahn angehalten wird und ein ganzer Personenwagen binnen Minuten unter dem Lack der Sprühdosen verschwindet. Die Morgenpost meldet, dass die Deutsche Bahn dabei bis zu 3000 Anzeigen pro Jahr wegen Graffiti erstattet. Auf das Jahr im Durchschnitt acht pro Tag. Zwei Drittel der Meldungen fallen auf Züge während das andere Drittel sich auf das zu den Bahnhöfen gehörende Gelände bezieht. Urbanauth hatte bereits dazu in seinem Artikel „BVG und Graffiti“ berichtet. Dem Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe Jannes Schwentu zufolge, fiele ein bemalter Zug zwangsläufig 24-Stunden aus. Vor allem im Falle einer kompletten Neulackierung, wenn die Schutzfolien sich abgenutzt haben, wird es teuer für den Bahnbetrieb.

Hip-Hop für die Jugend aus den Favelas

Das Community Reporting Projekt Rio on watch haben für ihren Artikel Hip Hop in the Baixada den Hip-Hop Tänzer ZULU begleitet. Mit seinem Projekt Cypher na rua, ermöglicht er Kindern und Jugendlichen in der Mesorregião Baixada von Rio de Janeiro, Hip-Hop Tanzen zu lernen. Eine Cypher bezeichnet die Zusammenkunft von Akteuren der Hip-Hop Szene zum Tanzen, musizieren oder sprühen. Der Artikel geht dabei vor allem auf die Gemeinschaft-stiftenden Vorteile für Jugendliche ein.

Diese journalistisch tätige NGO ist dabei der Nachgänger von Rio Olympics Neighboorhood Watch (2010-2016) welche sich im Rahmen der Austragung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, Brasilien, mit den Auswirkungen auf das Leben der Menschen in den Favelas auseinandersetzen. Ab 2017 mit dem Ende der Spiele adaptierte Rio on watch ihre redaktionelle Leitlinie. Das Leben in den armen Teilen der Megalopolis steht dabei weiterhin im Vordergrund ihrer Berichterstattung.

Dieser Artikel ist in Englisch und Französisch verfügbar.

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