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Urbanismus: Was ist urbane Resilienz?

Urbanismus: Was ist urbane Resilienz?

Global. Die letzten Jahren tritt die Problematik des Klimawandels immer mehr in den öffentlichen Diskurs. Für die herkömmliche Stadtentwicklung von besonderer Bedeutung: Urbane Resilienz und Klima-resiliente Städte. Doch wovon spricht man bei urbaner Resilienz und welchen Herausforderungen sehen sich die Städte von Morgen zukünftig ausgesetzt?

Während Städte immer mehr wachsen und als Ballungsräume Wohnen, Arbeit und Urbanität vereinen, unterliegen sie umgebungsbedingten Faktoren. Der menschengemachte Klimawandel erhöht dabei die Risiken für urbane Lebensräume und hat ernste Auswirkungen auf die Infrastruktur. Aber auch soziale Ungleichheiten und gesellschaftliche Probleme beeinflussen die Stadt als geschlossenes System. Diese Umstände beeinflussen die Bauweise und Planung von Städten. Wie die Stadt von Morgen aussehen wird, hängt dabei davon ab, wie Klima-resilient sie sein wird.

Asphalt, Beton und zu wenig Bäume. Urbane Resilienz sucht nach Lösungsansätzen, um die Städte von Morgen zukunftssicher zu gestalten.
Asphaltlandschaft: Die Urbanisierung von Paris hat eine Landschaft aus Asphalt, Beton, Glas und Stahl entstehen lassen. Daraus resultieren urbane Hitzeinseln, welche nachts die Temperaturen in den Wohnungen steigen lassen. (Urbanauth / VGO / 2021)

Was ist urbane Resilienz?

Der Fachbegriff Resilienz stammt aus der Ökologie und wurde in den 70er Jahren das erste Mal benutzt. Dieser beschreibt die Fähigkeit eines Systems, im Falle einer Unterbrechung oder Störung die Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. Urbane Resilienz beschreibt also die Fähigkeit der verschiedenen Akteure (Institutionen, Wirtschaft, Einzelpersonen) sich auf die wechselnden Gegebenheiten anzupassen, zu überleben und sogar weiterzuwachsen.

Urbane Resilienz sucht nach Lösungsansätzen für die Herausforderungen und Entwicklungen unserer Zeit: Klimawandel, Urbanisierung und Globalisierung, aber auch sozialen Ungleichheiten. Ziel der Stadtentwicklung ist es dabei, das Katastrophenrisiko zu verringern und unseren städtischen Lebensraum an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Damit dies erfolgreich ist, braucht es einen gesamt-einheitlichen Ansatz, welcher die lokalen Gegebenheiten mit in Bezug nimmt.

Paris sieht sich als stark urbanisierte Stadt mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Die Suche nach urbaner Resilienz steht dabei im Kontinuum, eine lebenswerte und sichere Stadt zu gestalten.
Der Mangel an Grünflächen wird vielen Großstädten zum Verhängnis. Neben Hitzeinseln, führt die Versiegelung von Böden auch zu einer stark verringerten Aufnahmefähigkeit. Bei starkem Regen kann das Wasser nur begrenzt versickern und fließt stattdessen in die Kanalisation. (Urbanauth / VGO / 2021)

Resilienz: Welche Herausforderungen für die Städte von Morgen?

Städte als urbaner Lebensraum sind mehreren klimatischen und geografischen Risiken ausgesetzt. Zum einen Hitze mit Dürren, welche für Nahrungsunsicherheit sorgen sowie in Städten selbst, die Entstehung von urbanen Hitzeinseln durch die übermäßige Nutzung von Asphalt, Stahl und Glas. Zum anderen kann Starkregen zu Überflutungen führen und die Wasserkanalisationen überfordern, aber auch Hurrikane und Erdbeben sind konkrete Gefahren für Städte.

Abseits von den Risiken durch den menschengemachten Klimawandel, sehen sich Städte auch weiteren Problemen konfrontiert. Von Cyber-Angriffen, welche kritische Infrastrukturen lahmlegen, zu gesellschaftlichen Problemen wie: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Nahrungsunsicherheit und Wasserstress. Die Faktoren und Herausforderungen, welche Einfluss auf unsere Kapazität zur Resilienz nehmen, sind vielfältig, doch die Zukunft ungewiss.

USA: So will Biden’s Infrastrukturplan die USA zukunftsfähig halten

USA: So will Biden’s Infrastrukturplan die USA zukunftsfähig halten

Vereinigte Staaten von Amerika. In den USA wurde Präsident Biden’s überparteilicher Infrastrukturplan verabschiedet. Im November 2021 validierte der Kongress des Landes den Infrastrukturplan. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren 1,2 Billionen US-Dollars in die veraltete Infrastruktur der USA investiert werden. Wir erklären euch, was Bidens Infrastrukturplan beinhaltet und wohin das Geld investiert wird.

Nahezu ein Jahr wurde heiß über diesen Infrastrukturplan diskutiert, welcher auch als „Bipartisian Infrastructure Deal“ bekannt ist. Doch schlussendlich obsiegte das Argument, die Infrastruktur trotz einer hohen Verschuldung zu erneuern und die Städte besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Neben der Erneuerung von Straßen und unter anderem 45.000 instandsetzungsbedürftigen Brücken wird ein Großteil der Gelder in Mobilität investiert. Aber auch die Erneuerung der Wasserleitungen und das Wassermanagement, sowie die Reinigung von „Superfund-sites“, mit Altlasten kontaminierten Orten wie zum Beispiel ehemalige Fabriken, dem Bergbau oder illegalen Mülldeponien.

USA: Was ist Biden’s Infrastrukturplan?

Mobilität – Öffentliche Verkehrsmittel

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Mehr Bus und Bahn: Ein ikonischer Zug der Amtrak befördert Personen in die Ferne. (Foto: pxhere / CC0 Public domain)

Mit einem Geldumschlag von 66 Milliarden US-Dollar sollen die öffentlichen Verkehrsmittel erneuert werden. Unter anderem soll der Bestand an Bussen erneuert und durch CO₂-neutrale Alternativen ersetzt werden. Außerdem werden den Schul-Distrikten Gelder zur Verfügung gestellt, um in emissionsfreie und emissionsarme Schulbusse investieren zu können. Der Wandel weg vom Auto zu mehr öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein Schritt zu mehr Klimagerechtigkeit. Durch die erhöhte Mobilität wird ein wichtiger Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit geleistet, während der CO₂-Ausstoß langfristig verringert wird.

