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Frankreich / Paris. Diese 3 Zahlen über Sozialwohnungen in Paris sollte man kennen. Welchen Anteil bilden Sozialwohnungen im Pariser Stadtbild und in welchen Formen werden diese angeboten.

Die französische Hauptstadt mit ihren zwei Millionen Einwohnern stellt einen wichtigen Teil an Sozialwohnungen für Bedürftige und Geringverdiener. Von 2001 bis 2020 wurden den Recherchen des gemeinnützigen Vereines APUR zufolge 113.115 Sozialwohnungen in Paris finanziert. Die seit 2001 geschaffenen Sozialwohnungen werden auf drei verschiedene Arten den französischen Bürgern zur Verfügung gestellt: durch den Bau neuer Gebäude, die vollständige Sanierung zuvor freigewordener veralteter Gebäude und den Kauf von Wohngebäuden unter bestimmten Bedingungen. Im folgenden Artikel werden drei Zahlen zum Sozialwohnungsbau vorgestellt.

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Im 19. Bezirk von Paris befinden sich besonders viele Sozialwohnungen. (Urbanauth / VGO / Paris / 2021)

Sozialwohnungen in Paris: diese Zahlen über den sozialen Wohnungsbau sollte man kennen

Zurzeit verfolgt die Stadt von Paris ein vier Ziele im sozialen Wohnungsbau: Die Anzahl der Sozialwohnungen soll erhöht werden, um die im SRU-Gesetz festgelegte Schwelle zu erreichen, sie sollen besser über das Stadtgebiet verteilt werden, es sollen Familienwohnungen geschaffen werden, die der Pariser Nachfrage entsprechen, und das Mietangebot innerhalb von Gebäuden soll diversifiziert werden, um eine soziale Mischung zu gewährleisten. Ein Bedarf an solchen Maßnahmen besteht dabei nahezu in allen Bezirken. Die soziale Mischung trägt dabei zur Lebensqualität der Stadtviertel bei und einer ausgeglichenen Gesellschaft.

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Grafik zum Anteil der Sozialwohnungen aus Neubau, Erwerb und Sanierung sowie Erwerb und Konventionierung. (Grafik: Urbanauth / VGO / 2022)


Die von 2001 bis 2020 finanzierten Sozialwohnungen verteilen sich insgesamt auf 51.748 Neubauwohnungen (46%), 19.507 Wohnungen durch Erwerb und Sanierung (17%) und 41.860 Wohnungen durch Erwerb und Konventionierung (37%) („Conventionnement de logements„). Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung zur Konventionierung verpflichtet sich der Vermieter für eine Mindestdauer von sechs oder neun Jahren, seine Wohnung unter Einhaltung bestimmter Mietobergrenzen, Einkommensgrenzen der Mieter und ggf. bestimmter Bedingungen für die Auswahl der Mieter zu vermieten. Im Jahr 2020 waren mehr als 1.800 der finanzierten Wohnungen Neubauwohnungen und stellten mit 62 % den größten Teil des neu verfügbar werdenden Bestandes an Sozialwohnungen. 2020 waren die beiden anderen Arten hingegen deutlich weniger vertreten als in den Vorjahren.

25 % ist der gesetzlich vorgeschriebene Anteil an Sozialwohnungen in Paris

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Die „Orgeln von Flandern“ in Paris säumen über der Pforte eines ehemaligen Arbeiter-Wohnviertel den Zugang zum Turm Riquet und seinen Sozialwohnungen. (Urbanauth / VGO / Paris / 2021)

In Paris ist das in Artikel 55 des SRU-Gesetzes verankerte Ziel, bis 2025 einen Anteil von 25 % Sozialwohnungen an den Hauptwohnsitzen zu erreichen. Wie wir jedoch im Folgenden noch entdecken werden, betrifft dies keineswegs eine gleichmäßige Flächenverteilung über das gesamte Stadtgebiet hinweg.

Geografisch verteilt, befindet sich mit 35% mehr als ein Drittel der von 2001 bis 2020 finanzierten Sozialwohnungen in den zentralen und westlichen Arrondissements. Doch fast die Hälfte des sozialen Wohnungsbestandes in nur drei Bezirken…

40 % der Sozialwohnungen befinden sich in 3 Bezirken

Gegenwärtig sind die Sozialwohnungen zu mehr als 40 % in nur drei Arrondissements konzentriert: im 13., 19. und 20. Arrondissement, in denen jeweils mehr als 35 000 Sozialwohnungen untergebracht sind.

Wer unseren Artikel zur Obdachlosigkeit in Paris gelesen hat, wird sich eventuell erinnern, dass die Anzahl der Obdachlosen in Bezirken mit vielen Sozialwohnungen ebenfalls deutlich höher ausfällt, als in anderen Teilen der Stadt. In Verbindung mit den großen Stadtentwicklungsmaßnahmen der letzten Zeit wurden in acht Bezirken jeweils zwischen 8.000 und 15.000 neue Sozialwohnungen gebaut: Dies betrifft dabei vor allem die äußeren Bezirke von Paris mit den Arrondissements 12., 13., 14., 15., 18., 19. und 20.

