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Paris: der verhüllte Triumphbogen von Christo

Paris: der verhüllte Triumphbogen von Christo

Frankreich. Der verhüllte Triumphbogen von Paris. Im posthumen Projekt von Christo und Jeanne-Claude, wurde der lebenslange Traum des Verhüllungskünstlers und seiner Frau verwirklicht und der Arc de Triomphe verhüllt. Urbanauth war für euch vor Ort!

Der verhüllte Triumphbogen von Christo: Über das Bauwerk

Gefürchtet von Autofahrern, geliebt von Touristen. In der Mitte eines riesigen, mehrspurigen Kreisverkehrs steht der Arc de Triomphe.

Der Arc de Triomphe ist ein Monument in Paris. 1806 begann unter Napoleon den 1. die Bauarbeiten. Die Fertigstellung sollte dabei über 30 Jahre dauern. Der Architekt Jean-Francois Chalgrin erdachte dieses Meisterwerk von ungefähr 50 Metern Höhe, 45 Metern Länge und 22 Metern Breite. Doch zu seinem Tode erstreckte es sich erst auf fünf Meter. Zwischenzeitlich musste die Baustelle auf Eis gelegt werden. Schlussendlich wurde der Triumphbogen 1836 fertiggestellt. In den urbanistischen Bedenken von Haussmann wurde der Triumphbogen zu einem zentralen Ort, zu welchem manche der ikonischsten Boulevards der französischen Hauptstadt führen.

Ursprünglich als Siegestor für die gewonnene Schlacht von Austerlitz konzipiert, wird der Arc de Triomphe inzwischen dazu genutzt, den Sieg im 1. Weltkrieg zu kommemorieren. 1920 wurde das „Grab des unbekannten Soldat“ eingeweiht. Ab 1923 wird dort die „Flamme du Souvenir“ („Flamme des Erinnerns“) entzündet. Der Arc de Triomphe ist ein Wahrzeichen des französischen Nationalstolzes. Während den Ausschreitungen in 2018 der Gilets-Jaunes-Bewegung kam es zu Bauschäden am Monument. Nun, 2021 wurde das Monument komplett verhüllt!

Das posthume Projekt von Christo: der verhüllte Triumphbogen

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Christo welcher am 31. Mai 2020 in seiner Wohnung in New York City verstarb, hatte mit seiner Frau Jeanne-Claude einen letzten Traum. Den Arc de Triomphe von Paris zu verhüllen. Diese Idee kam ihnen bereits 1961 und wurde kontinuierlich fortgeführt. 2019 erhielt Christo sogar vom französischen Präsidenten Macron grünes Licht für die Umsetzung. In dem posthumen Projekt wird der Wunsch des Künstlers vom 18. September bis zum 3. Oktober 2021 realisiert. Für Christo und Jeanne-Claude war es immer wichtig, ihre Kunst frei und für alle zugänglich zu machen. Dies ist ihnen mit ihrem posthumen Projekt gelungen.

Der Arc de Triomphe wurde in 25.000 m² recycelbarem blau-silbernem Polypropylengewebe gehüllt. Die Kosten des Projektes wurden dabei ausschließlich durch Eigenfinanzierung und ohne öffentliche Gelder finanziert. Hierzu wurden unter anderem Werke von Christo verkauft. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 14 Millionen Euro und ungefähr 1000 Menschen waren in der Umsetzung involviert. Nichtsdestotrotz bleibt die Aktion dennoch umstritten.

Federführend hinter der Umsetzung des posthumen Projektes ist Vladimir Yavachev. Für ihn ist
das Herzstück von Christos und Jeanne-Claude’s Arbeit, eine, die der „reine Ausdruck ihrer Freiheit“ ist. Das Projekt wurde mithilfe der Stadt von Paris und dem Centre Pompidou umgesetzt.