Elektromobilitätswende

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Nordamerikanische Infrastruktur: mehrspurige Highways und Wolkenkratzer. (Foto: Jaysen Trevino/ CC-BY 2.0 / Chicago / 2010)

Mit 7,5 Milliarden Dollar soll die Elektromobilitätswende vorangetrieben werden. Dabei planen die USA in Bidens Infrastrukturplan ihr erstes, nationales Netz an Ladestationen für E-Autos. Neben dem Ausbau der städtischen Infrastruktur, sollen dabei auch Ladestationen an den Highway-Korridoren entstehen, um längeres Reisen zu erleichtern. Die USA entscheiden sich in ihrer Elektromobilitätswende bewusst für E-Autos, statt wie die EU, welche auch Alternativen wie Wasserstoff als zukunftsfähig erachtet.

Biden’s Infrastrukturplan für die USA: Modernisierung und Resilienz

Um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu erhalten, sollen auch die Häfen und Flughäfen modernisiert werden. Um Reparatur- und Wartungsrückstände zu beseitigen, sowie die anliegende Verkehrsinfrastruktur auf die aktuellen und zukünftigen Anforderungen anzupassen, werden diese landesweit mit jeweils 17 Milliarden und 25 Milliarden US-Dollars subventioniert.

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Auch modernisierungsbedürftig: Straßen und Brücken in den USA. (Symbolfoto: Andrew Jameson / Wikimedia / 2010 / Flint, MI)

In Sachen Klima und urbane Resilienz stellt Bidens Infrastrukturplan die größte Investition in der US-amerikanischen Geschichte dar. Der Klimawandel wird dabei offiziell als Bedrohung für die Infrastruktur und Städte anerkannt. Deswegen werden 50 Milliarden US-Dollar zur Vorbeugung von Dürren, Hitze und Überflutungen bereitgestellt. Doch auch die Modernisierung der Wasserleitungen und des Wassermanagements steht im Vordergrund. So sollen alle bleihaltigen Wasserleitungen des Landes ersetzt werden. Mit 55 Milliarden US-Dollar soll so die amerikanische Wasserkrise bekämpft werden. Ungefähr zehn Millionen Bürger der USA sind von unsauberen Wasserzugängen betroffen. Die indigenen Völker und diskriminierten Bevölkerungsschichten und Räume sollen dabei ebenso von dem Infrastrukturplan profitieren.

Doch auch in Sachen Umweltschutz wird die nächsten Jahre vieles in den USA passieren. Für die Reinigung von Industriebrachen und „Superfund-sites“ sollen 21 Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden. Genug, um zumindest einige der nordamerikanischen Umweltsünden zu beheben.

Der Infrastrukturplan, um die USA zukunftsfähig zu halten

Schlussendlich liefert Bidens Infrastrukturplan auch ein kräftiges Bekenntnis hin zu erneuerbaren Energien und dem notwendigen Ausbau des Stromnetzes. Außerdem sollen Gelder für Forschung bereitgestellt werden, um die Flexibilität und Resilienz der Infrastruktur zu fördern. Insgesamt sollen hierfür 65 Milliarden investiert werden.

Biden’s Infrastrukturplan ist ein ambitioniertes Vorhaben, um die veraltete Infrastruktur der USA zu modernisieren. In Hinblick auf Gewährleistung von sauberen Trinkwasserzugängen eine lange fällige Maßnahme. Doch vor allem das Bekenntnis zu mehr erneuerbaren Energien und die Elektromobilitätswende sind hervorzuheben. Die Abkehr vom Öl als treibenden Wirtschaftsmotor hin zur Elektromobilität markiert einen wichtigen Abschnitt für die zukünftigen Entwicklungen in Nordamerika.

Ökologische Stadtviertel in Frankreich: nachhaltige Stadtentwicklung mit den Écoquartiers

Ökologische Stadtviertel in Frankreich: nachhaltige Stadtentwicklung mit den Écoquartiers

Stadtentwicklung. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen zunehmend unsere urbanen Lebensräume. Die französischen „Écoquartier„, ökologische Stadtviertel, sollen Abhilfe verschaffen und einen Beitrag zum Bau von Klima-resilienten Städten leisten. Diese ermöglichen eine umweltbewusste Bauweise. Wie diese zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen, erfährst du im folgenden Artikel.

Ökologie und Nachhaltigkeit in die Stadtplanung miteinzubeziehen, liegt im Zeitgeist. Vor allem Großstädte wie Amsterdam mit seinem steigenden Meeresspiegel oder Paris und seine urbanen Hitzeinseln sehen sich bereits konkreten Folgen des Klimawandels ausgesetzt. Die Städte von Morgen müssen sich nun auf die Herausforderungen vorbereiten. Denn die Auswirkungen des Klimawandels: Waldbrände, Erdbeben, Überschwemmungen und Hitze, treffen nun auch vermehrt urbane Ballungsräume.

Die französischen“Écoquartier“ sollen helfen. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt der französische Staat diese Art des ökologischen und partizipativen Umdenkens in der Stadtplanung und Entwicklung von nachhaltigen Wohn-, Arbeits- und Freizeitorten.

Ökologische Stadtviertel: nachhaltige Stadtentwicklung mit den französischen Écoquartier

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Blick auf das Écoquartier Clichy-Batignolles in Paris. Direkt an der Zugstrecke La Defense – Saint Lazare liegt die Bahnhofstation Pont Cardinet, welche an das neue Stadtviertel angrenzt. Nachhaltige Stadtentwicklung auf Französisch! (Foto: Urbanauth / VGO / 2019)

Das Siegel für ökologische Stadtviertel

Das „EcoQuartier“-Siegel gewährleistet die Einhaltung der Verpflichtungen und schafft gleichzeitig umweltfreundliche und nachhaltige Orte, an denen es sich gut lebt.