3-4 Jahre dauert die Umsetzung eines sozialen Wohnangebots in Paris

Die Zeitspanne zwischen der Finanzierung eines Programms und dem Angebot zur Vermietung kann je nach Dauer der Baustellen von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren betragen. Im Durchschnitt werden für ein neues Programm drei bis vier Jahre benötigt. Von den 113.115 Sozialwohnungen, die von 2001 bis 2020 finanziert wurden, waren 87.419 Ende 2020 fertiggestellt (79%).

Die Nachfrage nach Sozialwohnungen, die in Paris zum Ausdruck kommt, wird hauptsächlich von Haushalten mit geringem Einkommen geäußert: Am 31. Dezember 2020 hatten 73% der als Wohnungssuchende registrierten Haushalte in Paris ein Einkommensniveau unterhalb des steuerlichen Referenzeinkommen von 30.887 € für einen Vier-Personen-Haushalt. Diese Quote ist etwas niedriger (70%), wenn sie nur für die Teilpopulation der Antragsteller berechnet wird, die Paris als erste Wahl angegeben haben. Weniger als 9 % der Haushalte, die als Wohnungssuchende registriert sind, verfügen über ein Einkommen, das über einem steuerliches Referenzeinkommen von 56 152 € für einen Vier-Personen-Haushalt.

Um das Angebot an Sozialwohnungen instand zu halten, hat sich die Stadt von Paris dazu verpflichtet die nächsten Jahre 35000 Wohneinheiten zu renovieren und modernisieren. Mit einer geteilten Investition von 82 Millionen Euro wird das Äußere sowie die thermische Isolation der Fassaden erneuert. Besonders viele Arbeiten werden in den Bezirken durchgeführt mit einer hohen Zahl an Sozialwohnungen. Ganz vorne mit dabei: der 13. Bezirk gefolgt vom 20., 19., 18. und 12. Bezirk. Mehr als einer von fünf Wohnungssuchenden (23 %) ist bereits Mieter einer Sozialwohnung und möchte seine derzeitige Wohnung gegen eine andere, meist größere Wohnung eintauschen.

Formen des sozialen Wohnungsangebotes in Paris: PLAI, PLUS, PLS

Von 2001 bis 2020 wurden 113.115 Sozialwohnungen in Paris finanziert. Doch soziales Wohnen in Frankreich ist nicht gleich Sozialwohnung! Die Formen des sozialen Wohnungsangebotes unterscheidet sich.

HLM („Habitation à Loyer Modéré“) ist der Gebrauchsbegriff in Frankreich für ein soziales Wohnangebot mit gemäßigten Mieten. Je nach Bedarfsfall unterscheiden sich die Sozialwohnungen, einschließlich ihrer Finanzierung. Auch die steuerlichen Referenzeinkommen, welche als Obergrenze fungieren, unterscheiden sich in den Landesteilen.

Das soziale Wohnungsangebot in Paris setzt sich aus folgenden Zahlen zusammen: 30.700 PLAI-Wohnungen (27%), 48.227 PLUS-Wohnungen (43%) und 34.188 PLS-Wohnungen (30%). (Urbanauth / VGO / 2022)
  •     PLAI-Wohnungen werden durch das „Prêt Locatif Aidé d’Intégration“ finanziert und sind Mietern vorbehalten, die sich in einer sehr prekären Lage befinden. Der Bedarfsfall wird in Paris am steuerlichen Referenzeinkommen von 30.887 € als Obergrenze für einen Vier-Personen-Haushalt entschieden.
  •     PLUS-Wohnungen werden durch das „Prêt Locatif à Usage Social“ finanziert und entsprechen den HLM-Mieten. Die Miete ist moderat. Der Bedarfsfall in Paris wird am steuerliche Referenzeinkommen von 56 152 € für einen Vier-Personen-Haushalt berechnet.
  •     PLS-Wohnungen werden durch den „“ (Sozialmietvertrag) finanziert, während PLI-Wohnungen durch den „Prêt Locatif Intermédiaire“ (Zwischenmietvertrag) finanziert werden. Die beiden letzteren werden an Mieter vergeben, deren Einkommen zu hoch ist, um für HLM infrage zu kommen, aber zu niedrig, um sich eine Wohnung im Privatsektor leisten zu können.

Weiterführende Informationen:

Die Zahlen zum sozialen Wohnungsbau wurden vom gemeinnützigen Verein APUR (Atelier parisien d’urbanisme) veröffentlicht. Der Verein wurde 1967 vom Pariser Stadtrat gegründet. Seit 2012 steht die APUR unter der Leitung der Architektin Dominique Alba. Die Aufgaben des Apur bestehen darin, die städtischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Paris und der Metropolregion Grand Paris zu dokumentieren, zu analysieren und vorausschauende Strategien zu entwickeln. Im Dienste der öffentlichen Planungs- und Entwicklungspolitik auf der Ebene von Paris und der Metropolregion stellt die APUR regelmäßig Analysen und Daten auf ihrer Plattform zur Verfügung.

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