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Der verhüllte Triumphbogen von Paris by Christo und Jeanne-Claude (Foto: Urbanauth / VGO / 2021)

Christo’s Vorstellung vom verhüllten Triumphbogen beschrieb er wie folgt:Es wird wie ein lebendiges Objekt sein, das sich im Wind bewegt und das Licht reflektiert. Die Falten werden sich bewegen und die Oberfläche des Denkmals wird sinnlich werden. Die Menschen werden den Arc de Triomphe anfassen wollen.

Für die regierende Bürgermeisterin von Paris Anne Hidalgo ist das Werk eine Hommage an den kreativen Prozess und an die künstlerische Freiheit, die die traditionellen Grenzen der Bildhauerei und der Architektur überschreiten, um ein lebendiges Kunstwerk zu schaffen, das für jeden zugänglich ist.

„Das Projekt ist zu Ende!“: Christo’s und Jeanne-Claude’s posthumes Projekt ist zu Ende. Die letzten Installationen wurden entfernt und der Triumphbogen ist wieder gänzlich enthüllt. (Foto: Urbanauth / VGO / 2021)

Wirken und Schaffen von Christo und Jeanne-Claude

Der Künstler Christo ist 1935 in Gabrovo, Bulgarien geboren. Sein Leben ist von Reisen geprägt. So brachte ihn sein Weg unter anderem nach Prag, Wien, Genf, Paris und schlussendlich New York. In Paris lernte er seine Frau Jeanne-Claude Denat de Guillebon kennen. 2009 verstorben, spielte sie eine wichtige Rolle im Leben und Schaffen von Christo.

Die Verhüllung von Objekten, als Form urbaner Kunst. Christos Projekte wollten das Monumentale verdecken. Wenn auch nur zeitlich begrenzt, aber das Große musste sich dem Blick entziehen. Seine erste Installation mit seiner Frau Jeanne-Claude verwirklichte er 1961 in Köln („Dockside Packages“ & „Stacked Oil Barrels„). Eine seiner ersten Arbeiten, welche Aufmerksamkeit erlangte war die „Wall of Oil Barrels – The iron curtain“ in der Rue Visconti in Paris (1961-1962). Nach erfolglosem Versuch eine Genehmigung von den Behörden zu erhalten, wird das Projekt illegal durchgeführt. Mit Öltonnen errichtet Christo eine Barrikade auf einer Straße. Nachfolgend eine Liste der wichtigsten Werke von Christo und Jeanne-Claude:

  • „Wrapped Coast“ in der Nähe von Sydney (1968-1969)
  • Alley Curtain“ in Colorado (1970–72)
  • Running Fence“ in California (1972–76)
  • Surrounded Islands“ in Miami (1980–83)
  • The Pont Neuf Wrapped“ in Paris (1975–85)
  • The Umbrellas“ in Japan and California (1984–91)
  • Wrapped Reichstag“ in Berlin (1972–95)
  • The Gates“ im Central-Park von New York City (1979–2005)
  • The Floating Piers“ in Italien Iseo-See (2014–16)
  • The London Mastaba“ auf dem „Sepertinne“ von London (2016–18)
Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

Berlin: Ein Museum für Urbane Kunst ? Die Radarstation vom Teufelsberg

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Berlin’s Museum für urbane Kunst. Steetart Graffiti von ihrer besten Seite… oder Fläche? (Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Berlins alternatives Museum für Streetart und Graffiti

Die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg

In Berlin gibt es ein alternatives Museum für urbane Kunst: die ehemalige Radarstation vom Teufelsberg. Seit mehreren Jahren zieht dieser zuvor Lostplace, Streetart und Graffiti-Künstler an!

Hoch über den Dächern der Stadt kann man die Silhouette des sogenannten Teufelsbergs mit seiner stillgelegten und baufälligen Abhörstation aus dem Kalten Krieg erkennen. Der Berg entstand nicht auf natürliche Weise, sondern durch menschliches Zutun. Bis in die 1940er Jahre befand sich hier die Wehrtechnische Fakultät, eine Einrichtung die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania entstand. Diese wurde nach den Zweiten Weltkrieg gesprengt und das Gelände anschließend als Schutt-Deponie genutzt. Bis 1972 wurde hier eine Schuttmenge von etwa 25. Millionen Kubikmetern abgeladen, was ungefähr einem Drittel der Baumasse aller im Krieg zerbombten Gebäude Berlins entspricht.