Seit 2012 definiert die offizielle Website der französischen Regierung ein ökologisches Stadtviertel wie folgt: „[…] ein vielschichtiges Stadtentwicklungsprojekt, das alle Fragen und Prinzipien nachhaltiger Städte und Gebiete integriert.“ Und die Öko-Viertel versuchen zu halten, was sie versprechen! Die Treibkräfte urbaner Innovation sind ökologisch intelligent geplant.

Zwischen Finanzkontrolle und partizipatorischem Prozess, Bürgermobilisierung und Berücksichtigung von Nutzerpraktiken und Bürgererwartungen: die Liste ist lang! Um das Écoquartier-Siegel zu erhalten, müssen 20 Verpflichtungen erfüllt werden.

Bis zum Erhalt des Écoquartier-Siegels, ist es ein langer Weg. Die vom französischen Ministerium festgelegten Schritte bestehen aus vier Phasen. Am Anfang steht die Unterzeichnung der Charta der ÉcoQuartier, die eine Studienphase des Projekts durch die lokalen Behörden einleitet. Es folgt die Baustellenphase, die eine Reihe von Spezifikationen beachten muss. Anschließend wird eine Expertise durchgeführt und die Einhaltung der Vorschriften überprüft. Wenn das Ökoquartier ausgeliefert wurde oder sich in der Endphase befindet, wird eine weitere Expertise durchgeführt, die den Weg für das Label „Écoquartier – Stufe 3“ öffnet.

Drei Jahre später wird eine neue Konsultation organisiert. In dieser wird ein Selbstbeurteilungsverfahren durchgeführt, in denen die Bewohner das Wort erhalten. Untersucht wird: die Erfüllung der Verpflichtungen. Die Art und Weise, in der die Umsetzung des neuen Wohnraumes von seinen Bewohnern akzeptiert wird, sowie die potenziellen Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung des Stadtteiles.

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Ein neuer Großstadtdschungel? Begrünte Dächer, Niedrigenergiebauweise und offene Plätze. So könnten in Frankreich die Stadtteile von morgen aussehen. (Symbolfoto: Urbanauth / VGO / 2020)

Intelligent bauen in der Stadt von Morgen:
die Écoquartier, ökologische Stadtviertel entwickeln sich am Puls der Zeit

Die Entwicklung urbaner und zugleich ökologischer Stadtteile in Zeiten des Klimawandels wird zu einem wichtigen stadtplanerischen Bedenken. Berücksichtigt werden lokale Gegebenheiten wie die Gefahr von Erdrutschen, Bränden oder Wärmefeldzonen. Der städtische Lebensraum von Morgen muss in der Lage sein, sich auf eine sich-verändernde klimatische Umgebung anzupassen.

Die landschaftliche und architektonische Harmonie spielt eine wichtige Rolle. Sie zielt darauf ab, die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern, aber auch die Identität der Stadt und ihr kulturelles Erbe hervorzuheben. Ein Vorteil der französischen Stadtentwicklung ist die Herangehensweise. Vorzugsweise werden große Areale komplett neu entwickelt. Dies ermöglicht es, das Gesamtbild von Stadtvierteln harmonisch abzustimmen.

Ökologische Stadtviertel werden großflächig entwickelt. Dadurch kann in der Planung die Organisation und Verteilung von öffentlichen Räumen in Form von Parks oder Grünkorridoren leichter berücksichtigt werden. Dies ist der Fall bei den revitalisierten Industriebrachen wie der Ile Seguin oder dem Öko-Viertel Clichy-Batignolles mit seinem Martin Luther King Park. Projekte dieser Größenordnung erfordern tiefgreifende Konsultationen und Studien.

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Moderne Architektur: Blick auf einen Innenhof im frisch entwickelten Sektor Saussure-Pont Cardinet. (Symbolfoto: Urbanauth / VGO / 2020)

Die Ökologie im Herzen der Stadt von Morgen

Ökologisches Bauen ist die Antwort auf zwei große Herausforderungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Um die Treibhausgasemissionen von Gebäuden zu begrenzen, werden diese Energie-effizient gebaut. Wie beim Passivhaus durch seine Ausstattung und Isolierung besitzen die französischen ökologischen Viertel eine niedrige Energiebilanz.

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Bald grün! Eine vegetalisierte Fassade im frisch fertiggestellten Écoquartier Clichy-Batignolles / Paris 17. Bezirk. (Photo : Urbanauth / VGO / 2020)

Das Label Écoquartier fördert den schonenden Umgang mit Ressourcen wie Baumaterialien, Wasser und Strom. Möglichkeiten umweltbewusst zu bauen existieren. Nachhaltiges Bauen durch Verbesserung der Gebäudehüllen und Dämmung ermöglichen eine thermische und energetische Effizienz. Dank einer Niedrigenergiebauweise sinkt der Heizwärmebedarf. Während erneuerbare Energien, durch Fotovoltaikanlagen auf Dächern und der Nutzung von Erdwärme, zusätzlichen Strom liefern. Auffangsysteme für Regenwasser helfen den Wasserbedarf zu entlasten.

Unter Berücksichtigung der „Grauen Energie“, dem Energieaufwand, fällt der Energiepreis, den eine Ressource in ihrem Lebenszyklus verbraucht. Dies umfasst ihre Herstellung, Transport, Lagerung, Verwendung und Entsorgung. All diese Schritte erzeugen CO2 und hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck. Durch verschiedene Maßnahmen kann dieser gesenkt werden: Recycelte oder lokale, umweltfreundlich produzierte Baumaterialien stellen Alternativen zum Import von Rohstoffen dar. Ein anderer Ansatz besteht darin, die Abfallproduktion zu begrenzen und alternative Methoden der Rückgewinnung und des Recyclings zu fördern.

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Vielfältige Architektur. Das ökologische Stadtviertel Clichy-Batignolles im Norden von Paris beeindruckt durch eine vielfältige Architektur. Kein Gebäude gleicht dem Anderen und dennoch reihen sie sich in ein harmonisches Stadtbild ein. (Foto: Urbanauth / VGO / 2019)

Das ökologische Stadtviertel als treibende Kraft für nachhaltige Innovationen

Nachhaltige und umweltfreundliche Innovationen. Die ökologischen Viertel in Frankreich sind Fundgruben für urbane Erfindungen. Vor Ort werden Sensoren installiert, um die Emissionen von Gebäuden zu messen. Die Verwendung von Big Data in der SMART-City hilft, die Stadt zu einem quantifizierbaren Ort zu machen. Einmal installiert, dienen diese Anlagen zur Messung und Verbesserung des Energieverbrauchs. So kann potenziell der Energiebedarf und der Umgang mit den Ressourcen optimiert werden.

Ein weiterer Schritt zur nachhaltigen Stadtentwicklung ist es, den Zugang zu öffentlichen und kollektiven Verkehrsmitteln zu erleichtern. Dies ermöglicht es, Autos in der Nachbarschaft zu verringern und leistet einen Beitrag zur Luftqualität. So ist es nicht verwunderlich, dass Fußgängerzonen in den Écoquartieren keine Seltenheit sind.

Ökologische Stadtviertel sind eine treibende Kraft für die zukünftige, urbane Resilienz von Städten. Nachhaltig und gesellschaftlich wertvoll: Das Label „ÉcoQuartier“ dient als Qualitätsgarantie. Genauso wie die Zufriedenheit seiner Bewohner. Die neuen ökologischen-Viertel unterstützen eine kontinuierliche Erneuerung der französischen Architektur und gewährleisten vor allem ein hervorragendes und nachhaltiges Lebensumfeld!

Essay: Das Grand-Paris der Zukunft und die Stadt von Morgen

Essay: Das Grand-Paris der Zukunft und die Stadt von Morgen

Willkommen in der einzigartigen Stadt der Zukunft

Ein Essay zum Grand-Paris

Wir schreiben das Jahr 2026 und schauen auf den turbulenten Beginn der Zwanziger Jahre zurück.

2026 hat sich unsere urbane Lebenswelt weiterentwickelt. Die Bedeutung von Automatisierungsprozessen, der Einsatz von „Nichen- Künstliche Intelligenzen“ in unserem Alltag, wie z.B. Smart-Homes / -Cities, sowie im digitalen Raum führt zu starken Debatten. Das Zeitalter der Kommunikation, welche mit dem Internet anbrach, revolutionierte auch unsere städtische Organisierung. Kommunikation ermöglicht Partizipation. Mit holistischen Ansätzen in der Prozessgestaltung wird umso mehr versucht, so viele Bevölkerungsgruppen wie möglich zu erreichen und in die Stadtgestaltung miteinzubeziehen. Die Digitalität hat ihren Anschluss zur Urbanität erfolgreich gemeistert.

Rückblickend auf 2021 hat die Corona-Pandemie unsere globale Gesellschaft verändert und die Digitalisierung vorangetrieben. Homeoffice wurde schlagartig normalisiert. Lustigerweise geschah dies in Frankreich mit einem Monat Vorsprung. Da dort 2019 Dezember-Januar Generalstreike stattfanden, welche starke Auswirkungen auf die Mobilität der Bürger ausübten, machten viele Bürger bereits die Erfahrung vom „Télétravail“, dem französischen Homeoffice. Die anschließenden Lockdown-Restriktionen blieben jedoch allen Bürgern lange in Erinnerung.

Doch schlussendlich überwogen die längerfristigen Entwicklungstrends mit dem Grand-Paris, seinem Grand-Paris Express und den Écoquartiers, nachhaltigen Stadtvierteln.

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Willkommen im Grand Paris von Morgen! Wie könnte dieser Ort nördlich von Paris in fünf Jahren aussehen? (Urbanauth / VGO / 2021)

Wird das Grand Paris der Zukunft und Stadt von Morgen von der Corona-Pandemie lernen?

Die Nebeneffekte der Pandemie (2019-2021) haben zu neuen Erkenntnissen geführt und Innovation vorangetrieben. Auch wenn die Regierungen weiterhin ihren Klimazielen hinterhinken, Umweltkatastrophen seitdem in regelmäßigen Zyklen ganze Regionen der Erde verwüsten und Energie, sowie Ressourcen-Politik im Vordergrund steht; so beginnt der nachhaltige Städtebau der letzten Jahrzehnte Früchte zu tragen.

Den größten urbanen Wandel kennt dabei der Ballungsraum von Paris in der kleinen Krone von Paris. Das Grand-Paris besteht aus den Departements Paris (75) im Zentrum, den Hauts-de-Seine (92), der Seine Saint-Denis (93) im Norden und dem Val de Marne (94) im Norden. Diese wird als „Petite Couronne“ („kleine Krone“) bezeichnet. Die „Grande Couronne“ welche sich wie ein Gürtel um die kleine Krone legt, besteht aus den Departements Seine et Marne (77), den Yvelines (78), der Essonne (91) und dem Val-d’Oise (95).

Vor zwei Jahren fanden die Olympischen Spiele 2024 (JO2024) statt. Urbanistisch betrachtet, dienten die Spiele dabei vor allem dazu, die ungebrochene Anziehungskraft und stadtentwicklerischen Errungenschaften von Frankreich zu demonstrieren und… das (nahezu) fertiggestellte Grand-Paris der Welt vorzustellen!

Der Grand-Paris-Express und die neue Mobilität in der Stadt von Morgen

Grand Paris Stadt von Morgen Vorort Saint-Ouen 93 Departement  Seine-Saint Denis mit neuer Bahnhifhaltestelle "Gare de Saint-Ouen", Eingang zur Haltestelle Grand Paris Express Ubahn Linie 14
Ein Zugang zum neuen Bahnhof von Saint-Ouen. (Urbanauth / VGo / 2021)

Der Bau des Grand-Paris-Express hat die Mobilität sowohl zur, als auch um die Hauptstadt schlagartig erhöht. Das Haussmannische Paris wurde unter der Bürgermeisterin Anne Hidalgo zum großen Paris. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in Form von Straßenbahnen, U-Bahnen, Bussen und Sharing-Konzepten, wie im Falle von Fahrrädern und Rollern, hat eine gleichmäßigere Verteilung der Mobilität ermöglicht. Mit der Erweiterung der Linie 14 wurde unter anderem ein Beitrag zur Verringerung der gesellschaftlichen Ungleichheiten geleistet. Zugleich erfolgte jedoch auch eine Gentrifizierung und Vertreibung von ärmeren Bevölkerungsschichten. Diese mussten sich bis tief in die „neuen Städte“ (nouveaux villes), wie Cergy-Pontoise (95), zurückziehen. Und auch die veraltenden Wohnanlagen von Grigny-2 (91) haben sich nicht verändert.