Die Außenwände eines alten Verwaltungsgebäudes dienen hervorragend als künstlerische Ausdrucksfläche
(Foto: Urbanauth)

Berlin und sein alternatives Museum für urbane Kunst

Ein Lost Place im Wald – Ort wo sich Streetart und Graffiti Künstler austoben

Anschließend wurde die aufgeschüttete Landschaft mit Sand und Mutterboden gestaltet und mit rund einer Million Bäumen bepflanzt. Abgesehen von der Nutzung als Rodelberg dienten die Hügel auch für die Errichtung einer Abhörstation der Amerikaner im Kalten Krieg. Nach der Wiedervereinigung wurde diese leergeräumt und zu einem Lost Place in Berlin. Heute genießt man auf den Höhen des Teufelsbergs einen großartigen Blick über den Grunewald und die angrenzenden Stadtviertel. Neben diesem Ausblick in circa 120 Metern Höhe lohnt sich auch die Begehung der ehemaligen Abhörstation.   

Links die Haupt-Antennenkuppeln der Radarstation. Rechts ein kleiner Seitenturm.
Foto: Urbanauth

Berlin und sein Museum für urbane Kunst

Von einer Ruine zur Kunstkulisse – Europas größte Graffiti Galerie

Heute bietet sich neben der eindrucksvollen Ruinenromantik eine Mischung aus Abenteuerspielplatz, Müllhalde und Kunstkulisse. Ein zwischenzeitlicher Pächter schuf dort in der Zusammenarbeit mit diversen internationalen Künstlern, ohne ein übergreifendes Konzept, die größte Graffiti-Galerie Europas. Auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern haben bekannte Streetart- und Graffiti-Künstler ihre Bilder in grellen, bunten Farben an den Wänden hinterlassen.

Im Jahr 2011 kamen einige Künstler auf den Berg und begannen damit, das Gelände zugänglich zu machen. Sie räumten Schutt weg, setzten Fenster ein und gestalteten das Gebäude künstlerisch. Seit 2015 hat Marvin Schütte, der Sohn von einem der vier Eigentümer, das Gelände gepachtet, um eine Künstlerkolonie für eine nachhaltige Gestaltung des Teufelsbergs zu schaffen. Des Weiteren bietet er dort Führungen an und gelegentlich diente der Ort sogar als Filmkulisse. Zwar arbeitet er mit den Künstlern zusammen, jedoch stehen diese ihm zum Teil kritisch gegenüber. Verträge mit dem Pächter gäbe es keine, aus Angst vor einem Rausschmiss. Im Jahr 2018 wurde das Hauptgebäude des Komplexes aufgrund von Sicherheitsbedenken bei Statik und Brandschutz von der Berliner Bauaufsicht gesperrt. Das betrifft neben den Touristen vor allem den Pächter sowie die dort agierenden Künstler.    

Mit seinem markanten Hundesketch prägt Tobo, Hauskünstler vom Teufelsberg, diesen semi-urbanen Raum. Ob als zwei grimmige Soldaten im Banksy-Cover welche ein rotes Peace-Zeichen an die Wand malen, oder mit einem Buch in der Hand und dem Spruch: „Der Mann der nicht liest, hat keinen Vorteil über den Mann der nicht lesen kann.“ (Foto: Urbanauth)

Finanzierungs- & Behördenprobleme für alternative Kunstorte

Vom ehemaligen Hauptgebäude sind nur noch die drei markanten Antennenkuppel sowie das Betonskelett erhalten. Man braucht Besucher für die Einnahme und ihr Geld um das Gelände instand zu halten. Entsprechend ärgerlich ist ein solcher Rückschlag für den Pächter und die Künstler. Diese zahlen zwar keine Miete, sind aber dennoch auf das Geld für die Instandhaltung angewiesen. Zu den Sicherheitsbedenken meinte Schütte gegenüber der BZ: „Einstürzen wird das Hauptgebäude sicher nicht.“ Man wolle nun weiterhin versuchen mit anderen Ideen, wie z.B. einer Schnitzeljagd oder einer Schatzsuche neue Besucher anzuziehen.“ Außerdem gibt es einen Ausstellungsraum zur Geschichte der Radarstation auf dem Teufelsberg.

Ein Elefant im Wasser. Perfekte Farbharmonie zwischen den Blau-Grau-Orange Tönen.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

Von „Denk mal“ zum Denkmal

Neben der Künstlerkolonie engagiert sich das Aktionsbündnis Teufelsberg aus Naturschützern und Anwohnern für den Teufelsberg, die sich von den lauten Partys auf dem Berg zunehmend gestört fühlen. Des Weiteren wollen sie, dass das Gelände öffentlich zugänglich gemacht wird und außerdem die Aufschüttung des Berges, mitsamt der Radarstation, um so den Berg ganz nach der Vorstellung der damaligen Landschaftsarchitekten zu vollenden. So geben Sie auf ihrer Website an: „Nach Teilabriss der Ruinen der Abhörstation soll auf dem heutigen Plateau die 1950 geplante Hügelform durch Aufschüttung mit Baugrubenaushub vollendet werden.“ Auch der Denkmalschutz wünscht sich einen öffentlichen Zugang zum Gelände, hat darüber jedoch keinerlei Entscheidungsgewalt. Seit Oktober 2018 steht der Teufelsberg mitsamt der Station unter Denkmalschutz, womit zumindest die Pläne der Aufschüttung hinfällig sind. Der Pächter befürchtet durch den Denkmalschutz eine Erschwerung seiner Pläne, die neben einem Restaurant bzw. Cafe auch eine Aussichtsplattform sowie ein Museum beinhalten.

Der Goldschatz welcher die Besucher begrüßt, nach dem Sie den Hang zum Hauptgelände hoch gelaufen sind. Mit einer unglaublichen Ästhetik erweckt dieser gigantische Nachtfalter, welcher sich um die Hauptkuppel der Radarstation legt, Bilder einer postapokalyptischen Zeit. Das Spiel mit der Symbolik des Ortes, dieser ehemaligen Abhöranlage der Amerikaner, zu einer Zeit, als der kalte Krieg wie ein Damoklesschwert über Berlin schwebte, wird dabei auf höchst-künstlerische Weise verarbeitet.
(Foto: Urbanauth / VGO / 2018)

In Berlin ist für das alternative Museum für urbane Kunst die Zukunft noch offen

Die beiden Schüttes wollen zusammen mit den Künstlern das Objekt und die Inhalte darin gemeinsam weiterentwickeln und so auch weiterhin durch Führungen, Veranstaltungen und Vermietungen Eintrittsgelder generieren, die weitestgehend dem Projekt selbst zugutekommen sollen. Gleichzeitig versucht der Eigentümer Manfried Schütte den Künstler Wolfram Liebchen mit einer Räumungsklage aus der alten Kantine zu werfen, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Ein Konflikt steht an und weitere werden Folgen. Dies sorgt für Nervosität bei den anderen Künstlern. Des Weitern gibt es von Seiten der Politik erste Bestrebungen, das Gelände zurückzukaufen. Die rot-rot-grüne Landesregierung wolle das Gebäude zu einem „Erinnerungsort“ umgestalten. Die CDU-Fraktion befürwortet dagegen eine neue Nutzung als Sportanlage. Der Pächter und die Künstler haben ihre eigenen Pläne. Wie andernorts in Berlin bahnt sich hier ein Konflikt zwischen Politik, Eigentümern und Nutzern des Gebäudes an. Es ist unklar ob und wie sich das inoffizielle Museum für urbane Kunst weiterentwickelt.