Die sozialen Ungleichheiten bleiben dabei nach wie vor ein wichtiges Gesellschaftsproblem. Dennoch lässt sich bereits ein erster Trickle-Down-Effekt beobachten. Die Mobilität leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Ungleichheiten. Durch die Dezentralisierung der Verkehrsadern von Paris eröffnen sich neue Arbeitsmöglichkeiten. Die neuen Wohngebäude und Grünflächen haben für einen Großteil der Bevölkerung den Lebensstandard erhöht. Auch konnten vor allem im Norden von Paris Erfolge gegen die Jugendarbeitslosigkeit erreicht werden. Die Förderprogramme für Ärzte in der Seine-Saint-Denis führten in den letzten fünf Jahren zu einem Zuzug an benötigten Fachkräften im Gesundheitssektor.

2026 wird man wohl noch nicht an eine „Grande-Île de Paris“ denken

Dennoch werden erste Stimmen laut, das Grand-Paris auch auf die äußere Krone der Île-de-France auszuweiten. Hinsichtlich der gigantischen Verschuldung für die Erneuerung und Erweiterung von Paris, bleibt dies jedoch wohl in weiter Ferne. Die Immobilienspekulationen, welche ab 2012 mit der Konkretisierung der Infrastrukturpläne für das Grand-Paris begann, nimmt gefährliche Ausmaße an. Dennoch konnten einige große Erfolge in der nachhaltigen Stadtentwicklung erreicht und die Modernisierung der Stadt vorangetrieben werden.

Das Grand-Paris zählt dabei ungefähr 130 limitrophen Kommunen und umfasst über sieben Millionen Einwohner.

Auf den Spuren der Baukultur des Grand Paris und der Entwicklung eines Ballungsraumes

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Relikte aus einer anderen Zeit. Wird dieses Gebäude die Stadt der Zukunft in Form des Grand-Paris miterleben? … Wahrscheinlich nicht (Urbanauth / VGO / 2021)

Mit großer Freude plane ich, das Écoquartier Clichy-Batignolles zu besichtigen. 2020 hatte ich einen Artikel zu diesem nachhaltigen Stadtviertel auf Französisch geschrieben und dies fotografisch dokumentiert. In wenigen Jahren entstand hier ein Viertel, welches die Konzepte der „Produktiven Stadt“ und Nachhaltigkeit verbindet. Ein Mischangebot von Wohnen, Arbeiten und Erholung wurde dabei erfolgreich auf dieser ehemaligen Industriebrache umgesetzt. Die Arbeiten begannen mit dem Martin-Luther King Park im Zentrum des Stadtteils. Die grüne Lunge des Viertels!

Den Bau hatte ich über mehrere Jahre hinweg beobachten können und nach dessen Fertigstellung begann eine Phase der Einlebung und Formung vom Viertelleben. 2026 ist es hier grün und belebt. Das Écoquartier beherbergt Menschen aus allen sozialen Klassen und Alters. Durch die Smart-City Konzepte mit ihren Sensoren und der Quantifizierung der Stadt, hat sich über die letzten fünf Jahre ein wichtiger Datenschatz ergeben, der inzwischen analysiert werden kann. Verkehrsberuhigte Zonen in Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Ladenpassagen auf den Erdgeschossebenen schufen in diesem hochkompakten Vierteln eine kleine Welt für sich.

Im Grand Paris von 2026 hat sich Saint-Ouen am meisten zur Stadt der Zukunft gebildet

Ähnliche Ansätze lassen sich im angrenzenden Vorort Saint-Ouen und dem Giga-Projekt „Saint-Ouen Les Docks“ beobachten, welche pünktlich zu den Olympischen Spielen 2024 fertiggestellt wurden. Die neuen Häuserbauten haben das Stadtbild komplett verändert! Aufwändige Ornamente an den Fassaden wurden gegen glatte Oberflächen eingetauscht. Dennoch wird in den französischen Umsetzungen auf eine Variation des Stadtgewebes geachtet. Kein Hochhaus gleicht dem Anderen und auch einige Backstein- und haussmannische Gebäude aus dem vorangegangenen Jahrhundert konnten erhalten werden. Die Diversität der Architektur wird durch die Gestaltung des Raums ergänzt, wie im Falle der Platzierung von kleinen Grün- und öffentlichen Flächen, aber auch der öffentlichen Kunst (Skulpturen und urbane Kunst).

Auch wenn die kürzliche Fertigstellung der riesigen Tour Triangle im 13. Bezirk von Paris auf beeindruckende Weise das Stadtbild prägt, so wird der Wandel vor allem im Norden der Stadt in den 17. und 18. Bezirken ersichtlich, sowie den angrenzenden Vororten Clichy, Gennevilliers und Asnieres-sur Seine. Ein Fokus der Stadtentwicklung lag dabei 2020 auf den Banlieues von Saint-Ouen, , Saint-Denis, Aubervilliers, welche u.a. im interkommunalen Bebauungsplan als Saint-Denis La Plaine bezeichnet werden. Diese Zone welche sich 2021 noch in der Aufwertung von Gebäuden, Erschließung von Bauflächen befand und seitdem einer ewigen Baustelle glich, findet inzwischen zu einem normalen Alltagsleben. Vor allem die dortigen Geschäftsniederlassungen von großen Firmen, wie EDF und Bosch, profitieren von einem Wohnangebot für ihre Fachkräfte. Die Universitäten und Kulturräume sowie – institutionen unterstützen die kulturelle Entwicklung und ermöglichen eine florierende, urbane Kultur.

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Urbane Kultur gibt es hier zu genüge! Graffiti von der Sprüherin Nake auf einer Baubrache in Saint-Ouen. (Urbanauth / VGO / 2021)

Das Grand-Paris und die Stadt der Zukunft. Fokus auf den Norden von Paris

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Im Norden von Paris verliert der Vorort Saint-Ouen Stück für Stück seinen industriellen Charakter und vollzieht die Eingliederung in die Stadt der Zukunft Frankreichs mit dem Grand-Paris. (Urbanauth / VGO / 2021)

Im Norden von Paris hat dabei ein Teil des zentralistischen Geist der französischen Stadtplanung mit der Eröffnung des neuen Justizpalasts überdauert. Der von Renzo Piano entworfene, an der Porte de Clichy gelegene Wolkenkratzer mit seinen 160 Metern Höhe, thront seit 2019 über dem 17. Bezirk und die angrenzende Ringautobahn, welche den Beginn der Vororte markiert. Unter anderem grenzt der Turm an das Écoquartier Clichy-Batignolles und die Batignolles. Seine Eröffnung hatte enorme Auswirkungen auf die Zusammensetzungen der Stadtgesellschaft und Umgebung. Die unsichtbare Grenze der Avenue de Clichy, welche das gentrifizierte Viertel der „Batignolles“ von den populären „Epinettes“ trennte, ist verschwunden. Doch das Verschwimmen von Grenzen hört nicht in Paris auf. Durch die Fertigstellung des Grand-Paris verschwimmt die stärkste physische Grenze der französischen Hauptstadt: dem Périphérique, der Ringautobahn. Der Schatten vom neuen Justizpalast zieht sich bis in die Vororte. Durch das Freiwerden von weiteren Wohn- und Arbeitsflächen nach den Olympischen Spielen von 2024, dem vorangegangenen Bauwahn und Immobilienverkäufen treten erste Spannungen auf.

Und auch wenn sich die gentrifizierten Vororte Clichy und Saint-Ouen durch Quoten an Sozialwohnungen einen populären Geist bewahren, hat der Fortzug der mittelbürgerlichen Schichten aus dem Stadtkern an den Rand vom Grand-Paris Auswirkungen auf das Stadtleben und die Zusammensetzung der Gesellschaft. Die kontinuierliche Nachfrage sieht sich in den nächsten Jahren möglicherweise mit der Tendenz einer aufkommenden Immobilienblase konfrontiert. In den kommenden Wahlen wird sich dabei entscheiden, ob sich auf kommunaler Ebene der Wandel der Politiklandschaft fortsetzt. War 2021 das Ende der „Couronne rouge“ („Rote Krone“) eine Befürchtung, so festigte sich dieser Prozess mit dem Zuzug anderer Bevölkerungsschichten. Die einst kommunistisch geprägte „Krone“, welche sich um Paris legte, weicht ökologisch und pro-europäisch orientierten Werten.

Auch wenn einige alte, graue Plattenbauten aus brutalistischen Zeiten dem Wandel zu trotzen wissen… So scheinen die bisherigen Aktionspläne gegen soziale Ungleichheiten, abgesehen von der gestiegenen Mobilität, dem Gesundheitssektor und der Instandsetzung der Polizeikommissariate von Aulnay-sous-Bois und Epinay-sur-Seine, noch keine konkreten Ergebnisse zu liefern. So mag zwar der Lehrermangel an den Bildungseinrichtungen im 93 gesunken sein, doch andere Spannungen bleiben bestehen.

Ganz in der Analogie zu Haussmanns Restrukturierung von Paris, den damaligen politischen Unruhen und dem Ruf nach mehr Hygiene, steht das Grand-Paris Haussmann’s Ambitionen in keinster Weise nach. Doch wer kennt schon die Zukunft, welche auf die goldenen Zwanziger folgt?

[Ende der Fiktion]

Urbanismus als Lebensweise

Urbanismus als Lebensweise

Es ist unmöglich Städte aus einer einzelnen Perspektive zu untersuchen. Das Einbringen verschiedener Disziplinen ist notwendig um alle Aspekte der urbanen Realität verstehen zu können (Lamy, 2019).

Der Ursprung von Zivilisation lässt sich auf eine Zeit zurück datieren in der Menschen sich dazu entschieden haben sich niederzulassen und als Gruppe zusammen zu leben. Diese Gemeinschaften waren Orte des Austausches, in denen sie Stabilität gefunden haben. Ihre Entwicklung folgte den Prinzipien der Natur und dem Zyklus des Lebens, sowie ihren Glaubensvorstellungen.

Diese Arten des Lebens sind heute Vergangenheit. Laut der UN werden bis zum Jahr 2050 66% der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Glaubensvorstellungen und Handlungen der Menschen haben sich verändert und damit auch die Art der Gemeinschaftsbildung. Besonders auffällig auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent, wo Städte rasant wachsen. Diese sogenannten Mega-Städte sind mit vielen Problemen und Aufgaben konfrontiert: Öffentlichen Verkehrsnetze, bezahlbare Wohnräume und Klimawandel. Zukunftsorientierte Planungsprozesse sind notwendig, um diese Aufgaben angehen zu können.

Die Aufgabe des Urbanismus ist es Städte zu untersuchen, zu studieren und mögliche Verbesserungen zu entwickeln. Das Ziel ist es die Lebensqualität der Menschen durch bessere Infrastruktur und Ausrüstung zu erhöhen. Damit dies gelingen kann, bedarf es einer ganzheitlichen Vision. Urbanismus kann soziologische, ökonomische, politische, rechtliche und technologische Entwicklungen kombinieren, um eine nachhaltige Stadt zu planen.

Die Zone um „Le Confluence“ in Lyon in der Nähe des Bahnhofes Perraches wird revitalisiert. (Urbanauth / 2018)

Urbanismus und Urbanisierung

Es ist wichtig die Unterschiede zwischen Urbanismus und Urbanisierung zu definieren, da sie oft miteinander verwechselt werden. Ersteres bezieht sich auf die analytische Untersuchung, Erforschung und den Planungsprozess von Städten, während Zweiteres sich mit Städteentwicklung auseinandersetzt.

Urbanismus ohne Urbanisierung ist zwar möglich, jedoch würde Urbanisierung ohne Urbanismus Chaos verursachen. Ein Beispiel dafür sind die unregelmäßigen Siedlungen in lateinamerikanischen Städten. Diese leiden seit den 1950er Jahren unter steigendem Wachstum durch Landflucht. Jedoch haben hohe Wohnkosten dazu geführt, dass sich die Bevölkerung weit entfernt von urbanen Zentren niedergelassen haben, ohne Ordnung oder Planung.