Rom: Ein Besuch in den Vatikanischen Museen

Rom: Ein Besuch in den Vatikanischen Museen

Rom glänzt: Es ist das letzte Novemberwochende, sonnig und warm. Die Stadt rüstet sich für die kommende Weihnachtszeit mit Lichterketten und Tannengrün. Maronenverkäufer konkurrieren mit Eiscafés und locken mit winterlicher Dekoration Kundschaft an. Rom gehört für ein paar Wochen seinen Bewohner*innen. Die Touristenströme konzentrieren sich auf die in Reiseführern und einschlägigen Online-Foren genannten Orte: Piazza Navona, Trevi Brunnen, Spanische Treppe. Selbst der Park der Villa Borghese ist trotz angenehmen 20 Grad, fast leer. Nur wenige Bänke sind besetzt und in den entlegeneren Ecken des Parks trifft man nur wenige Menschen. Andere Sehenswürdigkeiten werden geputzt oder restauriert. Selbst der Trevi-Brunnen, um den sich auch im November die Menschenmassen scharren, ist ‚under construction‘.

Der Vatikan: eine Stadt in der Stadt (Urbanauth / AK / Rom / 2019)

Rom im November ist eine gute Zeit, um eines der touristischen Höhepunkte einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: die Vatikanischen Museen. Die Bewegung des Stroms der Besucher richtet sich auf die Sixtinische Kapelle, dem kunsthistorischen und spirituellen Zentrum der Museumsanlage und zugleich Symbol der Macht der Kardinäle. Hier findet das Konklave statt, die Wahlversammlung, in der ein neuer Papst bestimmt wird. Dem zweiten Papst Julius II. verdankt die sixtinische Kapelle ihre künstlerische Ausgestaltung. Er war es, der Michelangelo nach Rom holte und ihn beauftragte, die Decke der Sixtinischen Kapelle auszuschmücken. Vier Jahre lang arbeitete Michelangelo an den Fresken, fünf Millionen Menschen besuchen jährlich seine Arbeit, in dessen Zentrum die Darstellung Gottes steht, der dem ersten Menschen Adam über die Berührung mit seinem Zeigefinger das Leben gibt.

Doch bevor die Sixtinische Kapelle erreicht wird, gilt es etliche Wegstrecken zurückzulegen. Der direkteste Weg führt vom Eingang über drei Galerien mit Marmorstatuen, Tapeten und Landkarten. Insbesondere letztere Galerie lohnt, dort etwas zu verweilen. An den Wänden hängen Landkarten mit den Regionen Italiens von Ignazio Danti, der diese 1580-83 gemalt hat. Die detaillierte und sorgfältige, topographische Darstellung lädt zum Staunen ein. Schon hier stauen sich die Besuchergruppen, Guides erläutern die Karten.

Angelangt in der Sixtinischen Kapelle stehen die Menschen dicht an dicht, ein Gewirr aus unterschiedlichsten Stimmen ist zu hören. Ein Priester hält im Gewimmel eine Andacht für eine Gruppe. Fotografieren ist hier nicht mehr erlaubt und es wird um Andacht und Stille gebeten. Ab und an ruft eine Stimme über ein Megaphon silenzio per favore; silence please; silence si vous plait, was kaum jemand zu beeindrucken erscheint. Sich angesichts des Schwarms von Menschen auf die Bilder einzulassen, fällt schwer. Wie die Kapelle wohl wirkt, wenn nur die Kardinäle an den Wänden sitzen oder man allein darin stünde? Was, wenn die Besucher*innen ihre Handys abgeben müssten und es ein Schweigegebot geben würde?