Eine solcher Siedlungen ist Ecatepec in Mexiko. Zurzeit leben dort 1,6 Millionen Einwohner in prekären Lebensumständen und leiden unter starker Überbevölkerung, fehlender Infrastruktur (wie Straßenlampen oder Gehwege) und fehlenden Grünflächen. Diese Umstände haben Escatepec zu einer der – gefühlt – unsichersten Städte des Landes gemacht.

Wegen der Nähe zu Mexico City und den Straßen die seit den 1940er Jahren gebaut wurden, haben sich viele Menschen Mexikos in Ecatepec niedergelassen. Das Wachstum wurde weiterhin durch die fehlenden Regulierungen zum Landerwerb gefördert. Jedoch führte dies zur Urbanisierung ohne Planung.

Heute ist Ecatepec die am dichtesten bevölkerte Gemeinde des Landes. Es herrschen Armut und Arbeitslosigkeit. Die Bewohner arbeiten hauptsächlich in industriellen Sektoren die von hoher Unsicherheit und vielen Überstunden begleitet werden. Es ist ein Ort der von Gewalt, Übergriffen, Entführung und Frauenmorden heimgesucht wird.

Ein weiteres Beispiel für ungeplante Urbanisierung sind die favelas in Brasilien. Diese begannen als Wohnort in den Bergen rund um Rio de Janeiro. Die Bewohner errichteten improvisierte Häuser aus billigen Materialien aufgrund von Wohnungsmangel in der Stadt. Heute sind sie ein Symbol der südamerikanischen Staaten. Jedoch sind sie auch bekannt für Drogenschmuggel und Kriminalität.

Urbanismus und urbane Gestaltung

Urbane Gestaltung geht stark mit urbaner Planung einher, doch beinhaltet sie greifbarere und spezifischere Handlungen. Urbane Gestaltung befasst sich mit dem der Stadtbevölkerung zur Verfügung stehenden Platz. Es integriert Disziplinen wie Architektur und Landgestaltung, die sich auf die Ausgestaltung von öffentlichen Plätzen, Grünflächen und Bushaltestellen konzentrieren. Es zielt darauf ab den Bewohnern ein angenehmes Umfeld im öffentlichen Raum zu schaffen.

Heutzutage beschäftigt sich urbane Gestaltung mit Aspekten wie universellem Zugang zu öffentlichen Orten, beispielsweise durch Rampenbau für Menschen mit Gehbehinderung oder sprechenden Ampeln für Menschen mit Sehbehinderung. Zusätzlich wird der Fokus auf einen inklusiven, erkennbaren Raum für Fußgänger gelegt.

Ein weiterer Ansatz von Designern bei der urbanen Gestaltung ist die Geschlechter-Frage. Öffentliche Räume, die solche Kriterien integrieren enthalten Elemente die Sicherheit und Komfort für Frauen steigern sollen. Darunter fallen:

  • Fußgänger-Beleuchtung
  • Gekennzeichnete Gehwege
  • Bodenbeläge ohne Einschränkung auf Schuhwerk
  • Öffentliche Toiletten
  • Ablageplätze an Bushaltestellen für Schubkarren oder schwere Lasten
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Das Viertel Saussure-Cardinet im 17. Bezirk von Paris wurde vor Kurzem fertiggestellt. Die Straßen sind verkehrsberuhigte Zonen. (Urbanauth / 2020)

Urbanismus und soziologisch-urbane Studien

Das Ziel von Urbanismus geht über das Verstehen einer Stadt hinaus und befasst sich mit der Umsetzung von Richtlinien und der Verbesserung des Umfelds. Jedoch ist für die Formulierung von konkreten Maßnahmen ein tieferes Verständnis für urbane Dynamiken notwendig. Beispielsweise:

  • Die Relevanz des öffentlichen Raums für die Interaktion zwischen Menschen
  • Die Art und Weise wie die Gestaltung des Raums das Verhalten der Menschen steuert. Sprich die Definition von Raum als künstlich geschaffen, sowie natürlich entstanden, sowie ergänzend der Raum, der durch Kommunikation kreiert wird.

Urbane Studien in der Soziologie wurden mit Architektur und urbaner Planung gekoppelt. In den letzten 10 bis 20 Jahren wurde der Fokus aber auf folgende Aspekte gelegt:

  • Die Arten von öffentlichem Raum und Städten
  • Der Informationsfluss in und zwischen diesen
  • Die Auswirkungen von Migrations-Flüsse
  • Die Entwicklung von kleinen Gemeinschaften und deren Verbindung mit großen Städten
  • Schichtung und Infrastruktur zwischen Städten
  • Mobilitätsmuster und Nutzung von öffentlichem Raum.

Diese Themen sind wichtig für Städteplaner, denn der Erfolg ihrer Strategien hängt von ihrem Verständnis ab.

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Neuer Urbanismus

Städteplaner haben neue Herangehensweisen zur Städteentwicklung adaptiert. Der neue Urbanismus stellt sich gegen die Idee einer horizontalen Expansion und Teilung von Städten in Zonen sowie den Bedarf an Autos. Er ist für die Bevölkerung und sollte so gestaltet werden, dass er auf die Menschen angepasst wird. Dabei werden folgende Prinzipien berücksichtigt:

  • Begehbarkeit: Die Straßen sind fußgängerfreundlich und die notwendige Infrastruktur für reibungslose Mobilität wird gewährleistet. Hinzu kommen Orte wie Schulen, Läden, Krankenhäuser, sowie die Idee, dass Restaurants in 10 Minuten von zu Hause oder dem Arbeitsplatz erreichbar sind.
  • Konnektivität: Die Struktur der Straßen, Wege und Boulevards in den Städten werden so gestaltet, dass der Verkehr fließend bleibt. Zudem soll jeder Bereich der Stadt so einfach und schnell wie möglich zu erreichen sein.
  • Diversifizierung: Nachbarschaften sollen verschiedene Typen von Gebäuden und Geschäften beherbergen, einhergehend mit Wohngebäuden, die von verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern und sozioökonomischen Schichten bewohnt werden.
  • „Mixed housing“: Wohnung in verschiedenen Größen, Typen und Preisen in derselben Gegend
  • Architektur und urbane Gestaltung: Auf Bewohner zugeschnittene Gestaltung des öffentlichen Raums um eine angenehme Umgebung zu schaffen. Dabei wird besonders viel Wert auf Ästhetik und Grünflächen gelegt.
  • Hohe Dichte: Vertikale Bauten werden gegenüber horizontalem Wachstum bevorzugt, da es kürzere Wege in den Städten ermöglicht und gleichzeitig die Kosten für Infrastruktur senkt
  • „Grüner“ öffentlicher Personenverkehr: Subventionierung von nicht-motorisierten oder öffentlichen Verkehrsmitteln, darunter fallen Züge, Busse und Fahrräder
  • Nachhaltigkeit: Umweltschonendes Wirtschaften, beispielsweise Wasser- und Energieeinsparung, Konsum von lokalen Produkten und das Reduzieren von motorisiertem Verkehr.