Könnte man nicht die von der Künstlerin Marina Abramović entwickelten Methode, Kunstschätze zu betrachten, anwenden? Wie wäre es, wenn alle Besucher*innen, bevor sie in die Sixtinische Kapelle eintreten, den Übergang vom weltlichen Museum zum Sakralraum auch physisch erleben würden – durch das Ausziehen der Schuhe, die Abgabe von Mobiltelefonen. Wie würde sich die Wahrnehmung der Menschen und die Atmosphäre des Raumes verändern, wenn jede*r ohne zu Reden, ohne Verbindung zu externen Informationen über Apps oder einen Guide, sich für eine Zeit lang mit allen Sinnen in ein Bild, ein Fresko versenken würden. So aber ist jede*r Besucher*in Teil eines summenden Bienenschwarms. Die Wahrnehmung folgt den Regeln des Schwarms. Vielleicht wiegt für den einen oder anderen, der Gedanke an die Möglichkeit, die Bilder im Internet im virtuellen Rundgang nochmals sehen zu können, die Einschränkungen, die Sixtinische Kapelle und ihre Gestaltung zu betrachten, auf.

Von den ‚Stanzen des Raffael‘ über das Etruskische Museum zur zeitgenössischen Kunst

Alt und staubig? Das etruskische Museum im Vatikan (Urbanauth /2019)

Nach dem Besuch warten weitere Museen und Galerien auf die Besucher*innen. Das Spektrum der Sammlungen ist breit, vom Ethnologische Museum zu einem Museum für Kutschen und weiteren Gemäldegalerien.

Ein anderes ‚must see’ ist in wenigen Metern nach der Sixtinischen Kapelle zu erreichen: die sog. „Stanzen des Raffael“. In vier Räumen kann man zentrale Werke der Kunstgeschichte betrachten. Raffael schuf parallel zu Michelangelo Werke, die als wegweisend für die Entwicklung der Malerei gelten, wie die Fresko-Darstellung der „Schule von Athen“. Auch hier ballen sich nochmal die Besucher*innen. Auffällig ist in den Zimmern des Raffael, was in anderen Museen nochmals deutlicher wird: Erläuterungen zu den Bildern sind äußerst knapp gehalten, der Erhalt und die Restaurierung der Sammlung scheint Vorrang vor Überlegungen zu einer zeitgemäßen, die Ausstellungsstücke begleitend-kommentierenden Präsentation zu haben.

Das Etruskische Museum, in das sich im Gegensatz zu Sixtinischer Kapelle und den Stanzen des Raffael nur weniger Besucher*innen verirren, wartet mit einer Fülle von Vitrinen auf. In diesen sind die Fundstücke aus Grabungen im antiken Etrurien eingelagert. Informationen findet man hier kaum. Die Vitrinen machen den Eindruck eines Lagers aus Töpfen, Vasen, Geschirr und anderen Gegenständen. Wie die Fülle der Ausstellungsstücke dorthin gekommen ist, welche Bedeutung sie haben, ist aus den wenigen Informationstafeln nicht zu entnehmen. Nur in Einzelfällen finden sich erläuternde, an die Wand geheftet Papiere, die offenkundig schon seit mehreren Jahrzehnten dort hängen. Auch hier gibt letztlich nur ein mitgebrachter Reiseführer, der Audioguide oder die Internetseite etwas mehr Informationen. Es bleibt der Eindruck eines Sammellagers für antike Gegenstände, deren Einordnung, Bewertung und Auswahl noch aussteht.

Zeitgenössische Kunstwerke in der Vatikanstadt

Robert Almagno: Der Atem der Gedanken / Vatikanische Museen (Urbanauth/ 2019)

Neugierig macht schließlich die Sammlung für zeitgenössische Kunst, das Jüngste der Vatikanischen Museum. Initiiert von Papst Paul VI. soll hier die Auseinandersetzung von zeitgenössischen Künstlern zur Religion befördert werden. Nach welchen Kriterien die Auswahl zustande gekommen ist, bleibt offen.