Urbanismus und Smart Growth

Die Prinzipien des neuen Urbanismus wurden vom Konzept des „Smart Growth“ abgeleitet. Eine Stadt, die klug und überlegt wächst, hat verschiedene Vorteile für die Bewohner, wie eine höhere Lebensqualität, eine höhere Anzahl an Geschäften und mehr Möglichkeiten für Investoren und Immobilien. Im „Smart Growth“ Konzept sind viele Modelle des Communitybildens enthalten. Eines davon sind die TOD’s (Transit Oriented Developments, zu deutsch: Transit orientierte Entwicklungen). Diese versuchen für die Bewohner Möglichkeiten zum Nahverkehr durch verschiedene, leicht zugängliche und günstige Arten zu ermöglichen, die zugleich einen niedrigen CO-Abdruck hinterlassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, folgen TOD’s den Prinzipien von:

  • Fußwege: Sichere und zugängliche Umgebung für Fußgänger
  • Rad fahren: Sicheres Verkehrsnetz für Fahrradfahrer
  • Verbindung: kurze und direkte Fußgänger- und Fahrradwege
  • Transport: Qualitativ hochwertiges öffentliches Verkehrsnetz mit Erreichbarkeit zu Fuß
  • Mischung: Dienstleistungen, die sich in kurzer Entfernung von Heim und Arbeit befinden. Zudem ist der öffentliche Raum zu jeder Zeit erreichbar
  • Verdichtung: Plätze mit einer hohen Konzentration von Wohnungen und Arbeit haben die wichtigsten Dienstleistungen im direkten Umfeld
  • Kompaktisierung: Neue Entwicklungen werden im Stadtraum umgesetzt und nicht in die Vororte verlegt
  • Verlagerung: wenig Platz wird für Privatverkehr zur Verfügung gestellt (TOD Standard, ITDP 2017)

Angelehnt an die Transit orientierten Entwicklungen gibt es das sogenannte Walk-Up Modell. Nach diesem sollen Nachbarschaften so konstruiert werden, dass alle wichtigen Dienstleistungen und Geschäfte des Alltags zu Fuß erreichbar sind.

Urbanismus und Klimawandel

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Eine illegale Müllhalde in La Courneuve, einer nördlichen Banlieue von Paris. (Urbanauth / 2020)

Städte spielen eine Schlüsselrolle zur Bekämpfung der Erderwärmung. Sie verbrauchen mehr als 60% der Energie und produzieren 70% der Treibhausgase, sowie 70% der Feststoffabfälle weltweit. Alle Auswirkungen des Klimawandels wie Unwetter, Fluten, Feuer, Dürren und der Senkung der Biodiversität sind alarmierend. Die Kommunalverwaltungen müssen beginnen urbane Projekte und Regulierungen an diese tiefgreifenden Veränderungen anzupassen.

Der Kampf gegen den Klimawandel kann auf zwei Arten passieren: Abschwächung und Anpassung. Ersteres konzentriert sich auf die Reduzierung von Treibhausgasen, Energie- und Wasserverbrauch, so wie der Müllproduktion. Anpassungsmaßnahmen zielen darauf ab die Auswirkungen von Klimakatastrophen auf Städte zu verringern. Ergo Maßnahmen gegen Fluten, Erdrutsche und hohe Temperaturen einzuleiten.

Eine Abschwächungsmaßnahme, die sich als potenziell erfolgreich erwies, ist die Bildung von sogenannten Umweltzonen. In diesen wird der Verkehr an den Ausstoß von Emissionen gekoppelt. Eine gängige Regelung ist beispielsweise das Verbot von älteren Fahrzeugen und Lastwagen in diesen Zonen.

Um sich an die Veränderungen des Klimawandels anzupassen werden zum Beispiel neue Grünflächen geschaffen, sowie Bäume im Stadtzentrum gepflanzt. Maßnahmen reduzieren die Temperaturen und erleichtern die Aufnahme von Regenwasser, was gleichzeitig das Risiko für Fluten verringert.

Um den Erfolg von Abschwächungs- und Anpassungsmaßnahmen zu gewährleisten, muss die Nachhaltigkeit der jeweiligen Maßnahme mit in Betracht gezogen werden. Dazu gehört eine ökonomische, sozial- und umweltfreundliche Befriedigung der Bedürfnisse einer Gemeinschaft, ohne dabei die Möglichkeiten der folgenden Generationen zu verringern ihre Bedürfnisse gleichermaßen zu erfüllen.

Zum Abschluss

Urbanismus als eigene Disziplin versucht die Lebensbedingungen der Menschen in einer Gemeinschaft zu verbessern. Es ist also mehr als das Analysieren und Untersuchen von Städten. Es ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen rasanten Entwicklungen des Zusammenlebens und muss daher mit anderen Disziplinen eng zusammenarbeiten, um eine effiziente Neugestaltung unseres Miteinanders zu schaffen. Menschen formen Städte, aber auch Städte können unser Leben formen. Zum Guten und zum Schlechten.

Anmerkung: Dies ist eine Übersetzung des englischen Originals.

Dieser Artikel wurde am 29/08/2020 von Vincent Göhlich leicht bearbeitet.
– Es wurden sachliche Beispiele verlinkt
– Bilder wurden dem Artikel beigefügt
– Veränderungen am Layout

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