Die Sammlung beginnt mit Werken aus dem 19. Jahrhundert und endet mit neu angekauften Werken aus dem 21. Jahrhundert. Dass sich jemand dafür interessieren könnte, nehmen die Kurator*innen wohl nicht an; so lieblos wurde noch nie ein Henri Matisse aufgestellt und nirgendwo anders laufen so viele Menschen achtlos an Werken von Gabriele Münter, Paul Klee, Francis Bacon und anderen vorbei. Auch die Wärter scheinen nicht davon auszugehen, dass sich jemand für diese Sammlung interessiert. Eine Stunde vor Schließung wird bereits hinter einzelnen Besucher*innen abgesperrt. Traut man dem kontemplativ-religiösen Wert eines Otto Dix dann doch nicht?

Was bleibt nach dem Besuch? Für mich persönlich, die Wucht der Bilder Michelangelos, denen auch ein vielstimmiger Schwarm aus Menschen nichts anhaben kann, aber auch eine Installation von Robert Almagno von 2017 mit dem Titel: Il respirio del pensiero (The breath of thought), dessen langezogene Wellen aus Stahl bilden geradezu eine Aufforderung: inne zu halten, sich Zeit zu nehmen und mit dem eigenen Auge, ohne die Handykamera, die Dinge zu betrachten. Es bleibt aber auch der Eindruck der mangelnden Sorgfalt im Hinblick auf die Präsentation der Sammlungen in einzelnen Museen. Diese hinterlassen einen schalen Beigeschmack angesichts der offensichtlichen Notwendigkeit, Teile kuratorisch zu überarbeiten und ihre Präsentation dem Wissensstand des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Einen Überblick über die Museen findet man auf der offiziellen Seite der Vatikanischen Museen. Die Öffnungszeiten der Vatikanischen Museen und der sixtinischen Kapelle sind hier zu finden.

In Zeiten der Meeresverschmutzung durch Plastik

In Zeiten der Meeresverschmutzung durch Plastik

Ein Spaziergang an der Küste soll helfen, Stress abzubauen. Die Geräusche von Wellen, die zusammenbrechen und die untergehende Sonne, können eine friedliche Umgebung ermöglichen. Allerdings muss man sich heutzutage mit etwas anderem beschäftigen. Flaschenhalter, Klingen aus Nylon und Kunststoffscherben umgeben uns. Menschliche Abfälle ersetzten Steine, Kieselsteine und Muscheln.

Bakelit, der erste synthetische Kunststoff, wurde 1907 entwickelt. Von diesem Moment an schien die Zukunft der Welt gefährdet zu sein. Laut einem UN-Bericht fließen jedes Jahr 13 Millionen Tonnen Kunststoff in die Ozeane. Und wegen ihrer Langlebigkeit und Unzerstörbarkeit lassen sich Kunststoffpolymere über hundert Jahre lang zersetzen. Die enorme Menge dieses synthetischen Materials im Meeresboden beeinflusste das Ökosystem des Ozeans und löste eine neue Epoche aus: die Ära der Meeresverschmutzung durch Plastik.

Mandy Barker, eine internationale Fotografin, realisierte einen Fotobericht über Abfälle. Ihr zufolge kann die Kunst die Menschen verbessern, um dieses massive Problem leichter zu verstehen. In diesem speziellen Fall ist die Fotografie ein nützliches Werkzeug, um über die schädlichen Auswirkungen der Verschmutzung durch Meereskunststoffe zu berichten. Darüber hinaus trägt es dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein zu verbessern und hoffentlich den Aktivismus der Menschen zu fördern. Der Zweck von Mandy Barker ist offensichtlich:

„Kunst ist eine Form der Kommunikation, die die Fähigkeit hat, zu bilden, zu informieren und das Bewusstsein zu schärfen, in meinem Fall über den übermäßigen Verbrauch von Plastik, das ins Meer gelangt, und seine schädlichen Folgen.“

Wie das Bulletin für Meeresverschmutzung hervorhebt, haben die negativen Auswirkungen der Kunststoffverschmutzung Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Wohlbefinden der Menschen. Schiffsmüll ist zweifellos eine Quelle von Umweltstress. Sie führt zu einer übermäßigen Verschlechterung des aquatischen Milieus. Im Gegenzug werden die Menschen Schwierigkeiten haben, Aktivitäten durchzuführen, die im Zusammenhang mit sauberem Wasser stehen.

Aber wie können wir diese globale Katastrophe stoppen? Wie können wir zum Erhalt von Wasser und Biodiversität beitragen? Forscher der Universität Tel Aviv haben einen nachhaltigen, biologisch abbaubaren Kunststoff mit Algen hergestellt. Die Lösung für den wachsenden Kunststoffverbrauch besteht darin, die Polymere in den einzelligen Meeresorganismen zu verwenden. Die aus diesem speziellen Kunststoff gefertigten Objekte werden billig sein und sich schnell zersetzen.


Der marine Biokunststoff kann zu einer revolutionären Entdeckung nicht nur für die Ozeane, sondern auch für unsere eigene Gesellschaft werden. Dieser Öko-Kunststoff könnte für eine Vielzahl von Aktivitäten eingesetzt werden, einschließlich der Bekleidungsherstellung oder der Lebensmittelverpackung. Diese Innovation repräsentiert die menschliche Rolle in unserer Gesellschaft: die Fähigkeit, ein Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Umweltverträglichkeit zu finden.

München: Die Neue Pinakothek schließt bis 2027

München: Die Neue Pinakothek schließt bis 2027

Die neue Pinakothek in München, eine emblematische Institution der süddeutschen Landeshauptstadt, schloss zu Beginn des Jahres seine Türen. Das Museum, in welchem man Werke von Vincent van Gogh, Gustav Klimt und Goya sehen konnte, benötigt dringend eine Renovierung.

So tropft bei starkem Regen Wasser durch das Dach, während die Wände mit Asbest, einem schadstoffhaltigen Werksmittel zur früheren Dämmung, versetzt sind. Und auch die Technik zur Lüftung und Klimatisierung der Räume sei dem Bayerischen Rundfunk zufolge veraltet, weswegen das Gebäude über 2025 hinaus geschlossen bleiben wird. Zum aktuellen Stand wird mit 2027 gerechnet. Die Finanzierung der Baukosten in Höhe von 220 Millionen Euro wurde vom bayerischen Landtag genehmigt.

Neue Pinakothek München: großer Besucherstrom und eine würdige Abschlussführung

Eine riesige Schlange an Menschen wartet am 30. Dezember vor dem Eingang der Neuen Pinakothek, um die Sammlung ein letztes Mal in ihrer ganzen Pracht zu sehen. (Urbanauth / VGO / München / 2019)

Um allen Kultur-Interessierten die Chance zu geben, sich von den Meisterwerken aus dem 19. Jahrhundert zu verabschieden, war der Eintritt vom 17. bis zum 30. Dezember frei. Dies führte zu einem riesigen Besucherstrom, welcher sich bereits um 11 Uhr morgens bis in die Barerstraße ausbreitete. Dieser verlagerte sich dann zum Teil auf die alte Pinakothek und den anderen Kulturräumen im Museumsviertel.

Der fürs Erste letzte Tag der Neuen Pinakothek wurde mit einer groß organisierten Abschiedsführung beendet. So gab zum Beispiel der Generaldirektor Professor Doktor Bernhard Maaz Einführung mit Skulpturen und Klassizismus bis Rodin, während die Kunstvermittlerin Doktor Alina Langer unter dem Motto „Unter der Sonne des Südens. Vincent van Gogh“, Interessierten die Möglichkeit gab, etwas über den Expressionismus zu erfahren.

Doch auf die wichtigsten Werke der Sammlung der Neuen Pinakothek muss nicht vollständig verzichtet werden. So werden einige Werke in der Sammlung Schack sowie im Ostflügel der Alten Pinakothek dem Publikum erhalten bleiben. Die anderen Werke werden voraussichtlich in anderen Museen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ausgestellt.

Dieser Artikel ist in Englisch und Französisch verfügbar.

Der Artikel wurde am 28.07.19 aktualisiert. (Eröffnungsjahr und Finanzierung, Quelle SZ)

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